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Landsberg

28.04.2020

Infektmobil: Der Rettungswagen für besondere Einsätze

Sie sind mit dem Infektmobil unterwegs: (von links) Manuel Fischer, Rebekka Schmitt und Dr. Susanne Dörries steigen am Parkplatz vor dem Gebäude der Infektambulanz am Landsberger Klinikum aus.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit zwei Wochen ist im Landkreis Landsberg das Infektmobil unterwegs. Es fährt zu Menschen, die möglicherweise an Covid-19 erkrankt sind.

Es ist ein ganz normaler Rettungswagen. Doch wenn er ausrückt, ist Corona im Spiel – vermutlich. Das Infektmobil des Landkreises ist seit 11. April im Einsatz, gut 40-mal musste es schon ausrücken – und immer wieder ist es kein alltäglicher Einsatz. Das LT hat die Besatzung begleitet, mit ihr über ihre Arbeit gesprochen und wie sie sich vor einer Ansteckung schützt.

Mit in der Infektambulanz arbeiten Ehrenamtliche vom Bayerischen Roten Kreuz und Mitarbeiter des Klinikums: Einzig von Fahrer Manuel Fischer sind die Gesichtszüge erkennbar – soweit es die „normale“ Gesichtsmaske zulässt. Von Rettungssanitäterin Rebekka Schmitt und Dr. Susanne Dörries vom Klinikum dagegen ist fast nichts zu erkennen, wenn sie den Rettungswagen vor dem Gebäude der Infektambulanz unweit des Landsberger Klinikums verlassen. Eingehüllt in einen Schutzanzug, Maske, Brille, Handschuhe – beide sind für den Ernstfall gerüstet. „Die Sauna ist inklusive“, sagt Dörries, und man kann ein Schmunzeln bei ihr zumindest vermuten. Doch die Anzüge sind ihre Lebensversicherung, wie Dr. Markus Hüttl sagt. Er hat die Infektionsambulanz und auch das Infektionsmobil für den Landkreis ins Leben gerufen.

Das richtige An- und Ausziehen wird geübt

In Bayern, vielleicht sogar ganz Deutschland, so Hüttl, sei es das einzige Infektmobil. „Die Besatzung besteht immer aus Fahrer, Arzt, Rettungssanitäter und Physiotherapeut.“ Und vor dem ersten Ausrücken wird erst mal das richtige An- und Ausziehen der Anzüge geübt. „Das muss man immer wieder wiederholen“, sagt Hüttl. Die Gefahr beim Anziehen ist, dass nicht alle Körperteile richtig geschützt sind – beim Ausziehen könnte es passieren, dass man verunreinigte Stellen anfasst und sich dann beispielsweise an die Augen greift. „Schon wäre es passiert“, macht Hüttl die Gefahr deutlich.

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Vor Ort entscheidet der Arzt, ob der Patient zu Hause behandelt werden kann. „Es ist wichtig, dass die Leute zu Hause versorgt werden, wenn es der Gesundheitszustand zulässt.“ Sollte es sich nicht um Covid-19 handeln, würde er Gefahr laufen, sich im Krankenhaus mit anderen Keimen zu infizieren. „Und wenn es Covid-19 ist, und man bringt ihn ins Krankenhaus, ist es auch gefährlich.“

Die Betroffenen werden zweimal täglich angerufen

Deshalb besucht das Infektmobil die Betroffenen auch mehrmals. „Wir bleiben für diese der Ansprechpartner.“ Dafür hat man inzwischen Geräte angeschafft, mit denen die Betroffenen selbst den Sauerstoffgehalt im Blut messen können. „Zweimal täglich werden wir dann anrufen und die Werte abfragen“, sagt der Mediziner. Das sei wichtig, da sich bei Covid-19 diese Werte innerhalb von Tagen, sogar Stunden extrem verschlechtern können. Mit an Bord ist bei den Einsätzen auch immer ein Physiotherapeut. „Er gibt den Betroffenen Übungen an die Hand, mit denen sie die Belüftung der Lunge verbessern können.“ So könne man bereits präventiv eingreifen.

Bislang seien die Helfer auf viel positive Resonanz gestoßen. „Die Leute sind froh, wenn sie nicht rausmüssen“, so Hüttl. Trotzdem sei das Infektmobil jenen vorbehalten, die nicht zur Infektambulanz kommen können. Vor Ort geben die Mediziner dann auch Hinweise, wie sich die Betroffenen richtig verhalten müssen. „Ideal ist natürlich ein älteres Ehepaar, das allein lebt, für die Isolation. Aber auch wenn mehrere Personen im Haushalt leben, finden sich Möglichkeiten.“

"Es ist gut angelaufen"

Für die Mitarbeiter geht die Arbeit nach der Rückkehr in die Infektambulanz weiter: Das Fahrzeug muss desinfiziert, Anzüge, Masken und Brillen korrekt entsorgt werden. Momentan genüge das eine Infektmobil für den Landkreis, so Hüttl. „Anfangs hatten wir ein bisschen Sorge, ob es angenommen wird, aber es ist gut angelaufen.“

Die Infektambulanz am Landsberger Klinikum ist täglich (auch an Feiertagen und am Wochenende) von 10 bis 18 Uhr vor Ort geöffnet. Unter der Woche sollen Termine über den Hausarzt ausgemacht werden, an Feiertagen und am Wochenende können Betroffene unter 08191/129-1740 anrufen.

Welche Maßnahmen der Landkreis noch ergreifen möchte: Pandemieplan: Was Dr. Markus Hüttl im Landkreis vor hat

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