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Dießen

29.11.2017

Kann ein Gutachten den Lidl-Keller retten?

Der Lidl-Keller liegt im Zentrum von Dießen, nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt.
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Der Lidl-Keller liegt im Zentrum von Dießen, nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt.
Bild: Herwig Stuckenberger

Die Ammerseer Heimatforscher kämpfen weiter dafür, das die Erinnerung an die lange Brautradition in Dießen bestehen bleicht. Der Eigentümer will dort eine Tiefgarage errichten.

Die Heimatforscher am Ammersee sind in Sorge um den sogenannten Lidl-Keller. Der geplante Bau einer privaten Tiefgarage würde das Aus für den historischen Bierkeller bedeuten, dessen Zugang sich derzeit unter einem landwirtschaftlichen Gebäude zwischen Herren- und Schützenstraße verbirgt. Der Eigentümer will dort vier Wohnungen bauen. Die Fahrzeuge sollen in einer Tiefgarage untergebracht werden.

Nachdem mehrere Anläufe von ehrenamtlichen Heimatforschern, das Landesamt für Denkmalschutz dazu zu bewegen, den Keller auf die Denkmalschutzliste zu setzen, vergeblich blieben, macht der Verein Kulturlandschaften Ammersee-Lech nun auf seiner Homepage in einem reich bebilderten Bericht auf das bedrohte Kulturerbe aufmerksam. Ein Bericht, so Zweiter Vorsitzender Herwig Stuckenberger, der sehr häufig angeklickt werde.

Früher gab es ein Dutzend Brauereien im Ort

Der Lidl-Keller mit einer Grundfläche von zirka 240 Quadratmetern liegt im Zentrum der Marktgemeinde, nur 60 Meter vom Marktplatz entfernt, in der Herrenstraße 4b, unter einer Scheune. In Dießen waren, so die Recherchen des Vereins, über mehrere Jahrhunderte hinweg zwölf Brauereien tätig. Allerdings gab es mehr als zwölf Bierkeller, da einige Brauereien auch einen Sommerkeller hatten. Der Lidl-Keller gehörte zum heute Spitzenberger-Haus genannten Gebäude an der Herrenstraße, das im Jahr 1738 seine jetzige Gestalt erhielt.

Bier gebraut wurde nach den Aufzeichnungen im Häuserbuch von Juliane Wörlein dort seit 1580. Der Bierkeller wurde laut Stuckenberger bereits 1594 erstmals erwähnt. Zum „Lidlbräu“ wurde das Haus 1719, als der Brauer Melchior Lidl das Anwesen kaufte. Der letzte Bierbräu im Spitzenberger-Haus war Johann Nepomuk Pullinger, der das Haus 1823 an den Lebzelter Michael Hangl verkaufte. In die Familie Spitzenberger ging das Grundstück 1871 über. Nach Ansicht der Sachverständigen im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege liegt der Erhalt des Kellers allerdings nicht im Interesse der Allgemeinheit: Bei den beiden mittelgroßen, gewölbten Kellerräumen handle es sich um Fragmente eines Kellerhauses, das die Verbindung zum obertägigen Fassstadel ebenso verloren habe, wie die Verbindung zum zugehörigen Brauhaus, erklärt die Behörde auf Anfrage.

Die Heimatforscher widersprechen der Behörde

„Der Baubestand ist nach unserer Erfahrung in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren“, betont Pressesprecherin Dagmar Ott. Aufgrund des fragmenthaften Charakters, des Baualters und des verlorenen Brauhauses sei ein Nachtrag in die Denkmalliste nicht ausreichend begründbar. Dr. Thomas Raff, Kunsthistoriker und Vorsitzender des Dießener Heimatvereins, geht davon aus, dass hier „ein gravierender Irrtum vorliegt“.

Die Hauptbegründung für die späte Datierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, so Raff, sei der Tatsache geschuldet, dass der Keller nicht im Urkataster von 1846 eingetragen sei. Fraglich sei aus seiner Sicht allerdings, ob nicht überbaute Bierkeller damals überhaupt verzeichnet wurden. Außerdem sei das Spitzenberger-Haus seit 1823 von Lebzeltern und später von Konditoren genutzt worden, die wohl kaum ein Interesse daran gehabt hätten, derart große Kelleranlagen zu errichten. Die Bierbrauer, die von 1580 bis 1823 dort ansässig waren, hätten dagegen dringend einen Bierkeller benötigt.

Im Zentrum von Dießen, so Raff, habe es früher ein ganzes Labyrinth von Bierkellern gegeben, die miteinander verbunden gewesen seien. Im Lidl-Keller seien noch die zugemauerten Zugänge zu bereits zerstörten Kellern sichtbar. Was ebenfalls dafür spreche, dass der Lidl-Keller einer der letzten älteren, noch erhaltenen Keller sei.

Kommt ein weiteres Gutachten?

Wie Karl Heinz Springer, Verwaltungschef der Gemeinde Dießen, bestätigt, sei man im Rathaus bereit, nach Rücksprache mit den Heimatforschern ein unabhängiges Bauforschungsgutachten zu beauftragen. Allerdings mache dies nur Sinn, wenn es in Kooperation mit dem Eigentümer geschehe.

Auch Dr. Heide Weißhaar-Kiem sieht in einem unabhängigen Gutachten den einzig gangbaren Weg. Sie selbst, so die Kreisheimatpflegerin, sei beim ersten Rundgang vor sechs Jahren dabei gewesen. Damals hätten ihr allerdings noch Hintergrundinformationen gefehlt, um sich ein präzises Urteil über das Alter des Kellers zu bilden.

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