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Greifenberg

13.08.2020

Ist es in Greifenberg auch diesmal Brandstiftung?

In Greifenberg hat es in der Nacht auf Donnerstag erneut gebrannt. Diesmal war ein Mehrfamilienhaus im Föhrenweg betroffen. Zuletzt hatte es in einem großen Wohn- und Geschäftshaus zweimal gebrannt.
Bild: Carsten Michel

Plus In der Nacht auf Donnerstag brennt es in Greifenberg erneut. Diesmal in einem Mehrfamilienhaus, in dem Betroffene vom Wochenende untergekommen sind. Im Ort macht sich Angst breit.

Schon wieder hat es in Greifenberg gebrannt. In der Nacht auf Donnerstag brach in einem Mehrfamilienhaus in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses ein Feuer aus. Erneut mussten Bewohner über eine Leiter gerettet werden, weil das Gebäude so stark verraucht war. Es war der dritte Brand innerhalb weniger Tage. Wie mehrfach berichtet, gab es am Wochenende in einem großen Wohn- und Geschäftshaus zwei Großfeuer. Dort geht die Polizei von Brandstiftung aus. Im aktuellen Fall schließen die Ermittler einen technischen Defekt aus. Treibt in Greifenberg ein Feuerteufel sein Unwesen?

„Wir prüfen einen Zusammenhang“, sagt Michaela Grob von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, zu den jüngsten Brandfällen. Denn bei dem Feuer, das am Mittwoch gegen 23.30 Uhr in dem Mehrfamilienhaus im Föhrenweg ausbrach, schließe die Polizei mit hoher Wahrscheinlichkeit einen technischen Defekt als Ursache aus. Eine Bewohnerin des Hauses nahm Brandgeruch wahr und verständigte über Notruf Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Die Feuerwehr brachte das Feuer rasch unter Kontrolle, sodass ein Ausbreiten der Flammen auf das gesamte Wohnhaus verhindert werden konnte. Alle acht im Gebäude anwesenden Personen konnten unverletzt gerettet werden. Es entstand Sachschaden von rund 50.000 Euro.

Ein Bild der Verwüstung: Das Feuer beschädigte das Wohn- und Geschäftshaus in Greifenberg schwer.
Bild: Christian Rudnik

Am Donnerstag waren Brandermittler der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck vor Ort und untersuchten die Brandstelle. Mittlerweile wurde bei der Kripo auch eine mehrköpfige Ermittlungsgruppe gegründet. Die Bevölkerung wird um Hinweise gebeten. Zeugen sollen sich unter der Telefonnummer 08141/612-0 melden.

Die Bürgermeisterin sagt nach den Bränden: "Es ist ein ungutes Gefühl"

Der jüngste Brandfall ist doppelt bitter. Denn die Hausbesitzer hatten bei sich Personen aufgenommen, die von den Großbränden im Gebäudekomplex in der Haupt- und Wankstraße betroffen waren. „Es handelt sich um eine ortsansässige Familie, die Ferienwohnungen vergibt. Dort waren Betroffene vom zweiten Brand untergebracht“, sagt Greifenbergs Bürgermeisterin Patricia Müller im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt. Sie selbst wohnt ebenfalls im Föhrenweg und war in der Brandnacht vor Ort. Sie reagiert nach dem Vorfall sehr bedrückt. „Ich habe den Kontakt hergestellt und die Leute dort hingebracht. Die Familie wollte Hilfe geben und erlebt jetzt das Gleiche“, so die Rathauschefin. Müller beschreibt die Gefühlslage der Menschen im Ort als verunsichert. „Sobald die Sirene geht, sitzen alle im Bett. Es ist ein ungutes Gefühl. Die Leute haben Angst.“

Die Polizei will mehr Streife in Greifenberg fahren

Der erneute Feuerwehreinsatz in der Nacht auf Donnerstag sorgte mitten in der Nacht für Aufregung. Viele Menschen standen auf der Straße und beobachteten das Geschehen. Verunsicherte Blicke wurden ausgetauscht. Um das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen, will die Polizei jetzt verstärkt Präsenz im Ort zeigen. „Wir werden den Streifendienst erhöhen“, kündigt Polizei-Pressesprecherin Michaela Grob an.

Derweil laufen die Ermittlungen zu den Brandfällen bei der Kriminalpolizei auf Hochtouren. Die jüngsten Ereignisse haben bundesweit für ein großes Medienecho gesorgt. In der Nacht auf Samstag und in der Folgenacht hatte es in dem großen Wohn- und Geschäftsgebäude an Haupt- und Wankstraße jeweils im Keller gebrannt. In der zweiten Brandnacht loderten die Flammen weitaus stärker als in der ersten. Zunächst war die Polizei von einem technischen Defekt als Auslöser ausgegangen. Am Mittwoch waren Experten des Landeskriminalamts vor Ort, die ermittelten, dass das Feuer wohl vorsätzlich gelegt wurde.

Für die von den Großbränden Betroffenen gibt es viel Hilfe

Das unbewohnbar gewordene Gebäude wurde so stark beschädigt, dass zunächst von Einsturzgefahr die Rede war. Mittlerweile herrscht etwas mehr Klarheit darüber, wie es nun weitergehen könnte. Am Dienstag teilte die Rechtsanwältin der Eigentümerfamilie den Bewohnern in einer Versammlung mit, dass der Bereich Hauptstraße 55a und 55b weniger von den Schäden betroffen sei. Demnach soll das Treppenhaus bis Freitagmorgen gereinigt sein, damit Anwohner wichtige Gegenstände holen können. Anders sehe es im Bereich Hauptstraße 55c und Wankstraße 8 aus. Dort könnte eine Sanierung bis auf den Rohbau erforderlich sein, so die Auskunft am Dienstag. Insgesamt sind 27 Wohneinheiten seit dem Wochenende unbewohnbar.

Bei der Versammlung am Dienstag hatten einige Mieter Kritik an der Eigentümerfamilie wegen mangelnder Infopolitik geäußert. Bürgermeisterin Patricia Müller bricht jedoch eine Lanze für die Eigentümerfamilie: „Sie tut alles, um die Leute zu befrieden. Sie ist sehr bemüht, transparent zu sein. Jetzt wissen die Bewohner mehr – wer nach der Reinigung wieder rein kann und wer sich für eine längere Zeit eine neue Bleibe suchen muss“, so Müller gegenüber dem LT. Alle Betroffenen seien in Ausweichquartieren untergekommen. „Die Hilfsbereitschaft – auch von außerhalb des Ortes – ist toll.“

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