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Kreis Landsberg

24.07.2019

Ist das Geheimnis um das KZ-Lager Kaufering V gelüftet?

Gerhard Roletscheck hat das Gelände des geplanten KZ-Außenlagers Kaufering V am Ortseingang von Türkenfeld entdeckt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Jahrzehntelang war unklar, wo sich das KZ-Außenlager Kaufering V befand. Jetzt ist sich ein pensionierter Oberstleutnant sicher, das Rätsel gelöst zu haben.

Es war ein jahrzehntelanges Rätsel: Eines der elf Kauferinger Außenlager des KZ Dachau konnte bislang nie im Raum Landsberg verortet werden. Auch Gerhard Roletscheck hat dieses Rätsel um den als „Lager V“ bezeichneten Ort lange beschäftigt. Im vergangenen Jahr, so berichtet der ehemalige Leiter der Militärgeschichtlichen Sammlung in der Welfenkaserne jetzt, stieß er auf dessen Spuren.

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Und wo befinden sie sich? Gleich hinter der Landkreisgrenze an der Straße von Geltendorf nach Türkenfeld. Die Existenz eines Lagers V wurde immer vermutet, da in den Dachauer Prozessen gegen das dort tätige Wachpersonal von insgesamt elf Außenlagern die Rede war. Konkret bekannt waren jedoch nur die Lager I bis IV und VI bis XI. Auf ein Lager V fehlten jegliche Hinweise, so gab es keine Notizen über Verlegungen und Arbeitseinsätze von Häftlingen. Vermutet wurde das Lager V aufgrund von Aussagen eines Wachmanns eine Zeit lang in Utting. Allerdings finden sich in Veröffentlichungen zur Türkenfelder Ortsgeschichte auch vereinzelt Hinweise auf ein KZ in der Umgebung des Dorfes.

Bei Aufklärungsflügen der Alliierten entstanden Luftaufnahmen

Auf die Spur wurde Gerhard Roletscheck durch Luftbildmaterial gebracht. US-amerikanische und britische Flugzeuge lieferten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs flächendeckend Luftaufnahmen von Deutschland. Lange Zeit waren jedoch entsprechende Bilder aus dem westlichen Ammerseegebiet nicht zugänglich. Das änderte sich 2018, als Roletscheck auf Aufnahmen aus einem US-Aufklärungsflugzeug vom 20. April 1945 stieß.

In diesem Bereich verortet der Hobby-Historiker und ehemalige Oberstleutnant Gerhard Roletscheck das ehemalige KZ-Außenlager Kaufering V.
Bild: Gerhard Roletscheck

Am Rand einer Fotografie des Gebiets von Geltendorf und St. Ottilien fiel Roletscheck eine Wiese am östlichen Rand des großen Waldgebiets zwischen Geltendorf und Türkenfeld auf: helle Rechtecke und Linien und kurze Striche, die das Gelände begrenzen. Für Roletscheck war klar: Der Bildausschnitt zeigt Erdarbeiten, die den Bau von Gebäuden und Wegen vorbereiteten. Die kurzen Striche identifizierte er als Betonsäulen, mit denen ein Stacheldrahtzaun errichtet werden sollte. Da er auf dem Baugelände keine Schatten erkannte, geht der pensionierte Oberstleutnant davon aus, dass im April 1945 noch keine Gebäude standen. Wenige Tage später rückten bereits US-amerikanische Truppen in die Region vor. Der geplante Lagerbau kam nie zustande und wohl schon wenige Monate später dürfte buchstäblich Gras über das Lager V gewachsen sein.

KZ-Lager Kaufering V: Heute sind keine Spuren mehr zu sehen

Heute ist in der Landschaft davon nichts mehr zu erkennen, wie vor 1945 befindet sich dort eine Wiese. Nach dem Luftbild geht Roletscheck davon aus, dass bei Türkenfeld 32 Erdhütten gebaut werden sollten, ein im Vergleich zu den bis zu 80 Erdhütten umfassenden Standorten in Landsberg und Kaufering eher kleineres Häftlingslager.

Die Luftaufnahme zeigt aber auch noch etwas anderes: drei fast fertiggestellte Wohngebäude südlich der Straße von Geltendorf nach Türkenfeld. Die Rohbauten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von der „Bayerische Werkstätten GmbH“ gekauft, einem Unternehmen, das Kinder- und Handtransportwagen und Metallwaren herstellte und Fahrräder instand setzte. Als der Betrieb 1953 Konkurs anmeldete, erwarb ein Unternehmer zwei der drei Häuser und siedelte dort eine Leichtbauplatten- und Maschinenfabrik an, in der bis heute Dämmstoffe hergestellt werden.

Lesen Sie dazu auch unsere große Multimedia-Geschichte: Der Horror von Kaufering

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