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Landkreis

25.04.2019

Katharina Schulze: „Es fehlt an weiblichen Vorbildern“

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, war bei der Gründung des Ortsverbands in Windach.
Bild: Julian Leitenstorfer

Serie Frauen in der Politik: Katharina Schulze ist das Gesicht der Grünen in Bayern. Bei einem Besuch erzählt sie über ihre Heimat Herrsching, den Nockherberg und Frauen in der Kommunalpolitik

Frau Schulze, sie sind gebürtige Herrschingerin, wohnen aber jetzt in München. Vermittelt ein Besuch in Windach heimatliche Gefühle?

Schulze: Ja! Ich bin noch oft in Herrsching. Von dort hat man ja den Blick über den See rüber in den Landkreis Landsberg, in dem auch Freunde von mir wohnen. Früher bin ich oft beim Minigolf und im Kino in Dießen gewesen.

Sie sind sowohl in den Landtag eingezogen als auch auf den Nockherberg. Schweben Sie jetzt auf Wolke sieben?

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Schulze: Das mit dem Nockherberg habe ich ja zuerst nicht glauben können… Aber ja, ich freue mich über den großen Zuspruch. Das zeigt mir, dass die Themen, die ich anspreche, auch die Menschen umtreiben. Dennoch sind wir nun in der Opposition. Aber ich bin optimistisch für die nächsten Wahlen. Die Grünen sind eine inhaltlich starke Partei, und wir sind ein tolles Team. Das hat man auch hier bei der Gründung des Ortsverbandes gesehen. Da gab es mehr Kandidaten für den Vorstand als benötigt.

Dass Sie nun mit 33 Jahren im Landtag sitzen, hat aber nicht nur etwas mit den Parteizielen zu tun, sondern auch mit Ihnen persönlich.

Schulze: Das müssen andere beurteilen. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass die Partei mir durch die Spitzenkandidatur ihr Vertrauen geschenkt hat und die Fraktion durch den Vorsitz.

Welchen Anteil haben die Frauen im Kreistag, Stadtrat und in den Gemeinden: Der Anteil der Frauen in Kreistag, Stadtrat und den Gemeinden

Die Ziele für die nächste Wahl

Welches Ziel haben Sie für die Kommunalwahlen 2020? Sehen Sie die Möglichkeit, am Ammersee noch stärker zu werden?

Schulze: Der Landesverband hat bis zur Kommunalwahl das Ziel ausgegeben, 100 neue Ortsverbände zu gründen. Der Prozess ist vielerorts am Laufen. Der Landkreis Landsberg geht mit der Ortsverbands-Gründung in Windach mit gutem Beispiel voran. Am Ammersee sind die Grünen stark.

Die Grünen sind in Bayern derzeit beliebt und erfolgreich wie nie. Hängt damit auch die Ortsverbands-Gründung in Windach zusammen?

Schulze: Zum einen hat das sicher mit dem Erfolg der Grünen zu tun, aber es ist vielschichtiger. Die Gesellschaft ist politischer geworden, das ist gut. Die Leute haben gemerkt: Wir müssen vor Ort selber etwas machen und Themen wie zum Beispiel die Mobilität anpacken.

Ihr männliches Pendant im Landtag ist Ludwig Hartmann aus Landsberg. Wie klappt die Zusammenarbeit?

Schulze: Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir kennen uns ja noch von unserer Jugendzeit bei den Grünen. Dass wir nun zusammen die Fraktion führen, freut mich sehr, und die Macht ist gut verteilt zwischen uns (lacht).

Hat sich das gemischte Führungsduo bei den Grünen bewährt?

Schulze: Ja, die „Doppelspitze“ gibt es bei den Grünen schon sehr lange, von der Gemeindepolitik hoch bis zu unseren Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. Frauen und Männer machen unterschiedlich Politik, bringen verschiedene Hintergründe und Themen mit. Die Mischung macht’s.

Haben Frauen in Bayern die gleichen Chancen wie Männer, wenn sie in der Politik, speziell in der Kommunalpolitik, tätig werden wollen?

Schulze: Frauen haben noch nicht die gleichen Chancen in der Politik. Gerade die Kommunalpolitik ist sehr männlich geprägt: In Bayern sind von 71 Landräten nur fünf Frauen, weniger als zehn Prozent der Rathäuser werden von Frauen geführt, in den Kreis-/Stadt- und Gemeinderäten haben wir einen durchschnittlichen Frauenanteil von 26 Prozent. Da muss sich dringend was ändern. Für mich ist klar: Demokratie funktioniert nur geschlechtergerecht.

Eine Frauenquote?

Sind Sie für eine Frauenquote in der Politik? Ist das auch in der Kommunalpolitik umsetzbar?

Schulze: Wir brauchen endlich das Hälfte-der-Macht-Gesetz in Bayern. Freiwilligkeit alleine reicht nicht mehr, klare Regelungen müssen jetzt her. Und ja, auch bei der Kommunalwahl gilt: Quotierte Listen, also immer abwechselnd eine Frau und ein Mann bei der Wahl zum Stadt- oder Gemeinderat, sind für uns Grüne selbstverständlich und zeigen eindrucksvoll, wie man den Anteil an Frauen in der Kommunalpolitik erhöhen kann.

In Stadt- und Gemeinderäten und bei den Bürgermeistern in Bayern überwiegen die Männer. Woran liegt das?

Schulze: Die meisten Bürgermeister werden in Bayern noch von konservativen Parteien gestellt. Es fehlt an weiblichen Vorbildern. Ich bin überzeugt, dass sich Frauen mehr einbringen, wenn sie mit ihren Themen auch gehört werden. Wenn aber in den – gerade konservativen – Parteien weiter die Devise gilt „Männer nominieren Männer“, haben Frauen schlechte Chancen.

Wie will sie mehr Frauen für die Politik begeistern?

Wie kann es gelingen, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern?

Schulze: Ich mache mich dafür stark, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik Verantwortung übernehmen. Dazu braucht es eine Kultur, die Frauen willkommen heißt und praktische Veränderungen: Solange es für Alteingesessene wichtig ist, dass jemand zehn Jahre lang Plakate geklebt hat, wird es schwierig, junge Leute oder junge Eltern in die aktive Politik zu bekommen. Bei Listenaufstellungen und Kandidaturen zur Landrätin oder Bürgermeisterin sollten Frauen selbstverständlich Teil der Überlegungen sein.

Und speziell in der Kommunalpolitik?

Schulze: Kommunalpolitik findet überwiegend im Ehrenamt statt. Sitzungen am Nachmittag, lange Parteitreffen am Abend unter der Woche, das ist schwer zu vereinbaren mit Familie und Beruf. Nachdem Frauen überwiegend die sogenannte Care-Arbeit zu Hause leisten, müssen politische Treffen anders terminiert werden – warum nicht mal per Skype-Konferenz oder samstags und dann mit Kinderbetreuung?

Das Interview führten Dagmar Kübler und Thomas Wunder.

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