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24.09.2008

Kleider, die nicht anziehen, sondern "visualisieren"

Tobias Binderberger inszeniert Räume, Menschen, Material - und immer auch sich selbst. Mit Aktionen macht er einerseits auf sich aufmerksam. Andererseits zieht er mit Installationen wie der "Raumstation" in der Münchner Innenstadt als "Visualisierung eines Rechtsraumes" die Blicke auf sich und seine Kunst.

Von Ulrike Reschke

Ellighofen. Tobias Binderberger inszeniert Räume, Menschen, Material - und immer auch sich selbst. Seine Bühne ist der öffentliche Raum. Mit der Abreißzettel-Aktion "Hi, wie geht¿s¿" in der Landsberger Innenstadt und durch offensives Auftreten im Internet-Netzwerk "Lokalisten" macht Tobias Binderberger einerseits auf sich aufmerksam. Andererseits zieht er mit Installationen wie der "Raumstation" in der Münchner Innenstadt als "Visualisierung eines Rechtsraumes" die Blicke auf sich und seine Kunst.

Derzeit arbeitet Tobias Binderberger in seinem Sommeratelier in Ellighofen. Er, der in München aufwuchs und in Berlin studierte, bezeichnet sich selbst als "Großstadtkünstler" und sagt über die Abgeschiedenheit der großen Scheune, die ihm in den wärmeren Monaten als Atelier dient: "Wenn Ellighofen nicht ein Stadtteil von Landsberg wäre, wäre es nichts fürs Renommee." Sein Atelier hat er eingerichtet für großformatige Malerei. Hier entstehen mithilfe einer Lackierpistole bunte Tafelbilder, die durch raffinierten, mehrfachen Farbauftrag über eine - wenn auch nur minimale dreidimensionale - Tiefe verfügen. Die Malerei bezeichnet Binderberger als seine Kernkompetenz, die vieles andere ermögliche.

In Binderbergers Sommeratelier entsteht aber ebenso "Couture" - Papierkleider, die Models auf den Leib geschneidert werden, dann aber wie die großformatigen Leinwände mit der Lackierpistole weiter bearbeitet werden.

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In der Haute Couture, im "Label Tobias", findet Binderberger eine Schnittmenge als bildender Künstler. In seinen Augen ist alles und jeder vernetzt. Eins seiner nächsten Projekte wird "die Vernetzung mit der katholischen Kirche" sein: Dann sollen aus Heiligenbildern Kleider entstehen.

Für den Künstler sind die Papierkleider "Futter, um Interesse zu wecken, damit ich als Gesprächspartner interessant bin". Über sie lernt er in Internet-Plattformen Frauen "zwischen 25 und 50" kennen, die er zu Vernissagen anderer Künstler einlädt. Die fremden Veranstaltungen nutzt er für sich - "ohne jemandem zu schaden", wie er sagt. Denn: "Wenn ich das meiste Publikum stelle, kann ich das anschließende Programm prägen." Mit dieser Kommunikations-Kunst eröffne er einen neuen Markt. Der Katharina-Grosse-Schüler sagt: "Ich nutze Eitelkeiten, um die Kunst hochzubringen." Damit unterscheide sich seine Art zu arbeiten von der Vorgehensweise vieler TV-Castingshows, die Bewerber schlicht bloßstellen.

"Wie eine Krake" breitet sich der Ruf der Papierkleider aus dem Internet in die reale Welt aus. In Zusammenarbeit mit anderen - Maskenbildner, Fotografen, Bühnenbildner - entsteht ein Gesamtkunstwerk, das "nichts kostet". "Jeder bringt seine Genialität ein", sagt Tobias Binderberger. Jeder generiert damit einen Nutzen für sich selbst und trägt die Idee der anderen nach außen. Seine Vision sei es, ein eigenes System für alle genialen Menschen oder Bestimmer entstehen zu lassen, sagt der 34-Jährige. Eine Etappe auf dem Weg zur Verwirklichung dieser Vision ist es, Kontakt mit einer Kultur-Institution aufzunehmen und "wirklich bedeutende Künstler" wie den US-amerikanischen Medienkünstler Matthew Barney nach Landsberg zu bringen.

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