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Obstbaumschnitt

17.03.2015

In der Mitte der Stamm und drumherum drei Leitäste

Wer Obst ernten will, muss sich auch mit dem Schnitt seiner Apfel- oder Birnbäume beschäftigen. Obst- und Gartenbauvereine, wie hier in Windach, zeigen, wie es funktioniert. Hier demonstriert Vorsitzender Dr. Christoph Köhl die richtige Technik.
Bild: Stephanie Millonig

Gartenbauverein Windach zeigt, wie es geht. Die spannende Frage danach lautet: Lässt sich das Gelernte daheim so einfach umsetzen?

Wer Obst ernten will, muss nicht nur über geeignete Sorte für den Standort finden, sondern sich auch um die Erziehung bemühen. Gartenbauvereine bieten Kurse an, um den Obstbaumschnitt zu erlernen. Um Erfahrung für die eigenen Apfelbäume zu bekommen, wird ein Kurs in Windach besucht, wo Vereinsvorsitzender Dr. Christoph Köhl erst einmal in die Theorie einführt, bevor Doris Kreitner zeigt, wie es praktisch geht.

Warum wird ein Obstbaum überhaupt erzogen? Weil es Qualität und Quantität beeinflusst. Sprich, wer große, wohlschmeckende Äpfel ernten will, muss dafür sorgen, dass eine gleichmäßige, breite, lichte Krone entsteht. Darum beginnt der Schnitt schon in der Baumschule und muss fortgeführt werden. Die Behandlung von Kernobst wie Apfel und Birne unterscheidet sich vom Umgang mit den Steinobstarten Kirsche, Zwetschge und Co. Hier sei aber auf den Apfelbaum fokussiert.

Es gibt unterschiedliche Erziehungsformen vom frei stehenden Baum auf der Streuobstwiese über das Spalier bis zum dünnen Spindelbusch. Je nachdem, in welcher Höhe die ersten Äste ansetzen, spricht man von Hochstamm (1,80 Meter), Halbstamm (1,20 Meter) oder Buschbaum (60 bis 70 Zentimeter). Gerade beim Hochstamm, der groß und alt wird, spielt die Statik eine Rolle, es gilt ein stabiles Gerüst aufzubauen. Der Fruchtansatz steht in den Anfangsjahren noch nicht im Vordergrund, da Hochstämme erst nach sieben bis zwölf Jahren tragen.

Dr. Köhl zeigt den angestrebten Pyramidenaufbau anhand von Bildern: Mittig wächst die Stammverlängerung nach oben, drei möglichst gleichmäßig rundrum verteilte Leit-äste sorgen für das Gerüst, aus dem dann das möglichst waagrechtewachsende Fruchtholz sprießt. Der ideale Winkel der Leittriebe ist 45 Grad. Wenn sie zu steil stehen, können sie nach unten gebunden werden, oder es wird ein Gewicht daran gehängt. „Stein im Strumpf“, ist laut Köhl eine einfache Möglichkeit, sich so ein Gewicht zu basteln.

Baumschere, Baumsäge oder Fuchsschwanz sowie eine Hippe, ein scharfes gebogenen Messer, sind wichtige Werkzeuge. Baum- oder Astscheren mit Verlängerung und Seilzug kommen bei höheren Bäumchen zum Einsatz. Wichtig ist ein glatter Schnitt: Eine ausgefranste Schnittstelle wird mit der Hippe geglättet. Denn das Heilgewebe der Rinde muss eine derartige Wunde von außen her verschließen können, erläutert Köhl. Dickere Äste sollten zuerst weiter vom eigentlich gewünschten Ansatz abgesägt werden, um ein Einreißen zu verhindern. Der Stummel, auf dem dann nicht mehr das Gewicht des Astes lagert, werde dann noch einmal eingekürzt, so Köhl.

Grundgedanke ist, Triebe und Äste so zu beschneiden, dass aus einer der Schnittstelle nahen Knospe ein neuer Trieb in die richtige Richtung wächst. Der Baum soll sich nach außen hin entwickeln, nicht nach innen. Die oberste Knospe treibt am stärksten aus, das heißt, dass diejenige an der Stammverlängerung die Höchste sein muss. Der Rückschnitt der Leitäste muss gleichmäßig erfolgen, es gilt, die sogenannte „Saftwaage“ einzuhalten, wie Köhl erläutert: Gleiche Höhe, gleiche Versorgung, gleiche Entwicklung, so die Logik.

Die Gefahr lauert unter der Mulchschicht

Dann geht’s hinaus in die Natur, auf eine Fläche in einem Waldstück, einer ehemaligen Kiesgrube. „Erwärmt sich gut in der Sonne“, erzählt Doris Kreitner. Die Fläche muss aber wegen des Wildes eingezäunt werden. Wildschutz ist aber auch im dörflichen Garten angebracht. Und nicht nur Reh und Hase können den jungen Obstbäumchen schaden: Als Kreitner Grasmulch um das erste Stämmchen, einem Golden Delicious, zur Seite schiebt, zeigt sich die Misere: Die Rinde ist von Mäusen fast rundum weggefressen worden. „Wenn so viel fehlt, stirbt der Baum“, sagt Kreitner, denn in der Rinde findet der Wasser- und Nährstofftransport statt. Auch andere Bäumchen sind angeknabbert und werden wohl nicht überleben.

Für die Baumschnitteleven ist es ganz beruhigend, dass sie hier nichts mehr kaputt machen können. Denn jeder darf Hand anlegen und – unter milder Korrektur der Fachleute – entscheiden, was Leitast werden soll und was weg muss. Und nach einigen Bäumchen und Diskussion um die richtige Struktur, wird das Prinzip schon klarer. Und der Entschluss, einen Gärtner für die eigenen, neu gepflanzten Bäume zu bestellen, wird revidiert.

Noch am Nachmittag geht es daheim an die Arbeit – ob alles richtig gemacht wurde, wird sich die nächsten Jahre zeigen.

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