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Landsberg

12.07.2019

Junger Mann baut für die Mutter Cannabis an

Eine 66-Jährige aus dem Landkreis Landsberg hat ihren Sohn zum Anbau von Cannabis angestiftet.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Warum eine 66-Jährige aus dem Landkreis Landsberg ihren Sohn zum Drogenanbau angestiftet hat. Während ihr Sohn hinter Gitter sitzt, kommt sie mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Hoffnung, dass ihr eines Tages ein Arzt cannabishaltige Medikamente verschreibt, hat eine 66 Jahre alte Frau noch nicht aufgegeben. Sie leidet nach einer ganzen Reihe von Operationen seit vielen Jahren unter großen Schmerzen. Jetzt stand sie vor Gericht, weil sie ihren Sohn gebeten haben soll, Cannabis anzubauen.

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In der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Landsberg sagte die Frau, dass sie von der Schulmedizin nicht viel halte. So habe sie bei der Suche nach einer Alternative ihrem 26-jährigen Sohn vor einigen Jahren erstmals geraten, Cannabis anzubauen. Damit sollten nach ihrer Meinung Tee und Öl hergestellt werden, um ihre Leiden zu lindern. Der Sohn sagte vor Gericht, er habe dies abgelehnt, denn eine Cannabiszucht sei strafbar. Jahre später, nach mehreren Wohnortwechseln mit seiner Mutter, zog er in einem großen Gemüsegarten doch eine Cannabis-Plantage in die Höhe. Er habe nicht mehr mit ansehen können, wie arg seine Mutter leidet.

Die Polizei entdeckt die Plantage durch Zufall

Auf die Anlage stieß die Polizei zufällig: Beamte klopften beim Sohn wegen einer Führerscheinangelegenheit an. Dabei stieg den Beamten der süßliche Geruch der Pflanzen in die Nase. Wegen des unerlaubten Besitzes der Cannabis-Plantage wurde der junge Mann, der vor einem Jahr barfuß in den Gerichtssaal gekommen war, in Landsberg zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Junger Mann baut für die Mutter Cannabis an

Jetzt hatte es das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Alexander Kessler mit anderen Vorzeichen zu tun als 2018. Angeklagt war damals der Sohn, der nun als Zeuge gefragt war. Seine Mutter, die mit dem Rollator gekommen war, saß dieses Mal auf der Anklagebank. Sie sagte, dass sie die Cannabispflanzen erstmals gesehen habe, als sie schon riesengroß waren: „Das waren ja schon richtige Bäume“, meinte die Frau.

Der Richter sieht ein juristisches und ein menschliches Problem

„Wir haben es hier mit einem juristischen und mit einem menschlichen Problem zu tun“, meinte Richter Kessler. Das ändere aber nichts daran, dass nicht jeder einfach Cannabis anbauen könne. Die vom Gesetzgeber vorgegebenen Vorkehrungen müssten unbedingt eingehalten werden. Andererseits wisse er sehr wohl, so Kessler, dass es ein langer und beschwerlicher Weg sei und eine Vielzahl von Hürden übersprungen werden müssten, bis Cannabis verschrieben werde.

Weit über drei Kilo Cannabis mit einem Wirkstoffgehalt von etwa 1,4 Prozent sollen der Polizei im September 2017 im Gemüsegarten des 26-Jährigen in die Hände gefallen sein. Der Richter und die zwei ehrenamtlichen Schöffen glaubten Mutter und Sohn, dass das Cannabis nicht gewinnbringend weiterverkauft werden sollte.

Trotzdem: Dafür, dass sie den Sohn zur unerlaubten Aufzucht angestiftet hatte, wurde gegen die 66-Jährige eine Freiheitsstrafe von einem Jahr verhängt. Die wird für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Ihre Rechtsanwältin Alexandra Fuchs sprach von einem minder schweren Fall. Sie beantragte Freispruch, und wenn nicht, acht Monate auf Bewährung. Der Staatsanwalt plädierte für ein Jahr und zwei Monate áuf Bewährung.

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