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Utting

08.07.2019

In Utting werden die Blätter weiterhin weggeblasen

Die Gemeinde Utting wird auch künftig nicht auf den Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern verzichten.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Utting setzt auch künftig auf Laubbläser und Laubsauger. Allerdings sollen die Einsätze nicht mehr so großflächig erfolgen. Warum davon auch der Artenschutz profitiert.

Spätestens nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das in Utting mit hoher Beteiligung unterstützt wurde, gilt der Ort als „grüne“ Gemeinde. Einen „grünen“ Antrag stellte nun aber die SPD Utting. Sie forderte die Gemeinde zum Verzicht auf den Einsatz von Laubbläsern und -saugern auf. Für den Antrag fand sich jedoch keine Unterstützung, auch nicht von den Gemeinderäten der GAL. Die stellte jedoch ihrerseits einen Kompromiss vor, der vom Gremium mehrheitlich angenommen wurde.

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Kleinlebewesen werden getötet

Laubbläser und Laubsauger beeinträchtigen die Umwelt durch die Emission von Feinstäuben sowie von Lärm. Eine Studie des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz, die die SPD-Forderung nach Verzicht auf den Einsatz von Laubbläser und Laubsauger untermauern soll, hatte der Uttinger Dr. Frank Grupp dem Antrag beigefügt. Außerdem eine Handreichung des Bund Naturschutz, wonach der Einsatz dieser Geräte massenweise Kleinlebewesen wie „Käfer, Spinnen, Tausendfüßler, Asseln, Springschwänze, Amphibien und Säugetiere bis zur Größe von Igeln“ töte. Ein Verzicht auf Laubbläser seitens der Gemeinde hätte Vorbildcharakter, trage zur Lebensqualität der Einwohner und zu einem positiven Bild als Erholungsort bei.

Vier benzinbetriebene Laubbläser und ein Laubsauger, montiert an einem kommunalen Fahrzeug, habe die Gemeinde Utting im Einsatz. Würden die Arbeiten wieder händisch ausgeführt, müsste der Bauhof um drei Arbeitskräfte aufgestockt werden, informierte Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL), der im Vorfeld bereits Rücksprache mit dem Bauhofleiter gehalten hatte.

In Utting werden die Blätter weiterhin weggeblasen

Auch der Landkreis sucht nach Alternativen

Außerdem hatte sich Lutzenberger Vergleichszahlen anderer Städte eingeholt, die sich weitgehend mit der Einschätzung des Bauhofs deckten. Denn nicht nur in Utting regt sich Widerstand gegen Laubbläser und -sauger. Auch in den Städten Hannover, Graz und Berlin will man auf die Geräte verzichten und auch im Kreistag würde über Alternativen beim Einsatz zur Pflege der Straßenränder diskutiert, so der Bürgermeister weiter. Deshalb habe ihn der Antrag auch nicht überrascht, sagte er dem LT.

Der Rathauschef erinnerte an den Pfingstmontag, an dem ein Unwetter mit Hagel für große Schäden in Utting gesorgt hatte. Kleinere Äste und viel Laub wurden durch Hagelkörner, Wind und Regenfälle von den Bäumen und Büschen abgetrennt und legten sich auf Fahrbahnen und Wege. „Auf den Straßen lag ein grüner Teppich“, sagte Lutzenberger. Ohne die motorbetriebenen Geräte hätte es viele Tage länger gedauert, sie zu säubern. Die Nerven vieler Bürger seien durch das Unwetter ohnehin blank gelegen. Einige hätten sich gar lautstark im Rathaus darüber beschwert, dass die Reinigung ihrer Straßen zu langsam erfolge. Lutzenberger erinnerte aber auch an die Pflichten der Gemeinde zur Vermeidung von Unfallgefahren durch beispielsweise nasses Laub auf Straßen. Auf Wiesen könne Laub jedoch liegen bleiben.

Die Geräte bewusster einsetzen

Darauf zielte dann auch ein Antrag der GAL ab, den Patrick Schneider präsentierte und der mit drei Gegenstimmen angenommen wurde. Demnach wird die Gemeinde die motorbetriebenen Geräte weiterhin auf Straßen, Wegen und anderen Verkehrsflächen einsetzen. Laub auf Wiesen könne jedoch liegen bleiben. Weiterhin sollen elektrisch betriebene, leisere Geräte vom Bauhof getestet werden. Ziel des Antrags sei, so Peter Noll (GAL), die Geräte bewusster einzusetzen. Auch Ralf Stief (CSU) konnte diesem Antrag etwas abgewinnen. Es gelte, nicht gänzlich zu verzichten, sondern den Standard zu ändern. Ohnehin würden die Geräte in Utting nicht „exzessiv“ eingesetzt.

Andreas Streicher stufte Laubbläser im Vergleich zu Mährobotern als eher harmlos ein und zeigte sich daher durch den Antrag „irritiert“: „Soll künftig auch von Hand Schnee geräumt werden?“. Mähroboter sind bei der Gemeinde nicht im Einsatz. Ihre schädliche Auswirkung sprach auch Helmut Schiller (SPD) an, als er für den Antrag seiner Partei warb. Er hielt es für möglich, die Mehrarbeit durch händisches Arbeiten, die seiner Meinung nach nicht immer anfalle, mittels Aushilfen aufzufangen. Utting sei beim Artenschutz vorbildlich, der Einsatz von Laubbläsern und -saugern widerspräche dieser Haltung.

Kein Laub auf Wiesen?

Josef Lutzenberger erinnerte daran, dass mehr als 45.000 Quadratmeter einmal jährlich nach Rücksprache mit einem Wildlebensraumberater ohne die Geräte gemäht würden. Gegen den Antrag stimmte die Ländliche Wählergemeinschaft. „Laub auf den Wiesen an Campingplatz, Summerpark und den Spielplätzen – wollen wir das?“, fragte Matthias Hornsteiner.

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