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Landsberg

01.07.2016

Jetzt geht es um ein besseres Handicap

Vier Landräte hörten auf den Rat von Jürgen Felbinger, der sich nach fast vier Jahrzehnten am Landratsamt in den Ruhestand verabschiedete. Sein letzter Chef Thomas Eichinger (links) feierte seinen obersten Beamten noch ein letztes Mal.
Bild: Thorsten Jordan

Abschied Jürgen Felbinger fand im Landratsamt auch sein privates Glück. Mit der Pensionierung geht viel Wissen verloren

Im Landratsamt geht eine Ära zu Ende. Noch will und kann sich dort niemand so recht vorstellen, wie es ohne Jürgen Felbinger sein wird. Der 65-Jährige geht nächste Woche in den Ruhestand. Seit September 1967 war er in wechselnden Positionen in der Kreisbehörde tätig, ab 1993 als Leiter der Abteilung eins und damit auch als Stellvertreter des Landrats im Amt. Bei einer kleinen Feierstunde im Anschluss an die Sitzung des Kreistags wurde er jetzt verabschiedet.

Es war der 13. April 1967. Der in Unterigling geborene Jürgen Felbinger war seinerzeit gerade einmal 16 Jahre alte und stellte sich beim damaligen Landrat Bernhard Müller-Hahl als Regierungsassistenten Anwärter vor. Müller-Hahl schrieb danach einen persönlichen Aktenvermerk: „Der Junge macht einen ausgezeichneten Eindruck und zeigt sich sehr aufgeschlossen und interessiert.“ Eine Einschätzung, die sich in den folgenden Jahren so bewahrheiten sollte.

Anfang September 1967 begann Jürgen Felbinger seinen Dienst im Landratsamt, zunächst als Staatsbeamter. Die Anstellungsprüfung für den gehobenen Dienst im Jahr 1972 schloss er mit Platzziffer eins ab und ließ damit 311 Kollegen hinter sich. Acht Jahre später wechselte er vom Staat zum Landkreis und durchlief in den Jahren danach mehrere Stationen, war persönlicher Referent des Landrats und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Im Jahr 1987 folgte er Kurt Stockbauer als Kreiskämmerer nach. Fast 30 Jahre hatte er die Finanzen des Landkreises im Auge und damit dürften über zwei Milliarden Euro an Haushaltsmitteln durch sein Hände gegangen sein.

Seine berufliche Zeit in Landsberg wurde nur kurz unterbrochen – durch den Grundwehrdienst in der Ritter-von-Leeb-Kaserne und eine kleine Episode am Kultusministerium. Dass Landsberg die richtige Entscheidung war, und nicht die Alternative Traunstein, zeigte sich schnell. Jürgen Felbinger fand nicht nur sein berufliches, sondern auch sein privates Glück im Landratsamt. Er lernte seine Frau Karin, mit der er seit 1977 verheiratet ist, am Arbeitsplatz kennen. Inzwischen ist der Vater von zwei Zwillingstöchtern auch schon Opa. Enkelin Mia war als Überraschungsgast bei der Feierstunde dabei.

Jürgen Felbinger freut sich auf den Ruhestand, darauf, dass er nun mehr Zeit für die Familie hat, aber auch für die Jagd, für Reisen mit seiner Frau und die Verbesserung seines Handicaps beim Golfen. Seine Arbeit werde er nicht vermissen, auch wenn er sie bei seinem Abschied als sinnvoll und daher befriedigend bezeichnete. „Wir schaffen die Rahmenbedingungen für das Wohl unserer Gesellschaft“, sagte er zu den Kreisräten. Mit Bernhard Müller-Hahl, Erwin Filser, Walter Eichner und Thomas Eichinger hat Jürgen Felbinger vier Landräte „überlebt“, wie es der amtierende Landkreischef bei der Feierstunde formulierte. Eichinger ist der erste, der jünger als Jürgen Felbinger ist. Er lobte seinen obersten Beamten als integer, äußerst korrekt, gewissenhaft, ausgleichend, sparsam aber keinesfalls geizig sowie geduldig und bescheiden. Neben hoher Belastbarkeit, Felbinger arbeitete häufig bis in den späten Abend, habe der 65-Jährige auch immer wieder diplomatisches Geschick bewiesen. Sein trockener Humor und seine Anmerkungen mit Augenzwinkern hätten ihm dabei immer wieder geholfen. Danke sagen wollten auch die Kreisräte. Dr. Albert Thurner übernahm diese Aufgabe. Er und seine Kollegen seien traurig, einen Partner auf Augenhöhe zu verlieren. Jürgen Felbinger sei nie als Besserwisser aufgetreten, habe stets versucht, ein Diener des Kreistags zu sein. „Wir freuen uns für Sie, dass ihr verdienstvolles Arbeitsleben zu Ende geht.“ Wer dann aber ihre Fragen beantwortet, ist offen. Denn wenn es im Landratsamt ein Problem gab, das nicht gelöst werden konnte, führte der Weg zum Abteilungsleiter eins. Der Satz, „Fragt’s halt den Felbinger“, wird ab nächster Woche nicht mehr zu hören sein.

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