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Penzing

19.02.2021

In Penzing gibt es gleich zwei Männer als Kindergartenleiter

Die Zeit, als dieser Stuhl für Matthias Peischer (links) gepasst hat, ist schon lange her: Der 29-Jährige kehrt nun in leitender Funktion an seinen ehemaligen Kindergarten zurück. Und auch die zweite Einrichtung in Penzing leitet ein Mann: Dennis Pfender.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Normalerweise arbeiten vor allem Frauen in den Kindergärten – nicht so in Penzing. Für den Leiter von St. Josef ist es sogar ein ganz besonderer Arbeitsplatz.

Es gibt die Berufe, die verbindet man automatisch mit Frauen – auch in der heutigen Zeit noch: Krankenschwester, Sekretärin, Hebamme – oder Kindergärtnerin. Aber es gibt eben auch die Ausnahme, wie in Penzing zu sehen ist: In der Lechraingemeinde haben nämlich zwei Männer das Sagen in den Kindergärten.

Matthias Peischer ist einer davon und leitet den Kindergarten St. Josef in Penzing, den der 29-Jährige schon als Kind besuchte. In den beiden Kitas im Ort ist die Männerquote im September dann jäh angestiegen: Zeitgleich mit Erziehungswissenschaftler Peischer begann Dennis Pfender als stellvertretender Leiter des Kindergartens St. Martin.

Nach sechs Wochen wird die Stelle des Kindergartenleiters frei

Sechs Wochen später wurde die Leitungsstelle frei – schwangerschaftsbedingt. Der 26-Jährige aus Hiltenfingen, der bereits eineinhalb Jahre Erfahrung in der Stellvertretung vorweisen konnte, übernahm den Posten. Seit ihrem Start suchen beide dringend Personal zur Verstärkung ihrer jeweiligen Teams.

Als Sportler wollen sie mehr Bewegung in den Kindergarten bringen. Bei Fußballer Pfender gibt es für jede Gruppe einen wöchentlichen Sporttag. An „seinen“ Sport, das Stockschießen, möchte Peischer – unter anderem deutscher Meister 2020 und Trainer der U16-Nationalmanschaft – die Kleinen heranführen, sobald die notwendigen Geräte dafür da sind.

Bislang gab es nur Notbetreuung im Lockdown

Den Normalbetrieb konnten beide noch nicht kennenlernen. Doch am Montag soll es – unter Einhaltung der Hygienevorschriften – wieder für alle Kinder losgehen. Nachdem im Oktober die Eingewöhnungsphase für die Kinder vorbei war, kam der November mit Krankheitswellen daher und im Dezember folgte der Lockdown. Seither ist Notbetreuung, die in dem in der Oberberger Straße gelegenen St. Josef gut nachgefragt ist (80 Prozent der Kinder sind da). In St. Martin nehmen 15 von 70 Kindern das Angebot wahr. „Viele Familien haben sich selbst um Betreuung gekümmert, dafür bin ich dankbar“, sagt Dennis Pfender.

Kirchliche Feste im Jahreskreis, Besuche bei Bäcker, Feuerwehr und Bürgermeister – alles musste in diesem Kindergartenjahr ausfallen. Durch Corona wurden auch die Tage der offenen Tür und das übliche Anmeldeverfahren abgesagt. Mit Videos, die Interessierte über geschützte Links im Internet ansehen können, stellen die Einrichtungen sich und ihr Personal vor. Die Anmeldung läuft heuer erstmals für alle drei Kindergärten (auch Wurzelpurzel in Epfenhausen) zentral über die Gemeinde.

"Als Erzieher muss man idealistisch sein"

Die Arbeit mit den Kindern, etwa an einem Schneenachmittag ein Iglu zu bauen, steht für beide noch vor dem Gehalt. „Wo wird man sonst dafür bezahlt, dass man spielen darf“, sagt Matthias Peischer, um gleich einzuräumen, dass solche Ereignisse die Ausnahme sind. „Als Erzieher muss man sehr idealistisch sein“, sagt er. In seiner Arbeit sehe er Sinn – Bestätigung ist für ihn, den täglichen Fortschritt der Kinder zu erleben. Doch das ist derzeit nicht Alltag. Personaleinsatzpläne und Organisatorisches fordern ihn und seinen Kollegen gerade am meisten. Auch die laufend neuen Verordnungen für den Betrieb in der Kita zu lesen und kurzfristig umzusetzen hält die beiden auf Trab.

Männer in der Frühpädagogik seien eine Bereicherung, finden die Penzinger Kindergartenleiter. Dennis Pfender sieht sich für die Jungen als männliches Rollenvorbild, das Verständnis mitbringt für ihr Bedürfnis nach Toben und Raufen. Für die Mädchen sei er Vertreter einer Vaterrolle, die diese von häufig berufsbedingt abwesenden Vätern oftmals nicht kennen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn man gemocht wird“, sagt Pfender auch.

Auch die beiden müssen noch dazulernen

Durch seine Größe habe er eine andere Präsenz als (zum Beispiel) eine 1,60 Meter kleine Frau, sagt Zwei-Meter-Mann Peischer. „Als Mann hat man da schon Autorität, ohne pädagogisch zu handeln“, erzählt er und lacht. Pfender, für den sein Beruf eine Berufung ist, sieht das auch als Vorteil gegenüber Eltern oder dem Team. Peischer, der aus Penzing stammt, hat Erziehungswissenschaften studiert und nach einem freiwilligen sozialen Jahr in einem Kindergarten (wie Kollege Pfender) in einer Heilpädagogischen Tagesstätte im Landkreis Fürstenfeldbruck gearbeitet. „Ich kann gut erklären, warum etwas nicht funktioniert, muss es mir aber in der Praxis immer selber erschließen“, sagt Peischer, der täglich dazulernt – angefangen bei Fingerspielen oder der Durchführung des Morgenkreises.

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