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Landkreis Landsberg

08.05.2015

Jetzt wird aufgeräumt

Nach Orkan „Niklas“ wird im Scheuringer Gemeindewald aufgeräumt. Windwürfe werden beseitigt. Die neu gepflanzte Baumkultur soll durch den Einsatz modernster Technik nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. 
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Nach Orkan „Niklas“ wird im Scheuringer Gemeindewald aufgeräumt. Windwürfe werden beseitigt. Die neu gepflanzte Baumkultur soll durch den Einsatz modernster Technik nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Nach „Niklas“ werden im Scheuringer Gemeindewald Windwürfe beseitigt

Fast schon elegant bewegt sich der Holzvollernter über den Waldboden. Der Greifer packt einen langen Fichtenstamm und binnen weniger Minuten ist aus dem Baum Kleinholz gemacht. Nach Orkan „Niklas“, der Ende März über Deutschland hinweggefegt ist, wird im Scheuringer Gemeindewald aufgeräumt. Wie es um das insgesamt rund 86 Hektar große Areal bestellt ist, darüber wurde bei einem Waldbegang mit Revierförster Ludwig Pertl informiert.

„Es geht jetzt darum, die Katastrophe bestmöglich aufzuarbeiten, damit wir einen funktionsfähigen Wald bekommen“, sagt Ludwig Pertl. Hans-Jürgen Gulder, der Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, Bürgermeister Manfred Menhard sowie der in Scheuring zuständige Jäger Andreas Schützeberg mit mehreren Jagdschülern machen sich an diesem Tag ein Bild von diesem Teil des Scheuringer Gemeindewaldes. Insgesamt ist dieses Habitat etwa so groß wie 120 Fußballfelder. Und der Wald ist gerade dabei, sich zu verändern. Denn er wird aus einem hochprozentigen Nadel- in einen zukunftsfähigen Mischwald umgebaut. Wie mehrfach berichtet, hat die Gemeinde Scheuring in den vergangenen Jahren in den Klimaschutz investiert und allein im vergangenen Jahr auf rund zehn Hektar mehr als 50000 Setzlinge verschiedener Laubbaumarten stecken lassen. „Mittlerweile sind 36 Hektar im Gemeindewald umgebaut“, erläutert Bürgermeister Manfred Menhard.

Genau dort, wo ein Teil der zierlichen Pflänzchen wächst, rückt nun der Holzvollernter über den Waldboden. Revierförster Ludwig Pertl sieht darin keine Gefahr für den Baumnachwuchs. „Mit dieser Technik kann man die Schäden im Wald so aufarbeiten, dass den jungen Pflanzen nichts passiert. Für den frisch gepflanzten Bestand gibt es kaum einen Schaden.“ Die Maschine bewege sich mit ihrem raupenähnlichen Antrieb bodenschonend durch den Wald und müsse nicht zu jedem Windwurf hinfahren. „Denn der Harvester greift bis zu 15 Meter in den Wald“, so Pertl weiter. Bei der Aufarbeitung nach den Orkanen „Vivian“ und „Wiebke“ im Jahr 1990 sei die Technik der Erntegeräte nicht so weit gewesen wie heute. Damals hätte man Stämme noch mit Seilwinden über den Waldboden gezogen. Dadurch hätten die Maschinen bei Weitem mehr Schaden angerichtet als heute. Mit der aktuellen Technik ließen sich die Sturmschäden durch „Niklas“ schonend beseitigen. Der Revierförster beziffert den Schaden, den der Orkan vor einigen Wochen im Scheuringer Gemeindewald angerichtet hat, auf etwa 500 bis 600 Kubikmeter.

Es sprießen zwischen all den Bäumen auch viele junge Triebe, die nicht extra gepflanzt worden sind. Eigentlich sind diese gefundenes Fressen für Waldbewohner. Aber seit 2012 wird das Jagdrevier Scheuring in Eigenregie bewirtschaftet. Darum kümmert sich Diplom-Forstwirt Andreas Schützeberg, der auch eine Jagdschule betreibt. „Seit der Umstellung entwickelte sich die waldbauliche und ökologische Gesamtsituation im Scheuringer Gemeindewald äußerst positiv“, so Schützeberg. In einem Teilbereich habe man mit genehmigter Aufhebung der Schonzeit Anfang April Rehböcke und Schmalrehe bejagt. „Diese Schwerpunktbejagung erlaubt es den Waldbesitzern, kostengünstig den notwendigen Waldumbau voranzutreiben und ganz neben werden durch die Zunahme der krautigen Vegetation und der Neuschaffung von Äsungs- und Einstandsflächen hochattraktive Rehlebensräume geschaffen“, so Schützeberg. Der Rehbestand zeige eine positive Entwicklung.

Nicht nur die Veränderung des Scheuringer Gemeindewalds, sondern auch der Wälder in anderen Landkreisgemeinden ist von der Hochschule Weihenstephan ausgezeichnet worden. Im Rahmen des vom Bundesumweltministerium ausgeschriebenen Forschungsprojekts „Energiewende und Waldbiodiversität“ wurden sie für die Rubrik „Leuchtturme gesucht“ ausgewählt.

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