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Schondorf

11.08.2020

In Schondorf werden Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet

Projektpatin Eva-Maria Zotter, Ilse Baumgarten vom Organisationsteam des „BürgerBudgets“ und Schondorfs Alexander Herrmann (oben von links) zeigen den gut gefüllten Kühlschrank im Rathaus-Hof.
Bild: Christian Rudnik

Plus Damit nicht so viele Lebensmittel weggeworfen werden, gibt es in Schondorf jetzt einen besonderen Kühlschrank. Doch der ist nur eines der Bürgerprojekte, die die Gemeinde mit Geld unterstützt.

Eine „Abgabestelle“ für gerettete Lebensmittel und damit auch eine Abholstelle für alle gibt es jetzt in Schondorf im Innenhof des Rathauses. Rund ein Dreivierteljahr hat Projektpatin Eva Maria Zotter im Ort nach einem geeigneten Standort für einen solchen Kühlschrank gesucht. Bei einem Pressetermin mit Bürgermeister Alexander Herrmann, Ilse Baumgarten vom „BürgerBudget“ und interessierten Gemeinderäten und Bürgern wurde der Kühlschrank jetzt gleichsam eingeweiht. Und es gibt noch weitere „BürgerBudget“-Projekte.

Nun konnte ein Standplatz für den frei zugänglichen Kühlschrank mit Glastür gefunden werden. Zur Einweihung des auf dem zweiten Platz beim letztjährigen Bürgerbudget gewählten Projektes befüllte Zotter den Kühlschrank mit Waren aus einem Supermarkt in der Region. Bananen mit braunen Flecken oder Eier und Milchprodukte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen sind, müssen von Supermärkten aussortiert und entsorgt werden. Das sogenannte „Containern“ direkt aus dem Supermarktmüll ist jedoch immer noch strafbar, wie Herrmann anmerkte.

Der Kühlschrank ist auch ein "Sozialexperiment"

Projektpatin Zotter findet, dass Lebensmittel zu wertvoll sind, um vernichtet zu werden, und engagiert sich deshalb schon seit einigen Jahren als Lebensmittelretterin. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass der Kühlschrank keine Konkurrenz zu anderen Einrichtungen wie die Tafel ist und die Waren von allen gebracht oder abgeholt werden können. Aber jeder sei auch selbst verantwortlich dafür, die Waren vor dem Verzehr auf Genießbarkeit zu prüfen. Ein verschließbarer Abfalleimer steht neben dem Kühlschrank, dort können verdorbene Produkte entsorgt werden. Ein Regal neben dem Kühlschrank gibt es bewusst nicht, um keine Tiere anzulocken, sagte sie auf Nachfrage. Der Kühlschrank sei auch ein „Sozialexperiment“, meinte Zotter. Von dem Projekt Gemüsegarten gab es gleich noch eine Tasche mit frischem Gemüse wie Kohlrabi und Lauch dazu. Bürgermeister Herrmann freute sich über die bisher umgesetzten Projekte aus dem Bürgerbudget, bei dem Menschen, die sich ins Dorf einbringen wollen, ihre Ideen einreichen können.

Die zweite Bewerbungsrunde für neue Projekte des Bürgerbudgets läuft gerade noch bis Ende August. Nach einer Vorstellungsrunde und einer Abstimmung der Schondorfer werden die Gelder, das sind rund 6000 Euro, vom Gemeinderat vergeben und können dann von den Projektpaten ausgegeben werden. Wichtig sei aber, dass die Ideen für Schondorf innerhalb eines Jahres umgesetzt werden können. Angelegt ist das Bürgerbudget bisher auf eine zweijährige Versuchsphase. Ob es länger gehen wird, soll demnächst im Gemeinderat entschieden werden.

Es gibt auch einen Schrank für Bücher

Zweite Station auf dem Rundgang war ein kleiner Bücherschrank am Bahnhof, den Projektpatin Sabine Pittroff und ihre Mitstreiterin Jutta Beuke bestücken und in Ordnung halten. Nach einem halben Jahr Betrieb sei das Regal immer noch in Ordnung und der Inhalt erneuere sich durchschnittlich alle zwei Wochen. „Nimm eins, bring eins“, ist das Motto bei diesem Bücherschrank.

Gerade in voller Pracht stehen die Gemüsebeete beim dritten Projekt, dem Schondorfer Gemüsegarten. Hier kann gerade „Ernte eingefahren“ werden, wie Herrmann feststellte. Das System erklärte Pate David Bensmann, der dieses Projekt mit der Gemüsegärtnerin Esther Koktanek leitet. Die gepachtete Fläche ist in 20 Parzellen aufgeteilt, die wiederum von zwei bis acht Personen bewirtschaftet werden.

Auf dem gemeinschaftlichen Gemüsefeld bei Schondorf gedeihen die Pflanzen gut.
Bild: Christian Rudnik

Pflanzplan, Anleitungsblätter und sogar eigene Videos gab es für die neuen Hobbygärtner, auch die Jungpflanzen werden geliefert. Pacht und Pflanzen bezahlen die Gärtner selbst. Viele Kontakte seien im Gemüsegarten entstanden und gegärtnert werde in allen Gesellschaftsschichten. Inzwischen gibt es auch schon eine Warteliste mit 20 Interessierten. Von dem Geld aus dem Bürgerbudget wurden professionelle Werkzeuge, Schubkarren und ein Wasserfass mit 6000 Litern Fassungsvermögen gekauft sowie ein Zaun als Wildschutz gebaut. Da bereits ein Schuppen auf dem Gelände stand, musste kein Unterstand errichtet werden. Deshalb kam das schon scherzhaft „Strebergarten“ genannte Projekt auch mit 3000 Euro statt den geplanten 3500 Euro aus, wie Bensmann erzählte. Weitere Projekte sind beispielsweise ein Aschenbecher am Gemeindesteg und ein Flohmarkt Anfang Oktober, berichtete Baumgarten vom BürgerBudget.

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