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Kerschlach

13.08.2017

Jedes Kraut hat seine Wirkung und seine Geschichte

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Christine Stedele zeigt den Gästen im Kräutergarten auf Gut Kerschlach den etwa zwei Meter hohen Gewürzfenchel.

Christine Stedele erläutert im Garten von Gut Kerschlach, welche Pflanzen wie wirken. Bis zu 99 Arten können im Kräuterbuschen sein. An Mariä Himmelfahrt werden die Brauchtums-Sträuße in die Kirche gebracht und gesegnet.

Traditionell wird in katholischen Gegenden zu Mariä Hímmelfahrt ein Kräuterbuschen gebunden, in der Kirche gesegnet und dann im Haus aufgehängt. Bis zu 99 Pflanzenarten können Bestandteil dieses Brauchtums-Straußes sein. Das Landsberger Tagblatt hat Christine Stedele aus Obermühlhausen nach Kerschlach begleitet, wo die Gartenexpertin im Rahmen einer Führung einen Kräuterbuschen zusammenstellte.

Der Kräutergarten des bei Pähl liegenden Gutes ist angelehnt an die Gärten der Missionsbenediktinerinnen, die einst das Gut bewirtschafteten, wie Stedele erzählte. Bis auf den roten Sonnenhut hätten bereits die alten Römer alle die Heil- und Gewürzkräuter gekannt, die sich hier wüchsen. Und auch bei den Kelten hatten Kräuter eine große Bedeutung – was ihnen laut Stedele zu Beginn der Christianisierung einen schlechten Leumund gab, sie wurden mit Hexen assoziiert. Wissen um Kräuter und die Notwendigkeit von Kräutern ließen sich aber nicht leugnen und sie erfuhren eine Umwertung: Sie wurden der Jungfrau Maria zugeordnet.

In der Mitte thront die Königskerze

Wie ist nun so ein Kräuterbuschen aufgebaut? In der Mitte thront die Königskerze, auch Wetterkerze genannt, wie ein Zepter. Drum herum scharen sich die weiteren Kräuter und Blumen. Getreidehalme mit Ähren stehen für die Nahrung von Mensch und Tier und die Rose als die Marienblume, die wie Stedele erzählt, nicht nur die irdische Liebe verkörpert, sondern laut Stedele auch die Liebe nach dem Tod.

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Dann geht es hinein in die Beete mit mediterranen Kräuter in diesem, einem Klostergarten nachempfundenen Areal. Stedele erläutert zu jedem Exemplar, wie es als Heil- oder Würzkraut eingesetzt wird und erzählt auch vom Symbolwert der Pflanze. Lavendel steht für Sauberkeit und Reinheit. Waschaktive Pflanzeninhaltsstoffe habe Lavendel freilich nicht, er rieche frisch, wirke in einem Kissen beruhigend und außerdem gegen Motten. Salbeiblätter sind außer in der Küche auch bei Entzündungen im Hals und Rachenbereich sinnvoll: „Salbei ist desinfizierend, antibaktieriell und antiviral“ – wichtige Funktionen, bevor es Penicillin gab.

Immer die Triebe abzupfen

Zwischendurch gibt es Gärtnertipps: Mediterrane Pflanzen bevorzugten sonnige, trockene, magere und kalkhaltige Standorte. Beim Ernten übers Jahr hinweg sollten immer Triebe, keine einzelnen Blätter abgezupft werden. Es gibt kleine Kräuter, wie Thymian und Bohnenkraut, aber auch den etwa zwei Meter hohen Gewürzfenchel, dessen gelbe Blüten gerade abzureifen beginnen. Mittelhoch daneben Dost, der heimische Oregano – wie alle diese Gewürzpflanzen eine Bienenweide. Dann wird es bitter: Stedele fügt einen Beifuß zum bisher aromatischen Strauß. Frauenmantel – hier aber nur die Wildform – und Schafgarbe sind Frauenkräuter, die als Tee beispielsweise bei Menstruationsbeschwerden helfen.

Liebstöckel ist ein Männerkraut

Liebstöckel, im Volksmund „Maggikraut“ ist laut Stedele ein Männerkraut, „Viagra aus dem Kräutergarten“. Als Aphrodisiakum gelte auch die Minze, deren Namen auf eine griechische Sage verweist, wonach Zeus seine Geliebte, die Nymphe Minthe in eine Pflanze verwandelte.

Mit der Ringelblume, die in Wundsalben verarbeitet wird, kommt leuchtendes Gelb in den Strauß, die Blüte des Schnittknoblauch bringt eine hübsche weiße Note und mit dem gelben Johanniskraut wird der Buschen psychoaktiv: Um zu erkennen, ob es sich um Echtes Johanniskraut handelt kann man laut Stedele Blüten und Blätter zerquetschen, es müsse sich eine rote Flüssigkeit absondern.

 Außerdem haben die Blätter kleine Pünktchen, wenn man sie gegen dass Licht hält. Johanniskraut wirkt aufhellend bei depressiven Verstimmungen. Aber aufgepasst, es ist leicht giftig, wie Stedele sagt, darf also nur in Maßen genommen werden. Beruhigend wirkt auch der Baldrian. Blutweiderich wurde früher zum Blutstillen verwendet und Weinraute ist eines der bittersten Kräuter bei uns. Beruhigende Zitronenmelisse und Goldrute kommen für die Optik noch in die Sammlung, dann bindet Stedele alles zusammen und Maria Schmied aus Pflugdorf-Stadl darf den Buschen mit heim nehmen.

Am 10. September steht der Garten von Christine Stedele in der Bergstraße 23 in Obermühlhausen im Rahmen von „Füllhorn Gartenwinkel“ von 13 bis 18 Uhr offen.

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