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Landsberg

15.09.2020

Jubiläum: Seit 30 Jahren gibt er bei der Stadtjugendkapelle den Takt vor

Hans-Günter Schwanzer leitet seit 30 Jahren die Stadtjugendkapelle Landsberg. Das Jubiläumskonzert musste kurzfristig abgesagt werden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Sein halbes Leben lang leitet Hans-Günter Schwanzer die Stadtjugendkapelle Landsberg. Doch das Jubiläumskonzert fällt kurzfristig aus. Was er mit der Kapelle schon alles erlebt hat.

Wie feiert der Dirigent eines Orchesters ein rundes Leitungsjubiläum? Mit einem Konzert natürlich! Das dachte sich Hans-Günter Schwanzer und mit ihm dachten das die Mitglieder der Stadtjugendkapelle Landsberg. In Corona-Zeiten ist das jedoch alles nicht so einfach. Das Kulturamt gab grünes Licht – das Ordnungsamt allerdings machte kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Und es hätte doch so gut gepasst: Am 11. September 1990 übernahm Hans-Günter Schwanzer das Nachwuchsorchester der Stadt, wurde am Dirigentenpult Nachfolger von Walter Edelmann.

„Zur ersten Probe sind 16 Jugendliche gekommen“, erinnert sich Schwanzer. Geprobt wurde im Keller der Fritz-Beck-Hauptschule (heute Mittelschule Landsberg). „Seit 1994 haben wir unseren Probenraum im oberen Stockwerk der Stadtbücherei.“ Ein halbes Jahr nach Schwanzers Übernahme, im Februar 1991, fand das erste Konzert statt. Da hatte der Dirigent bereits ein paar mehr Jugendliche für die „JuKa“, wie sie von allen liebevoll genannt wird, begeistern können. „Einerseits ist es wichtig, dass möglichst alle Register besetzt sind. Noch wichtiger aber ist ein großer Klangkörper für die Dynamik.“ Ein „Piano“ von vielen Musikern sei eindrucksvoller als von wenigen. Crescendi und Decrescendi können ihre Wirkung mehr entfalten. Wer erlebt hat, wie es ist, wenn 60 Musiker – so viele sind es mittlerweile – eine riesige Klangwolke aufbauen, um abrupt, genau nach den Vorgaben des Dirigenten, ihr Spiel zu stoppen, wird das bestätigen.

Hans-Günter Schwanzer studierte nach dem Abitur Musikwissenschaften

30 Jahre Leitung einer Musikkapelle: Hans-Günter Schwanzer kann für diese lange Zeit eine Reihe von beeindruckenden Zahlen vorweisen. 30 Jahre bedeuteten für ihn und die JuKa rund 50 Proben pro Jahr. Vom ersten Jahr an bis heute bereitete Schwanzer die Musiker auf die jährlichen Wertungsspiele vor. Zuweilen waren das auch Vorspiele in zwei verschiedenen Bezirken. „38 Mal haben wir uns bewerten lassen. Die ersten vier Mal sind wir in der Oberstufe angetreten, danach immer in der Höchststufe.“ Stets gepflegt wurde eine rege Reisetätigkeit. „In den 30 Jahren sind wir locker einmal um die Welt gedüst“, meint Schwanzer schmunzelnd. Zwölf große Reisen wurden unternommen, davon drei Mal in die USA. Einmal davon war die JuKa dort 17 Tage lang unterwegs, besuchte neben New York und Landsbergs Partnerstadt Hudson/Ohio auch Kanada und besichtigte dort neben den Niagarafällen noch weitere bekannte Sehenswürdigkeiten. Sogar dem heutigen US-Präsidenten Donald Trump schüttelte er einmal die Hand.

Jubiläum: Seit 30 Jahren gibt er bei der Stadtjugendkapelle den Takt vor

Einmal bekam die Stadtjugendkapelle eine Audienz beim Papst

„Wir haben nicht nur Ohio, sondern auch alle anderen Landsberger Partnerstädte besucht.“ Besonders beeindruckend sei die Romfahrt im Jahr 2003 gewesen. „Wir waren dort zur Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. eingeladen und konnten mit ihm sprechen.“ Die allererste Reise machte die JuKa nach Tarragona in Spanien. „Dort haben wir zum ersten Mal das Wertungsstück Oregon gespielt.“ Diese Komposition von Jacob de Haan sei nach wie vor sehr wichtig für das Orchester, sagt der Dirigent. Daheim in Landsberg waren JuKa und Dirigent ebenfalls ziemlich aktiv. Neben Jahreskonzerten und vielen weiteren Auftritten musizierten die Jugendlichen unter Schwanzers Leitung bei acht Ruethenfesten. „1995 haben wir erstmals zu einer Serenade während der Festwoche eingeladen“, erzählt er. „Wir sind quasi die Initiatoren der Kulturwoche, wie sie mittlerweile ganz offiziell durchgeführt wird.“

Dirigent und Musiker Hans-Günter Schwanzer betreut seit 30 Jahren die Stadtjugendkapelle Landsberg.
Bild: Julian Leitenstorfer

Geprobt wurde heuer auch während der Sommerferien. „Es waren ja wegen Corona alle da“, sagt Hans-Günther Schwanzer. „37 dürfen im Probenraum spielen, die einzelnen Register haben unter sich ausgemacht, wer zur Probe darf und wer aussetzen muss.“ Der abgesagte Auftritt übrigens wurde kurzerhand zur Probe umfunktioniert. Vor Publikum soll natürlich ebenfalls wieder gespielt werden. „Wir möchten, da der Christkindlmarkt abgesagt ist, vor Weihnachten mehrfach auf dem Hauptplatz spielen“, sagt Schwanzer. Unter Einhaltung aller Vorschriften und Abstandsregelungen, erklärt der Dirigent und betont, „wir können Corona“. Tipp für alle, denen das zu lang dauert: Freitags ab 18 Uhr probt die JuKa im Salzstadel bei offenen Fenstern und ist deshalb im Außenbereich rund um das Bäckertor zwischen Lechstraße und Rossmarkt gut zu hören.

Der Dirigent ist gebürtiger Landsberger

Hans-Günter Schwanzer ist gebürtiger Landsberger. Nach der Grundschule in Landsberg wechselte er an das Gymnasium Sankt Ottilien und machte dort sein Abitur. Es folgte ein Musikstudium in München, unmittelbar danach begann er seine Tätigkeit als Instrumentallehrer. Daneben wurde er immer wieder für Aushilfstätigkeiten in großen deutschen Orchestern gebucht. An der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg unterrichtet Schwanzer Blechblasinstrumente. Zusätzlich ist er „Chef“ von Bläserensemble, Musikschulblasorchester und HailixbLECHle. Am Rhabanus-Maurus-Gymnasium Sankt Ottilien lehrt er ebenfalls Blech und leitet das dortige Schülerblasorchester.

Ende des Jahres feiert der umtriebige Vollblutmusiker seinen 60. Geburtstag – und hat noch längst nicht genug von all seinen musikalischen Tätigkeiten. „Mit Jugendlichen zu arbeiten, macht nach wie vor unheimlich viel Spaß“, sagt Hans-Günter Schwanzer.

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