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Konzert

17.11.2017

Klare, einfühlsame Stimme

Die Sopranistin Marie-Sophie Pollak im Rathaus.
Bild: Leitenstorfer

Sopranistin Marie-Sophie Pollak im Rathaus

Obwohl sich Georg Friedrich Händel seinen Ruhm vor allem durch Opern und Oratorien erarbeitete, stand am Sonntag im Rahmen der Landsberger Rathauskonzerte die kleine Form des großen Barockkomponisten im Vordergrund. Seine Lieder und Sonaten, die ebenso wie die Kirchen- und Kammermusik nicht selten auch als Stilübungen für die großen Auftragsarbeiten geschrieben wurden, vermitteln aber eine ähnliche Tiefe und Originalität, wie das bei den umfangreicheren Werken der Fall ist.

Außerdem wurden Händels Kompositionen, als auch die seiner Zeitgenossen, an diesem Abend von drei herausragenden Solisten interpretiert, deren Hingabe und Spieltechnik dem Konzert eine zusätzliche, besondere Note verlieh. Die Sopranistin Marie-Sophie Pollak, kurzfristig für die erkrankte Katja Stuber eingesprungen, hat erst in diesem Jahr in der Elbphilharmonie Hamburg in Haydns „Jahreszeiten“ unter Kent Nagano debütiert. Dazu kam die 1. Violinistin des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Marije Grevink und der aus Bozen in Südtirol stammende Organist und Cembalist Peter Kofler.

Alle drei widmeten sich neben Händel Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Dietrich Buxtehude und dem aus England stammenden und nicht ganz so oft im Barock-Repertoire in Deutschland auftauchenden William Babell. Letzterer stand übrigens in direktem Kontakt mit Georg Friedrich Händel und hat mit diesem auch gemeinsam gearbeitet. Das in der Kürze zusammengestellte Programm bestach nicht nur durch die Verschiedenartigkeit der Komponisten und ihrem jeweiligen musikalischen Ansatz, es waren auch die unterschiedlichen Klangfarben, die aufgrund der immer wieder wechselnden Konstellationen des Trios insgesamt beeindruckten. So gab es die Besetzung Sopran/Barockvioline/Cembalo (Bachs „Ich bin in mir vergnügt“), das Duo Barockvioline/Cembalo (Händel „Sonate D-Dur HVW 371“) oder Sopran/Violine/Orgel (Telemann aus „der Harmonische Gottesdienst“).

Marie-Sophie Pollak glänzte mit ihrer klaren und einfühlsamen Stimme. Sie jubilierte in einer leicht zurückhaltenden, aber dafür um so wirkungsvolleren Art. Sie traf mit ihrer Stimme das Publikum mitten ins Herz – und das mit verspielter Leichtigkeit. Marije Grevink brauchte kurze Zeit, um ihr musikalisches Potenzial vollständig abzurufen. Sie spielte die langsamen Satzteile kontrolliert und ausdrucksstark und fand in den forcierten Sätzen einen gewissen Schwung, der einem vitalen Drive sehr nahe kam. Es ist eine sanfte Heiterkeit, die Marije Grevink entstehen lässt, wobei die Transparenz in der Stimmführung erhalten bleibt. Dabei harmoniert das warme, sonore Timbre der Barockvioline wunderbar mit den strahlenden Obertönen des Cembalos. An ihm zeigte sich Peter Kofler wiederum als ein sehr einfühlsamer Begleiter. Er beherrscht die Kunst des gleichberechtigten Miteinanders. Er steuert die Tempi, nimmt mit Eleganz manch virtuosen Druck aus der Musik und wandelt diesen in eine Art beherzte Eleganz.

Als Zugabe gab es noch Georg Friedrich Händels „In angenehmen Büschen“ aus „Neun deutsche Arien“. Übrigens kommentierte kein Geringerer als der große deutsche Schriftsteller der Romantik, Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, die Musik Händels einmal wie folgt: „Georg Friedrich Händel unternahm es, das große wunderbare Geheimnis der Religion in Tönen zu verkünden“.

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