Landsberg

03.08.2016

Karton statt Stuck

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2 Bilder
Mathihs Stegink, Astrid van der Velde und Wolfgang Hauck  stellten gestern das Projekt „Architectus Lucis“ vor. Gearbeitet wird dabei mit Karton.
Bild: Mathijs Stegink

Zwei Holländer sollen im Oktober dabei helfen, einen Lichtraum im Stile Dominikus Zimmermanns zu schaffen.

Lowlands ist eines der größten und bekanntesten Festivals in den Niederlanden. Jedes Jahr kommen an die 90000 Besucher, es treten über 200 Künstler auf und es gibt mehr als zehn Bühnen. Teil des Festivals sind auch Astrid van der Velde und Mathijs Stegink. Sie nennen sich „Cardboarders“ und leiten Festivalgäste dabei an, Kreatives aus Karton (englisch: Cardboard) zu basteln. Die Aktion ist ein Erfolg, mittlerweile weltweit beliebt und kommt im Oktober nach Landsberg. Im Stil des „Cardboard Design“ soll aus Kartonagen ein Lichtraum im Stile Dominikus Zimmermanns erschaffen werden.

Astrid van der Velde und Mathijs Stegink sind gestern nach Landsberg gekommen um die Stadt kennenzulernen und ihre Kunstform vorzustellen. Ihr Reiseleiter und Stadtführer war Wolfgang Hauck, der Vorstand des Kulturvereins die KunstBauStelle. Er hat Cardboard Design bei einem seiner vielen Projekte kennengelernt und den Kontakt zu den beiden Niederländern hergestellt. Er ist der Initiator des Projekts „Architectus lucis“, bei dem innerhalb von zehn Tagen gemeinsam mit bis zu 40 Mitstreitern aus Landsberg ein Raum oder mehrere Räume zur Lichtarchitektur des Dominikus Zimmermann erschaffen werden sollen.

„Eine Lichtarchitektur zu schaffen, das war eine Fähigkeit, die Dominikus Zimmermann wunderbar eingesetzt hat“, sagt Hauck. Unter anderem mit der Wieskirche sei ihm ein Raum gelungen, dessen inneres Leuchten seinesgleichen suche. Ein solcher Raum sei auf den Kreislauf der Sonne berechnet und erziele je nach Tages- und Jahreszeit sowie nach Sonnenstand ganz besondere Beleuchtungseffekte. Dabei müsse das Licht geführt, gebrochen und geleitet werden, um im Raum ein Spiel von Licht und Schatten zu erzeugen. Die Besonderheit des aktuellen Projekts sei das Material. Im Stil des Cardboard Design soll aus Kartonagen ein Lichtraum erschaffen werden und mit entsprechenden Techniken Architektur und Lichtführung Zimmermanns nachgebaut und inszeniert werden. Wo dies stattfinden wird, sei noch offen. Es gebe mehrere Standorte in der Stadt, die infrage kommen.

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Astrid van der Velde und Mathijs Stegink sollen die „Baumaßnahme“ leiten. Sie sind Teil einer weltweit aktiven Szene. Cardboard Design vertrete dabei eine eigene Philosophie, sagen sie. Dinge würden nicht für die Ewigkeit gebaut, sondern für den Moment. Ein klarer Gegensatz zur Arbeit Zimmermanns, wie Hauck findet. Dennoch ist er überzeugt, das der berühmte Baumeister und Bürgermeister der Stadt heute Teil dieser Bewegung wäre. Wie Mathijs Stegink sagt, sollen die Kartonagen dem modernen „Baumeister“ die Scheu nehmen, etwas auszuprobieren. Er könne modellieren, kleben, bearbeiten, verbinden und damit mutig und Kreativ Neues erschaffen. Durch das gemeinsame Ausprobieren, Erschaffen und Erleben könne Architectus Lucis etwas Besonderes werden. „Man ist hier nicht nur Konsument, sondern wird selbst zum Architekten und Konstrukteur“, sagt Initiator Hauck.

Unterstützt wird das Projekt vom Kulturbüro der Stadt. Dessen Mitarbeiterin Patricia Eckstein freut sich, dass eine solch interaktive Aktion in Landsberg stattfinden kann. „Es gibt einige Ideen, wo es hingehen soll“, sagt Wolfgang Hauck. Letztendlich hänge es aber ganz von den Teilnehmern ab, was dabei herauskommt. Unter dem Motto „Wir folgen dem Schaffen von Dominikus Zimmermann“ seien im Oktober Jugendliche und Erwachsene eingeladen, gemeinsam ein Bauwerk aus Karton zu errichten. Wann und wo sich Interessierte anmelden können, werde noch bekannt gegeben. Vorbereitung, Workshop und Konstruktion wurden auf den Zeitraum zwischen 7. und 23. Oktober terminiert. Gestern machten sich Wolfgang Hauck und seine Gäste aus Holland noch zur Wieskirche auf – und zur Firma Redl Karton im Industriegebiet im Landsberger Norden. Denn schließlich brauchen sie auch noch „Baumaterial“.

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