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Utting

20.01.2017

Kein Mineralwasser mehr vom Ammersee

An den Betriebsgebäuden der an der Entrachinger Straße erinnert nichts mehr an die früheren Firmen Keltenbrunnen und Ammertaler Getränke. Die Produktion wurde eingestellt, die Hallen sollen vermietet werden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Der Neustart als Premium-Hersteller misslang, einen weiteren Versuch wird es für die Firma Ammertaler Getränke nicht geben

Auch die Nachfolger des früheren Uttinger Getränkeunternehmers Bernhard Noll hatten keinen Erfolg. Bereits im vergangenen Jahr schlitterte das Nachfolgeunternehmen des früheren Keltenbrunnens ebenfalls in die Pleite: Nachdem kein Interessent für die Weiterführung der Firma „Ammertaler Getränke“ gefunden worden war, wurde der Betrieb eingestellt – und dieses Mal endgültig. Momentan suchen die Eigentümer des Betriebsgeländes, der in Liechtenstein ansässige Unternehmer Franz Scheitz, und ein Ehepaar aus Schondorf, nach einer Möglichkeit, die Liegenschaft an der Entrachinger Straße zu vermieten.

Der frühere Keltenbrunnen hatte 1972 begonnen, Limonade zu produzieren. Seine Quelle in 25 Metern Tiefe hatte seit 1986 den Status einer Mineralquelle. Doch 2011 wurde die Firma zahlungsunfähig. Eigentümer Noll hatte sich beim Versuch, mit 1,5-Liter-PET-Flaschen ins Discountergeschäft einzusteigen, finanziell verhoben. Ein Jahr später übernahm der Liechtensteiner Unternehmer Franz Scheitz, ein Bruder des Andechser Molkereibesitzers Georg Scheitz, das Unternehmen, das nun als „Ammertaler Getränke GmbH“ firmierte.

2014 wurde die Firma dann an Franz Scheitz’ Bruder Georg weiterverkauft, die Immobilien blieben im Eigentum von Franz Scheitz und dem Schondorfer Ehepaar. Der Andechser Bio-Unternehmer versuchte, statt im Discounter-Bereich Fuß zu fassen, das Uttinger Wasser auf die Bio-Schiene zu bringen, und wollte das dann sogenannte „Ammertaler Alpin Mineralwasser“ als regionales Premiumprodukt etablieren, wie das Unternehmen seinerzeit mitteilte. Schwach mineralisierte Wässer wie das aus Utting lägen im Trend, hieß es damals. Doch das Konzept ging offensichtlich nicht auf: Schon nach zwei Jahren, im Mai 2016, stellte auch das neue Unternehmen Insolvenzantrag.

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Der fortan tätige Insolvenzverwalter Dr. Paul Abel versuchte nach Angaben seines Mitarbeiters Daniel Koch einen Investor für das Unternehmen zu finden, allerdings habe weder ein Abfüller noch ein Brunnenbetreiber Interesse an dem Betrieb gezeigt. Zum 1. Juli wurde das Unternehmen aufgelöst, die verbliebenen acht Mitarbeiter entlassen und das Insolvenzverfahren eröffnet. Koch bestätigt, dass ab 2014 eine strategische Neuausrichtung ins Hochpreissegment unternommen wurde, zum Schluss habe dem Unternehmen aber die Zeit gefehlt.

Warum sich kein Übernehmer fand, liegt nach dem Dafürhalten Abels auch an dem „hart umkämpften Markt“ in der Branche. Der spiele sich inzwischen hauptsächlich im Discounterbereich ab. Die Uttinger Mineralwasserproduktion war zudem ein vergleichsweise kleines Unternehmen, wie der frühere Geschäftsführer Alexander Noll 2011 darlegte: Acht Millionen Flaschen wurden dort im Jahr abgefüllt, bei den Adelholzener Mineralbrunnen seien es damals 381 Millionen Einheiten gewesen. Ein kleineres Unternehmen, so Koch, hätte nur in einer Nische überleben können. Außerdem hätte erheblich in die Produktion investiert werden müssen.

Ähnlich sieht das inzwischen auch der frühere Investor Franz Scheitz, der ansonsten unternehmerisch im Anlagenbau tätig ist: Die Produktionsanlagen in Utting sei relativ alt gewesen, bestätigt er, und fügt an: „In diesem Markt kann man nur mit billigen Produkten Erfolg haben.“ Momentan, so Scheitz weiter, stünden deshalb in Deutschland viele Quellen zum Verkauf.

Was die Fortführung der Getränkeproduktion möglicherweise ebenfalls erschwert habe, ist nach Einschätzung von Daniel Koch der Umstand gewesen, dass zuletzt die Immobilie – Grundstücke mit knapp 7000 Quadratmetern, zwei Quellen und zwei Betriebsgebäuden mit rund 2000 Quadratmetern Nutzfläche – und das Unternehmen unterschiedlichen Eigentümern gehörten.

Nachdem die Getränkeproduktion eingestellt worden ist, wollen Scheitz und seine Miteigentümer ihre Uttinger Liegenschaft vermieten, „möglichst bald, gut und dauerhaft“, wie der Unternehmer sagt.

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