Newsticker

Staatsregierung mahnt: Corona-Regeln gelten auch für Nikolaus
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Keine Abrechnung, aber ein Appell

Reichling

15.02.2018

Keine Abrechnung, aber ein Appell

Als Gastredner beim Politischen Aschermittwoch in Reichling sprach Dr. Wolfgang Herrmann, der Präsident der TU München.

Zum politischen Aschermittwoch holt die CSU Reichling den Präsidenten der TU München, Wolfgang Herrmann, ans Rednerpult. Und der hat eine dringende Forderung.

Seit über 40 Jahren zelebriert der CSU-Ortsverband Reichling den Politischen Aschermittwoch. Wie beim großen Vorbild in Passau werden nicht nur Fischmahlzeiten angeboten. Die Veranstaltung dient mehr der Abrechnung mit dem politischen Gegner. Die fiel heuer in Reichling etwas kleiner als üblich aus, denn Hauptredner des vom Musikverein Reichling musikalisch umrahmten Abends war Professor Dr. Wolfgang Herrmann.

Es geht um die Bildung

Er ist zwar, wie Reichlings Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler sagte, eine sehr politische Person. Politik war in dem Vortrag zwar auch viel im Spiel, Herrmann beleuchtete aber vor allem die Bildungs- und Hochschulpolitik, wie sie er in seiner Eigenschaft als Präsident der Technischen Universität (TU) München sieht. Zunächst berichtete Michael Kießling, ehemals Bürgermeister der Gemeinde Denklingen und jetzt Bundestagsabgeordneter, von seinen Erlebnissen in Berlin.

„Wir Bayern gehen vor“

Bei den schwierigen Koalitionsverhandlungen sei die Handschrift der CSU durchaus erkennbar, ist Kießlings Eindruck. Sein Fazit: „Die Bayern gehen vor – die anderen ziehen nach.“ Für Herrmann hat, wie er zu Beginn erklärte, eine feste Haltung und das Bekenntnis zu den Wurzeln höchste Priorität. Wer stets Haltung zeige und sich zu seinen Wurzeln, „die bei uns im Christentum sind“, bekenne, sei besser in der Lage, tolerant zu sein. Die TUM könne einen Beitrag zur Friedensstiftung leisten. „Wissenschaftler tun sich leichter als Politiker“, erklärte Herrmann, „mit Menschen anderer Kulturen zu kommunizieren“. Grund sei, dass es Wissenschaftlern um die Weiterentwicklung einer Sache gehe und nicht um politischen Schlagabtausch oder Standortbestimmung.

Vor 150 Jahren gegründet

Großen Raum räumte der Redner der Entwicklung der TUM von einem kleinen, vor 150 Jahren gegründeten Polytechnikum zu einem Campus, der bald Europas größter sein wird, sowie Bayerns von einem Agrarland zu einem gleichzeitig hochtechnologischen Standort ein. Die Wissenschaft sei in den Klöstern entstanden. Bayerns Könige haben deren Priorität erkannt. Es sei eine Zeit des Aufbruchs gewesen. Dass Wirtschaft und Wissenschaft sich eng verschränkt weiter entwickelten, habe sich als großer Vorteil erwiesen. Das Polytechnikum hielt Schritt, es wuchs, wurde zu einer TU mit 40000 Studenten.

Grundstein wird in der Schule gelegt

„Wir sind die einzige TU in Bayern“, berichtete deren Präsident, „können heute Fächer von Medizin über Sport und Gesundheit bis zu, und das ist ganz neu, Sozialwissenschaften anbieten. Bei uns müssen Studierende von Politikwissenschaften gleichzeitig ein technisches Fach belegen“. Nicht wenige Vorlesungen werden in Englisch abgehalten, „weil Studierende auf die Welt vorbereitet werden müssen“. Junge Leute müssten lernen, im Team zu arbeiten – der Grundstein dafür werden in der Schule gelegt.

Grundschullehrer besser bezahlen

Die TU unterhalte mehr als 100 Schulpartnerschaften. Wichtig seien gut ausgebildete, kritikfähige Lehrer. Deren Ausbildung – auch von Berufschullehrern – habe er an der TU wieder eingeführt. „Grundschullehrer müssen genauso bezahlt werden wie Gymnasiallehrer“, ist Herrmanns Forderung an die Politik. „Gebt das Geld erst den Schulen, dann den Universitäten.“

Es müsse gelingen, das Talent der Jugendlichen zu erkennen, und das müsse nicht unbedingt in einem Studium enden. Wichtig sei, die Intelligenz im Land zu halten. „Die besten Leute müssen bei uns studieren und nicht in Amerika.“ Zuwanderung sei in Deutschland ebenfalls notwendig. „Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, brauchen wir Leute von außen, aber nur die Besten, die gut ausgebildeten oder die extrem Lernwilligen.“ Letztendlich sei der Zusammenhalt in der Gesellschaft das Wichtigste.

Herrmanns Botschaft: „In einer guten Universität geht es nicht anders zu, wie auf einem Bauernhof. Hier wie dort muss man die Leute mögen, sonst funktioniert das System nicht.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren