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Landsberg

07.04.2018

Jedes Stück hat seine Geschichte

Diese Tür, die der Landsberger Eduard Schäfer hier zeigt, stammt aus einem alten Bauernhof in Huglfing. Das Kopfstück zeigt, wie breit die Mauern waren.
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Diese Tür, die der Landsberger Eduard Schäfer hier zeigt, stammt aus einem alten Bauernhof in Huglfing. Das Kopfstück zeigt, wie breit die Mauern waren.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Antiquitätenhändler Eduard Schäfer aus Landsberg sammelt historische Baustoffe. Wer ein altes Haus restauriert, ist in seinem Stadel in Entraching richtig

Unzählige Türblätter stehen aneinandergelehnt an einer Wand, Holztruhen stapeln sich neben alten Schränken, am Eingang sind gebrauchte Solnhofer Platten aufgestapelt. Unter dem Staub und der Patina der Zeit finden sich historische Besonderheiten, wie hohe Barocktüren. Eduard Schäfer sammelt in seinem Lager in Entraching historische Baustoffe. Wer mit dem 62-Jährigen spricht, hört bald heraus, dass nicht alleine die Geschäftsidee, einzigartige Baustoffe zu vermarkten, im Vordergrund steht, sondern das Bedürfnis zu bewahren. „Es wäre mir lieber, die Sachen würden drinbleiben, oder dort wieder eingebaut werden, wo sie herstammen.“ Schäfer kennt die Fälle, bei denen aus denkmalgeschützten Gebäuden Bauteile entfernt wurden, mit der Zusage des Bauherren, dass sie wieder zurückkommen. Doch dann entschied man sich für eine kostengünstigere Lösung.

Eine Tür in dicken Mauern

Wie bei der geschnitzten Holztür aus einem denkmalgeschützten Bauernhof in Huglfing, den ein Münchner gekauft hatte. Schäfer zeigt die Tür und den geschnitzten Rundbogen, der über der Tür angebracht war – er verdeutlicht die Dicke der Mauern der Hofes. Manchmal bekommt Schäfer einen Tipp von Handwerkern, die ihn auf historische Balken oder anderes aufmerksam machen. Er holt die Teile ab, bevor sie zu Brennholz zerschnitten werden. Und er bekommt auch Ware von professionellen Händlern, die von Hof zu Hof ziehen, angeboten.

Er ließ sich in Thierhaupten fortbilden

Schäfer stammt aus Landsberg und ist gelernter Schreinermeister. Noch als Schreinergeselle bekam erden Auftrag, „einen Schrank herzurichten“, und so entwickelte sich allmählich das Wissen im Umgang mit Antiquitäten. Im Kloster Tierhaupten an der Akademie für Handwerkerfortbildung besuchte er Fortbildungen im Bereich Restaurierung. In Utting hatte er lange eine Werkstatt. Den Landsberger zog es jedoch wieder zurück in die Lechstadt und er erwarb dort ein historisches Haus in der Mühlgasse, das er seit mehreren Jahren herrichtet.

Jedes Stück hat seine Geschichte

Hier betreibt die Familie ein Antiquitätengeschäft. Neben feinem Porzellan, Biedermeiermöbeln und einem historischen Eisschrank findet sich dort auch eine frühgotische Steinsäule. Und der Boden ist mit Solnhofer Platten und breiten alten Fichtenholzdielen ausgelegt. Wer an historischen Baustoffen interessiert ist, kann an diesem Boden sehen, wie sie verarbeitet werden können.

Auch Hans Well kaufte bei Schäfer

Wer sind nun die Kunden, die historische Baustoffe nachfragen? „Gestern war jemand da, der ein ganzes Hotel historisch einrichtet“, erzählt Schäfer. Kunde war auch der Musiker Hans Well, der in Dießen ein denkmalgeschütztes Fischerhäuschen hergerichtet hat. Das LT berichtete über dieses Bauprojekt. „Es kommen aber auch ganz normale Bauherren, die für ihr altes Haus eine schmale Badtür brauchen.“ An der Wand in einem zweiten Schuppen lehnen schwere Bodendielen, und warten darauf, wieder Platz in einem Wohnraum zu finden.

Manche Teile brauchen einen besonderen Platz

Manches lässt sich freilich kaum unterbringen, wie das neugotische Sofa, welches von schweren Schrankteilen umrahmt wird. In einem Hotelfoyer könnte die dunkle Kombination ihre Wirkung entfalten. Aufgekauft hat Schäfer auch steinerne Kreuze aus dem Fundus eines Steinmetzbetriebs. Potenzielle Kunden für dieses Material sind die, die auf dem historischen Friedhof in Landsberg Grabstellen haben und einen Grabstein ersetzen müssen, wenn etwas kaputt geht. Schäfer hat auch die alten Metallkreuze erworben und an einen Kunstschmied weitergegeben, der die Restaurierungsarbeiten an Gräbern am Westfriedhof in München betreut.

Der lieblose Umgang mit mühevoll geschaffenen Kunstwerken, auch diese Geschichte erzählen die Dinge in Schäfers Halle. Ein Umgang, der den 62-Jährigen umtreibt, wie im Gespräch zu erkennen ist. Er zeigt filigrane bleiverglaste Kirchenfenster mit wunderbaren floralen Mustern oder gegenstandslosen Ornamenten, mit ihren Beschädigungen – die sich jedoch reparieren lassen. Schäfer wünscht sich mehr Sensibilität für historische Dinge: „Jedes Trumm hat seine Geschichte!“

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