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Kreis Landsberg

24.07.2019

Ist das Geheimnis um das KZ-Lager Kaufering V gelüftet?

Gerhard Roletscheck hat das Gelände des geplanten KZ-Außenlagers Kaufering V am Ortseingang von Türkenfeld entdeckt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Jahrzehntelang war unklar, wo sich das KZ-Außenlager Kaufering V befand. Jetzt ist sich ein pensionierter Oberstleutnant sicher, das Rätsel gelöst zu haben.

Gedacht waren die drei Wohnhäuser freilich für einen ganz anderen Zweck. Sie waren Teil eines ab 1943 entwickelten Plans, im Raum Landsberg einen riesigen Rüstungskomplex mit drei Werken für den Bau von Kampfflugzeugen zu errichten. Für den Standort Landsberg sprachen damals insbesondere folgende Vorteile: Man lag zum Zeitpunkt der Planung weit genug von den Bomberbasen in Großbritannien entfernt, hier fand man genügend Kies als Rohstoff für die Betonbauten, und der Großraum zwischen Augsburg, München und dem Allgäu bot eine ausreichende Zahl an Arbeitern, zudem war mit den Flugzeugbauern Dornier und Messerschmitt bereits Luftfahrt-Expertise vorhanden, fasst Gerhard Roletscheck zusammen.

Allein in den drei geplanten Fabriken in Raum Landsberg (Decknamen Walnuss II, Weingut II und Diana II) sollten 90.000 Menschen arbeiten. Für die dafür notwendigen Arbeiter und deren Familien mussten auch Wohnungen geschaffen werden. Dies sollte entlang der Eisenbahnstrecken von München ins Allgäu und von Augsburg nach Schongau geschehen, erklärt Roletscheck.

Eine ähnliche Siedlung gab es in Türkheim

Geplant waren die Siedlungen meist am Rand von Waldgebieten, sie sollten so gestaltet sein, dass die Bewohner sich etwa durch Kleintierhaltungen teilweise selbst versorgen konnten. Sehr weit kam das Projekt in den letzten Kriegsmonaten nicht mehr. So standen in Türkenfeld von den geplanten neun Wohnhäusern bei Kriegsende drei im Rohbau.

Eine weitere kleine Siedlung nach demselben Muster bestand bei Türkheim im Unterallgäu. Dort befand sich nördlich des Bahnhofs auch das Kauferinger Außenlager VI, das ziemlich die gleiche Größe hatte wie das bei Türkenfeld angefangene Lager V. Vier der sieben begonnenen Wohngebäude für künftige Arbeiter in den Flugzeugwerken wurden fertiggestellt, nach dem Krieg wurden sie als Kreisseniorenheim genutzt. Nach dem in den 2000er-Jahren erfolgten Abriss wurden dort Wohnhäuser errichtet.

Lesen Sie hier ein Porträt über Gerhard Roletscheck: Der „Historiker in Uniform“ verabschiedet sich.

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