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05.07.2010

Jede Minderheit hat das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen

Satirischer Höhepunkt beim Musikalischen Sommer im Schacky-Park in Dießen: die "Biermösl Blosn" mit Christoph, Hans und Michael Well (von links). Foto: Miriam Anton
Bild: Miriam Anton

Dießen Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, dafür aber Trompeten und Posaunen, mit denen sie den Bayern und ihren Institutionen fröhlich-bissig den Marsch blasen. Die "Biermösl Blosn" zeigt selbst vor ihrem Gastgeber keine Gnade: Dießen bekam gleich zu Beginn des Auftrittes von Christoph, Hans und Michael Well am Sonntag im Schacky-Park sein Fett ab. Liegt der Ort doch laut den Musikern an der Seite vom Ammersee, wo man nicht davor zurückschreckt, im Landschaftsschutzgebiet ein "Wellness Hotel mit Driving Range" zu planen. Und wie man Kindern in Dießen das Wort "Ewigkeit" erklärt, wissen die Well-Brüder auch: "Des is dann, wenn in Dießen der Radlweg weitergebaut wird."

Gelächter im ausverkauften Zelt, das der Regen - besonders auf der Bühne - in ein Tropengebiet verwandelte. Feuchtheiß war auch das Stichwort für das "Mandato con Balletto": klassische bayerisch-spanische Ziehharmonika- und Trompetenmusik mit Tanzeinlage. Nebenbei erfahren die Zuschauer, dass der Flamenco ursprünglich aus Bayern stammt.

Die Spanier entwickelten einfach den bekannten Tanz zum Schnaken-Verscheuchen weiter - auch "Schuhplattler" genannt. Aber nicht nur der Flamenco stammt aus Bayern, auch die ohrenbetäubende Vuvuzela, das Symbol des südafrikanischen Fußballs hat seine Wurzeln laut Biermösl Blosn im Freistaat. So ist die Ur-Vuvuzela eigentlich das Alphorn in Afrika wegen Holzmangels eben einfach nur "klein worn".

In ihren Liedern nehmen sie wie immer aktuelle Themen ins Visier: Flatrate saufen, Islam-Phobien und von Eigeninteressen gesteuerte Kommunalpolitiker: "Der Sendemast wird gebaut und hinterher gibt's Freibier und Leberkäs von Mobilcom." Und neben Bischofs-sünden, der Koalition und Finanzpolitik macht ihnen besonders die CSU "große Sorge". Aber: "Es wird ein Happy End geben" versprechen die Satiriker. Und später im Lied, nachdem mit Seehofer, Söder und Co. abgerechnet wurde, geht die CSU schließlich in Luft auf: "als winzig kleiner Furz im schwarzen Universum".

Nichtsdestotrotz wird, wie man beim Nichtraucherschutz-Volksbegehren sehen konnte, Demokratie gelebt in Bayern. Und darauf ist auch die Biermösl-Blosn stolz: "Bei uns hat jede Minderheit das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen."

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