1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. In zwölf Metern Tiefe wird es kalt

Klima

02.07.2014

In zwölf Metern Tiefe wird es kalt

Umweltminister Marcel Huber (links) nahm die Messboje auf dem Ammersee heute offiziell in Betrieb, Bürgermeister Herbert Kirsch und Landrat Thomas Eichinger assistierten ihm dabei.

Wassertemperatur im Ammersee wird ab sofort bis zur tiefsten Stelle gemessen. Umweltminister Marcel Huber nimmt Messboje vor Riederau in Betrieb

 Um den Klimawandel und seine Folgen zu erforschen, kommt jetzt auch dem Ammersee Bedeutung zu: Am Mittwoch hat Umweltminister Dr. Marcel Huber heute vor Riederau die erste bayerische Klima-Messboje freigeschaltet. Die gelbe Messstation befindet sich an der tiefsten Stelle des Sees 1,7 Meter Kilometer östlich des Dampferstegs. Sie meldet die Wassertemperaturen von der Oberfläche bis in eine Tiefe von 78 Metern, die durch 16 Sensoren in verschiedenen Tiefen ermittelt werden. Außerdem werden Wetterdaten wie Lufttemperatur, Globalstrahlung, Wind und Niederschlag gemessen.

Wassertemperaturen sind an einem beliebten Badegewässer wie dem Ammersee durchaus bekannte Größen. Insofern hätte es des finanziellen Aufwands von 40000 Euro für die Messboje nicht bedurft. Für die Klimaforschung wichtig sind aber auch die Temperaturen in den tieferen Schichten. Man erhoffe sich weitergehende Kenntnisse darüber, „was bedeutet der Klimawandel für die Ökologie und Seewasserphysik“, erklärte Huber bei der offiziellen Inbetriebnahme der Messstation, bislang gebe es aus den Seen „keine wirklich fundierten Messdaten“.

Bekannt ist aber bereits, dass in den Flüssen des Isareinzugsgebiets (dazu gehören auch Ammer und Amper) die Wassertemperatur in den vergangenen 30 Jahren um 2,5 Grad gestiegen ist. Wird das Wasser in Flüssen und Seen wärmer, reduziert sich dessen Sauerstoffgehalt, was wiederum das Wachstum unerwünschter Algen befördert und zugleich die Lebensbedingungen für viele Fischarten verschlechtert.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Klima-Messboje soll die Datengrundlage vergrößern. Nur durch ein möglichst breites Wissen, so Huber, könnten zielgerichtet Maßnahmen ergriffen werden. Der Klimawandel führe vor allem zu mehr Wetterextremen: So führe die um 2,5 Grad höhere Wassertemperatur des Mittelmeers dazu, dass die von dort zu uns kommende Luft mehr Wasserdampf enthalte. Dies führe dann zu extremen Niederschlagsereignissen an der Alpennordseite wie im Frühsommer 2013. Oft seien solche Phänomene aber lokale Ereignisse, erläuterte Huber mit Verweis auf den vergangenen Winter: Der fiel bei uns aus, während sich in Slowenien der Schnee bis zur vier Meter hoch türmte.

Messergebnisse werden alle 15 Minuten gesendet

Die Messboje wurde bereits vor einem Jahr mit drei jeweils 750 Kilogramm schweren Gewichten auf dem Seegrund verankert. An ihr hängt eine Kette mit den Temperatursensoren. Nach einer längeren Testphase ist jetzt in Betrieb gegangen. Alle 15 Minuten werden nunmehr die Temperaturen an den 16 Tiefenprofilen per Mobilfunk an das Landesamt für Umwelt (LfU) gemeldet. Die Messdaten sind damit viel umfangreicher als durch die bisherigen monatlichen Einzelmessungen per Sonde vom Boot aus. Abgerufen werden können sie im Internet hier, allgemeine Dater zu bayerischen Gewässern stehen hier.

Der Ammersee wurde als Messstandort übrigens ausgesucht, weil er ein gutes Beispiel eines voralpinen Sees ist. Solche Seen sind durch große Zu- und Abflüsse charakterisiert, im Gegensatz zum Starnberger See, der nur durch Grundwasser und kleine Bäche gespeist wird.

Neben Klimaforschern können die Daten aus der Messkette im Ammersee aber auch Badegäste nutzen. Sie können sie auf der Internetseite des LfU finden. Heute Mittag war das Wasser an der Oberfläche bis in sechs Meter Tiefe zwischen 19,1 und 18,2 Grad warm. Das ist auch der Bereich, der sehr schnell auf sonnige und heiße Tage reagiert. Darunter sinkt in der sogenannten Sprungschicht die Temperatur schnell ab und erreicht bereits bei zwölf Metern Tiefe die Zehn-Grad-Marke. In den tieferen Schichten gibt es kaum noch kurzzeitige Schwankungen und an der tiefsten Stelle ist das Seewasser stets um die vier Grad herum kalt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
leit62723.jpg
Schondorf

Partygäste behindern Polizei

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden