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Asyl

20.02.2015

In ein sicheres Land oder ins Elend?

Symbolfoto
Bild: dpa

Roma müssen nach Serbien zurück, Schondorfer Unterstützer sprechen von „humanitärem Desaster“

Für das Team Asyl Schondorf ist es ein „humanitäres Desaster“, was einer fünfköpfigen Roma-Familie droht, für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist der Fall klar: Wer aus Serbien kommt, einem Land, das als sicherer Herkunftsstaat gilt, hat in Deutschland keinen Asylanspruch und muss ausreisen. Nach einer ebenfalls fünfköpfigen Roma-Familie aus Holzhausen muss nun auch die Familie Fazilju mit ihren drei Kindern im Alter von neun bis zwölf Jahren Deutschland verlassen – zurück in Elend und Verfolgung, wie ihre Unterstützer in Schondorf meinen. Um den Faziljus zumindest eine gewisse Chance auf einen Neuanfang in ihrer Heimat zu geben, soll Geld gesammelt werden.

Die Faziljus, schreibt Ludwig Gernhardt vom Unterstützerkreis, stammen aus Presevo im äußersten Süden Serbiens, einer Gegend die ans Kosovo und an Mazedonien angrenzt und überwiegend von Albanern bewohnt ist. Dieser Raum ist wirtschaftlich kaum entwickelt und auch aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage mit hoher Arbeitslosigkeit und daraus resultierender Abwanderung hat es immer wieder Konflikte zwischen Albanern und Serben gegeben, die schwächste gesellschaftliche Gruppe seien aber die Roma, so Gernhardt.

Vor diesem Hintergrund versuchten die Faziljus bereits vor zwei Jahren Asyl in Deutschland zu erhalten, unter anderem weil, wie sie angaben, ihren Kindern in Serbien verwehrt wurde, zur Schule zu gehen. Mithilfe deutscher Spenden kehrten sie zunächst in ein Haus der Mutter zurück, das sie herrichteten. Dieses hätten sie dann aber erneut im Herbst verlassen müssen, nachdem sie von feindseligen albanischen Nachbarn attackiert worden seien. Inzwischen, wird weiter berichtet, sei ihr zurückgelassenes Haus geplündert worden und alle bewegliche Habe – sogar die Heizkörper – mitgenommen worden seien.

Genau dorthin zurück soll es für die Faziljus schon in Kürze gehen: Am Faschingsdienstag erhielten die Roma die Nachricht, dass „die Durchführung eines neuen Asylverfahrens für die Familie als unbeachtlich“ abgelehnt wird und Ausreisepflicht bestehe. „Aber wohin soll diese Familie gehen, wenn ihr Hab und Gut geplündert ist und aggressive Bewohner in der Umgebung ihnen Gewalt antun, ohne dass staatlicher Schutz zu erwarten ist?“, fragt sich Gernhardt.

Dass es doch noch anders kommen könnte und die Familie in Deutschland bleiben kann, hält Gernhardt für unwahrscheinlich. So habe ein Rechtsanwalt eine Klage gegen die Nichtanerkennung schon als aussichtslos eingeschätzt. Auch die Möglichkeit, über ein Arbeitsverhältnis eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, dürfte wohl nicht bestehen: Der Familienvater verfüge zwar über praktische Arbeitserfahrungen als Verputzer und Anstreicher, aber außer ein paar Schuljahren keine konkreten Qualifikationen. Der Versuch der Eltern, als Reinigungskräfte für die Schulturnhalle beschäftigt zu werden, sei gescheitert, denn es habe auch deutsche Bewerber gegeben.

Nun richte sich der Unterstützerkreis darauf ein, der Familie zu helfen, trotz der ungünstigen Umstände in ihrem Heimatort im Dreiländereck Serbien-Mazedonien-Kosovo noch einmal neu anfangen zu können. Eine erste Hilfe wäre, so habe ihm der Familienvater gesagt, einen neuen Ofen für ihr Haus zu kaufen, sowie einige Ster Brennholz und Matratzen anzuschaffen. Mit 1000 Euro, so Gernhardt, wäre schon viel geholfen. Eine ähnliche Hilfsaktion gibt es auch für eine noch in Holzhausen lebende Roma-Familie aus Serbien, die ebenfalls nicht bleiben kann.

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