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Film

14.09.2020

In der Lederhose nach Las Vegas

Julian und Thomas Wittmann (Bildmitte) trafen sich nach Filmvorführung und Gespräch zur Fotosession vor dem Olympia-Kino mit Moped-Freunden aus dem Landkreis Landsberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Julian und Thomas Wittmann zeigen im Olympia Kino den Film zu ihrer außergewöhnlichen Reise. Was die Schauspielerin Monika Gruber damit zu tun hat

Was war wohl das größere Wagnis? Eine Reise mit dem Moped zu planen und auch durchzuführen oder daraus einen Kinofilm in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion zu machen? Die Brüder Julian und Thomas Wittmann aus einem kleinen Ort im Landkreis Erding haben beides gewagt. Das Ergebnis ist seit 13. August bundesweit in Kinos zu sehen und mittlerweile auch im Olympia Kino Landsberg angekommen, gemeinsam mit den beiden Hauptakteuren, die nach der Vorstellung am Samstagnachmittag bereitwillig viele Fragen der 35 Kinobesucher beantworteten.

„Ausgrissn – In der Lederhosn nach Las Vegas“: Schon der Titel dieses Streifens macht den ganzen Irrwitz deutlich. Im Frühjahr 2018, in einem Biergarten, sei die Idee geboren worden, erzählen die beiden Brüder. „Als Erstes haben wir überlegt, mit einem alten Eicher Bulldog loszufahren. Die 18 Stundenkilometer, die der fertig bringt, waren uns dann aber doch zu wenig.“

Also Moped – zwei alte Zündapp wurden gewählt und schon drei Monate später war Start. „Eigentlich war des alles ziemlich hirnrissig“, meinen die beiden heute. „Alle haben abgeraten.“ Für die Mopeds wurde viel Verschleißmaterial besorgt und eingepackt. „Die Motoren haben wir generalüberholen lassen. Da hat sogar der frühere Chefentwickler von Zündapp reingeschaut. Der ist weit über 80 Jahre alt.“ Insgesamt 6000 Kilometer wurden auf den Mopeds zurückgelegt, dazu kamen weitere 6000 Kilometer mit dem Schiff von Antwerpen nach New York.

Die Motoren haben gehalten. „Auf den ersten 1000 Kilometern bis Antwerpen hatten wir überhaupt keine Panne.“ Als Erstes ging der selbst gebastelte Anhänger flöten – „zur Rushhour mitten auf der Manhattan Bridge“. Der musste zurückgelassen werden, ist aber mittlerweile wieder daheim. „Der Jörg hat ihn geholt und zurückgeschickt.“ Der Jörg ist einer der Menschen, denen die beiden auf ihrem Weg begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen sind. Und das waren zum Teil schon recht „vogelwuide Typen“, vom Lebenskünstler über das Hells Angels-Mitglied und den Waffennarren bis zum Aussteiger. Das Filmteam waren in Europa zwei Leute, in Amerika waren es drei. „Die haben auf engstem Raum in einer alten Wohnmobilkiste gehaust.“

Die abenteuerliche Reise war nach drei Monaten „17 Pannen und 36 Tankfüllungen“, mit der Ankunft in Las Vegas vorbei. Die Mopedmotoren haben gehalten, die Lederhosn auch. Die beiden „Ausreißer“ wählten für den Weg zurück den Flieger, die Mopeds kamen im Container nach Bayern.

Jetzt waren 500 Stunden Filmmaterial zu sichten und zu schneiden, mit Musik zu unterlegen. „Das hat eineinhalb Jahre gedauert“.

Und wie kam Monika Gruber zu einer Rolle in dem Film? „Die Moni hat unsere Videoclips geteilt und hat mal zu uns gesagt „Wenns amal a Frau brauchts, dann sagt’s es“. Und wie war das mit der Freiheit? „Landschaftlich waren wir vor allem in Amerika sehr frei“, meinen die beiden. Eine „echte“ Freiheit haben sie nicht gefunden.

Ihre Interpretation: „Wir haben uns die Freiheit genommen, auszureißen und einen Reisefilm der anderen Art zu machen. Freiheit war, indem wir uns entschlossen haben, das zu machen, zu entschleunigen.“ In den USA ist den beiden aufgefallen, dass die Menschen an der Ostküste gebildeter und offener sind. „Richtung Westen klafft die Schere arm-reich immer weiter auseinander.“ Generell seien die Menschen in den USA schnell zum Gespräch bereit, aber oberflächlich.

Nach Film und Gespräch ging es nach draußen zur Fotosession. Mehr als zehn Kinobesucher waren mit einem alten Moped gekommen – Lockvogel war ein kostenloses Flascherl Bier.

Die Moped-Freunde stammten alle aus dem Landkreis Landsberg. Und sie besitzen meist nicht nur eines dieser Fortbewegungsmittel. Bis zu acht solcher Gefährte stehen in der Garage. „Wenn du damit anfängst“, meint einer der Freaks, „kannst du einfach nicht mehr aufhören mit der Sammelei.“

Übrigens: Die Brüder Julian und Thomas Wittmann entstammen einer Schauspielerfamilie. Von Vater Helmut bis zum jüngsten Bruder Jonas, der vor einigen Jahren den Maxi in der Serie „München 7“ mimte, standen, bis auf die Mutter, alle schon einmal vor der Kamera.

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