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Landsberg

12.07.2018

Jugendhilfe: Wie viel Betreuung halten Kinder aus?

Kinderbetreuung und Jugendhilfe (unser Bild zeigt den Geltendorfer Gemeindekindergarten) werden im Landkreis Landsberg weiter an Bedeutung gewinnen.
Bild: Franz Thoma/Archiv

Ein Erziehungswissenschaftler erklärt im Landratsamt, warum weniger Nachwuchs zukünftig mehr Betreuung benötigt. Auf dem Land wie dem Landkreis Landsberg könnten die Veränderungen besonders schnell eintreten.

Um einen vordergründigen Widerspruch ist es jetzt im Landratsamt gegangen: Einerseits wird zumindest längerfristig auch im Landkreis Landsberg der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung zurückgehen, andererseits gehen Fachleute wie der Erziehungswissenschaftler Dr. Ulrich Bürger davon aus, dass die Kinder- und Jugendhilfe weiter ausgebaut werden muss.

Die Jungen und die mittleren Altersgruppen verlieren Anteile

Das vordergründige Paradoxon konnte der Referent in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses jedoch schnell auflösen. Zum einen seien Kinder und Jugendliche längerfristig eine rare Ressource, die einer intensiveren Fürsorge bedarf. Und dies ist wiederum auch im Zusammenhang mit einer stark abnehmenden Zahl von Menschen zu sehen, die in der Zukunft im Erwerbsleben stehen. Der Anteil der 20- bis 65-Jährigen werde nämlich zurückgehen, bis 2030 in Bayern schon von 7,8 auf 6,5 Millionen Personen. Die Konsequenz: Um den ökonomischen Fortschritt zu erhalten, werde der Anteil von bislang 76 Prozent Erwerbstätiger in dieser Altersgruppe weiter steigen. Und das mache es notwendig, die Kinderbetreuung weiter auszubauen.

Dann gebe es noch einen dritten Faktor: Der Anteil von Kindern aus armen Familien werde steigen. Gerade Kinder aus armen Familien oder von Alleinerziehenden seien in der Jugendhilfe viel häufiger zu finden als Kinder aus vollständigen Familienhaushalten.

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Armutsrisiko Trennung

In einem ländlich strukturierten Raum wie dem Landkreis Landsberg könnte diese Entwicklung zudem noch schneller vonstatten gehen als in städtischen Gebieten. Der Grund sei ein „Verlust ländlicher Ländlichkeit“, wie es Bürger ausdrückte. Gerade zum Beispiel der Anteil von Kindern mit Stiefelternkonstellationen oder von Alleinerziehenden werde auf dem Land schneller wachsen als in der Stadt. Und Trennung und Scheidung gehen oft mit Verarmung einher, allein schon, weil statt einem zwei Haushalte finanziert werden müssten.

Eine Auffälligkeit im Landkreis Landsberg sei zudem, dass bis 2030 einerseits die Zahl der Kinder bis zehn Jahre um sieben bis zehn Prozent wachsen werde, die Zahl Jugendlicher und junger Erwachsener bis 25 Jahre dagegen um bis 18 Prozent zurückgehen werde: Das Thema Kinderbetreuung werde also weiterhin „brummen“. Andererseits werde es schwer werden, Auszubildende und Arbeitskräfte, aber auch im Ehrenamt tätige junge Menschen zu finden, skizzierte Bürger weiter.

Kinderfreundlichkeit als Leitlinie für die Infrastruktur

„Kinder- und Familienfreundlichkeit müssen als Grundhaltung und Leitlinie in der Ausgestaltung der Infrastruktur verstanden werden“, machte Bürger deutlich. Dazu habe man gerade in Süddeutschland jetzt bis 2020 noch ganz gut Zeit, da die Bevölkerungsverhältnisse zunächst noch stabil sein werden.

In der anschließenden Diskussion merkte Ausschussmitglied Bernd Rau (Kreisjugendring) an, dass der Bedarf an Arbeitskräften, um den ökonomischen Fortschritt zu gewährleisten, mit der Vorstellung kollidiere, dass in einer Familie auch ein Elternteil zu Hause bleibe. Margarita Däubler (SPD) wies aber auch darauf hin, dass die Bedürfnisse von Familien und Kindern nicht nur mittels Kinderbetreuung gewahrt seien: „Die Arbeitswelt muss sich schon auch den familiären Situationen anpassen, und die Frage ist, wie viel Betreuung können Kinder aushalten.“

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