05.02.2014

Kein Saal vorhanden

Der Gasthof Drexl mit großem Saal war früher eine wichtige Wahlkampf-Bühne in Schondorf. ist aber inzwischen nur noch auf Vorbestellung geöffnet, sofern nicht, wie jetzt, gerade Betriebsferien sind.
Bild: Gerald Modlinger

In Schondorf und Utting tun sich Wahlkämpfer schwer, Räume zu finden, in Dießen ziehen die Parteien wieder von Wirtshaus zu Wirtshaus

In den Ammerseegemeinden kommt der Kommunalwahlkampf in Schwung. Kandidatenvorstellungen, Podiumsdiskussionen und Wirtshausgespräche stehen ins Haus. Allerdings: Die räumlichen Möglichkeiten sind dieses Mal überaus knapp bemessen: In Utting ist derzeit überhaupt kein Nebenzimmer oder Saal für eine Wahlveranstaltung zu bekommen, in Schondorf ist die Lage nicht besser. Hier findet die Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten in der Grundschule statt.

Wenn in der Gemeinde Utting die Parteien mit den Bürgern in Kontakt kommen wollen, dann müssen sie sich in diesem Wahlkampf in der Regel nach Holzhausen begeben. Der „Sonnenhof“ ist schon lange das Stammlokal der CSU, aber auch die GAL wird dort am 20. Februar ihre Wahlveranstaltung abhalten. „Es ist eine Herausforderung, in Utting einen Raum zu kriegen“, beschreibt GAL-Chef Detlef Däke die Situation im Wahlkampf 2014.

In dem Dorf mit fast 4000 Einwohnern steht derzeit kein mittlerer bis größerer Wirtshaussaal zur Verfügung: Der „Schneiderwirt“ ist schon länger als Gasthaus geschlossen, der „Seefelder Hof“ seit Juli und der „Wittelsbacher Hof“ hat von Mitte Dezember bis Mitte März Betriebsferien.

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An Restaurants, Pizzerien, Kneipen und Cafés herrscht in Schondorf und Utting zwar kein Mangel, für Veranstaltungen, auf denen etwas vorgetragen oder vorne diskutiert wird, seien die kleinteiligen Räume aber „nicht ganz easy“ zu handhaben, sagt Detlef Däke nach der „Heimat“-Matinee im „Schondorfer“ am Sonntagvormittag. Es sei schade, dass in Utting im Dorf gerade nicht viel gehe, findet auch CSU-Ortsvorsitzender Klaus Winkler. „Utting stirbt aus“, meint er und hat dabei nicht nur den Wahlkampf im Blick. Auch der einzige Faschingsball finde draußen in der Schießstätte statt. „Mitten im Wald“, wo man weder parken könne noch nächtens zu Fuß hinaus gehen wolle. Eigentlich bräuchte man einen Veranstaltungssaal im Ort.

Die einzigen größeren Versammlungslokale in Utting gehören den Kirchen. Allerdings: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde will in ihrem Gemeindezentrum keine parteipolitischen Veranstaltungen haben, erklärt Pfarrer Christian Wünsche. Etwas besser sähe es im katholischen Pfarrheim aus. Der Saal könne auch von Parteien und Wählergruppen gemietet werden, erklärt Monsignore Heinrich Weiß, „sofern sie nicht absolute Kirchengegner sind oder sich gegen unsere Rechtsordnung aussprechen“. Allerdings: So viele freie Termine weist das Pfarrheim nicht auf, weil an drei Abenden schon Liedertafel, Blasmusik und Kirchenchor proben. Somit seien nur Mittwoch, Donnerstag und Samstag verfügbar, Letzteres auch nur mit Einschränkungen, „weil da oft Geburtstagsfeiern sind“.

In Schondorf sieht es nicht viel anders als in Utting aus. Die kleinen Nominierungsversammlungen von Grünen und SPD fanden im Café und im Sportheim Platz, aber bei CSU und Freien Wählern konnten die Versammlungsteilnehmer im „Seepost“-Nebenzimmer so richtig auf Tuchfühlung gehen.

Für die publikumswirksame Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten am 16. Februar war jedenfalls keine andere Lokalität als die Grundschule aufzutreiben. Zwar wurde im Gasthof Drexl angefragt. Im bis zu 200 Besucher fassenden Drexl-Saal war früher in Wahlkampfzeiten viel los, heute ist der Gasthof nur noch auf Vorbestellung geöffnet. Inhaber Georg Werner sagte den Bürgermeisterkandidaten aber ab: Betriebsferien.

Ein Wirtshaussaal ist kein einfaches Geschäft

Ein Saal sei überhaupt heutzutage ein schwieriges Geschäft, macht Werner deutlich, warum es immer weniger davon gibt. Veranstaltungen von Vereinen werden kaum noch im Wirtshaus abgehalten, auch bei Hochzeiten und anderen Familienfeiern habe sich einiges geändert. Und der Fasching – mit dem die Kommunalwahlen stets zusammenfallen – sei auch kein Thema mehr, im Gegensatz zu früher, als noch zehn bis zwölf Bälle stattfanden, wie sich der 64-jährige Gastronom erinnert. Über den Wahlkampf hinaus hofft Gastwirt Georg Werner aber auf eine Wiederbelebung des Oberschondorfer Traditionshauses und kündigt an, dass sein Gasthof demnächst verpachtet werden und wieder dauerhaft öffnen soll.

In Schondorf zeigt sich zudem, dass die traditionelle Wahlversammlung nicht mehr obligatorisch ist. Die SPD etwa, so Vorsitzende Marlene Orban, werde keine Wahlversammlung machen. Man setze vielmehr auf Hausbesuche und Straßenaktionen etwa am Valentinstag.

Bessere Bedingungen finden die acht Parteien und Wählergruppen in der Marktgemeinde Dießen vor. Die Wahlkampf-Karawane bewegt sich durch alle Ortsteile, der Gasthof Wegele in Obermühlhausen, der Gasthof Stangl in Dettenschwang, der „Kramerhof“ in Riederau und der „Unterbräu“ in Dießen sind dabei die frequentiertesten Stationen und sogar die Szenekneipe „Fuchs und Has“ in Dettenhofen wird bis zum 16. März zum Wahllokal.

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