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Landkreis Landsberg

25.05.2020

Jugendliche in Corona-Zeiten: Daheim anstatt im Stadion oder in der Bandprobe

In Zeiten von Corona kann es ziemlich langweilig werden – gerade für Jugendliche. Wie sie sich die Zeit vertreiben, das haben wir Sebastian Martini gefragt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Viele Jugendliche werden im Landkreis Landsberg derzeit unfreiwillig zu Stubenhockern. Wie sie mit der Corona-Krise umgehen und welche Freizeitaktivitäten sie schwer vermissen.

Auf Festivals gehen, sich in Bars treffen oder in Jugendzentren abhängen: So sah die Freizeitgestaltung vieler Jugendlichen im Landkreis vor dem Corona-Lockdown aus. In den vergangenen Wochen saßen Jugendliche vorrangig zu Hause, waren und sind auf andere Formen des Kontakts angewiesen. Gerade junge Menschen sind besonders von sogenanntem Social-Distancing betroffen. Unsere Zeitung sprach mit Jugendlichen im Landkreis, wie sie diese spezielle Zeit erleben.

„Ich könnte heulen“, erzählt Sebastian Martini, 20, aus Epfach, wenn er an die ausgefallenen Heimspiele seines TSV 1860 München denkt. Immer noch kribbeln an den Wochenenden seine Füße, denn da wäre der Fußballfan normalerweise auf dem Weg ins Grünwalder Stadion. Anstatt mit seinen Freunden in der Fankurve zu stehen, sitze er zu Hause am Schreibtisch und lerne.

Eigentlich wollte Sebastian Martini nach dem Abitur an seine Tour im vergangenen Sommer über den Balkan anknüpfen und einen Monat durch die Ukraine reisen. Dass er wegen der Grenzschließung aufgrund der Corona-Pandemie die Füße stillhalte, komme für ihn aber nicht in Frage. „Bochum statt Odessa“, sagt Sebastian Martini und lacht.

Statt auf den Balkan geht es ins Ruhrgebiet

Wenn die Lockerungen in diesem Tempo weitergehen, mache er eben Urlaub in Deutschland und erkunde diesmal das Ruhrgebiet. Einzig positiv sehe er an den Corona-Maßnahmen, dass er sich ohne Ablenkung auf das Abitur konzentrieren könne. „Die Party nach der letzten Prüfung am Lechufer wird einfach im nächsten Jahr nachgeholt.“ Auch Leo Lischka, 20, aus Landsberg büffelt momentan für die Abiturprüfungen. Der Landsberger, der seit Mai im Stadtrat sitzt, hofft nur, „dass die Lockerungen nicht durch Demos von Impf- und Maskengegnern zurückgenommen werden“ und alles wieder von vorne beginnt. „Alle müssen Opfer bringen und die Demonstranten nehmen die Gefahren von neuen Ansteckungen in Kauf“, kritisiert Lischka.

Besonders intensiv ist die Corona-Zeit für Patrik Keller, 23, aus Epfach. Das Thema Corona kam während seines Bundesfreiwilligendienstes im Kreisseniorenheim in Vilgertshofen nach Deutschland. Auf die Gefahr hin, sich zu infizieren und den Virus ins Altersheim zu tragen, habe er sich komplett isoliert.

In Zeiten von Corona kann es ziemlich langweilig werden – gerade für Jugendliche. Wie sie sich die Zeit vertreiben, das haben wir Tobias Stadler gefragt.
Bild: Thorsten Jordan

Kontakt mit seinen Freunden hatte er ab diesem Zeitpunkt nur noch über eine Handy-App. Der Netzwerkdienst ermöglicht Videoanrufe mit mehreren Freunden gleichzeitig. „Am Anfang reizt das virtuelle Neue. Mit einer Stammtischrunde in der traditionellen Kneipe ist das aber nicht zu vergleichen“, so Patrik Keller. Er wolle sich aber auf keinen Fall beschweren. Durch die Erfahrungen im Altersheim und den täglichen Kontakt mit Hochrisikopatienten nehme er es in Kauf, seine Abende allein zu verbringen. „Der erste Weg zum Glück ist aufhören zu jammern“, meint er. Um die freie Zeit sinnvoll zu nutzen, kümmert er sich um benachteiligte Schüler, die für ihre Unterrichtsinhalte nicht wie gewohnt Hilfe in Anspruch nehmen können. Per Videoanruf gibt er ihnen Online-Nachilfestunden. Anfangs gab es noch technische Probleme, nun findet seine Unterstützung aber immer mehr Anklang. Ansonsten überbrücke er die Zeit des Social-Distancing mit Muskeltraining in seinem eigenen Kraftraum. „Zum Glück bin ich auf kein Studio angewiesen.“

In Zeiten von Corona kann es ziemlich langweilig werden – gerade für Jugendliche. Wie sie sich die Zeit vertreiben, das haben wir Patrik Keller gefragt.
Bild: Thorsten Jordan

„Als hätte ich einen Blick in die Glaskugel geworfen“, sagt Tobias Stadler, 23, aus Ellighofen. Der Student, der seine Ausbildung bei Rational in Landsberg mit einem International Business Studium an der Dualen Hochschule in Ravensburg verbindet, kaufte sich vor der Corona-Pandemie eine neue Gitarre. So habe er während der Kontaktsperre wenigstens neue Lieder einstudieren und damit die Langeweile besiegen können. Mit seiner Band „Swik“ proben, sei leider weiterhin verboten. „Der enge Proberaum im Keller seiner Eltern wäre vermutlich ein Corona-Hotspot geworden“, berichtet Tobias Stadler.

Die Bandprobe findet jetzt eben digital statt

Die aus ehemaligen Schülern der Berufsoberschule Landsberg entstandene Band vertröstet sich mit Jamsessions per Videokonferenz. Links oben im Display spielt der Schlagzeuger der Band. Rechts oben der Sänger und darunter Tobias Stadler mit neuer Gitarre. „Gesellig wie eine normale Bandprobe ist das auf keinen Fall“, sagt er. Aber so bleibe man mit seinen Bandkollegen immerhin in Kontakt und vermeide einen Lagerkoller.

Wenigstens nimmt Tobias Stadlers zweite große Leidenschaft, das Skaten, wieder Fahrt auf. Der Skatepark in Kaufering ist wieder geöffnet. Wieder ein Brett unter den Füßen und Gleichgesinnte um sich zu haben, ist für den passionierten Skater unentbehrlich. „Allein vor der Garage umher rollen, hätte mit der Skatekultur nichts zu tun gehabt.“ (jm)

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