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Landkreis Landsberg

13.06.2018

Klein-Venedig in der Hinteren Salzgasse

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Hochwasser im Salzstadel: Feuerwehrkommandant Christian Jungbauer mit Jörg Nennmann und seiner Nachbarin Mirella Zwager. Ein Rückstau im Kanal hatte die Straße unter Wasser gesetzt.
Bild: Thorsten Jordan

Dass es in Landsberg eine Überschwemmung gab, lag nicht nur am heftigen Regen. Ansonsten kam der Landkreis aber glimpflich davon. Auf dem Pilsensee wird seit Dienstagnachmittag nach einem Vermissten gesucht.

Während in weiten Teilen Bayerns am Dienstag Unwetter hereinbrachen, kam der Landkreis Landsberg ohne große Schäden davon. Dass es in der Hinteren Salzgasse in Landsberg zu einer örtlichen Überschwemmung kam, lag indes nicht nur am Wetter: Verschärft wurde das Problem dadurch, dass der Hochwassereinlauf an der Maier-Mühle wegen der dort laufenden Revisionsarbeiten am Kraftwerk (LT berichtete) gesperrt war.

Bald steht die Trockenzeit an

Wie berichtet, wurde in der vergangenen Woche die Turbine in der Maier-Mühle ausgebaut, zugleich wurde der Kanalzulauf abgedichtet, damit während weiterer Arbeiten kein Wasser ins Kraftwerk läuft. Außerdem soll in der nächsten Woche die Turbine beim Elektrizitätswerk am Sandauer Tor ausgebaut werden. Erst danach, erklärt Thomas Schneider von den Stadtwerken Landsberg, könne das Mühlbach-Gerinne wieder geflutet werden – zumindest bis August. Dann steht die nächste Trockenzeit an, wenn die Turbinen aus der Revision im Werk wieder zurückkommen.

Das Wasser suchte sich einen anderen Weg

Während die Kraftwerke während des starken Regens (zwischen 17 und 19 Uhr fielen in Landsberg gut 23 Liter Regen pro Quadratmeter) trocken blieben, suchte sich das stauende Abwasser in der Hinteren Salzgasse einen anderen Weg. Dort verläuft ein Stauraumkanal. Dieser wird benötigt, wenn das Kanalsystem große Wassermengen nicht mehr aufnehmen kann. Dann wird in der Nähe des Schmalzturms Wasser in den Kanal „abgeschlagen“, wie die Fachleute sagen. Dieser führt unter dem Rathaus hindurch in die Hintere Salzgasse und von dort zum Mühlbach.

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Der Zulauf in den Mühlbach war verschlossen

Dort staute sich am Dienstag das Wasser, weil der Zulauf in den Mühlbach verschlossen war. Die Folge: Das drückende Wasser hob den Kanaldeckel vor dem Rathaus-Hof, das Wasser ergoss sich auf die Straße. „Das war wie in Venedig“, schildert Jörg Nennmann die Szenerie, die sich den Anliegern bot. In drei Wohnungen, in den Ausstellungsraum seines Wohnacessoire-Geschäfts und einen Fahrradabstellraum drang Wasser ein, auch der Keller unterm Café Maxx wurde überflutet, erzählt er.

Die Stöpsel herausnehmen

Die Feuerwehr richtete Sandsäcke vor den Haustüren auf. Außerdem wurde überlegt, das Wasser auf der Straße abzupumpen. Dann entschied man sich jedoch nach Rücksprache mit den Stadtwerken und dem Elektrizitätswerk Landsberg, doch die Stöpsel am Mühlbach herauszunehmen. Zuvor, sagt Markus Katzmeier, der für den Betrieb von Wasser- und Kanalleitungen zuständige Abteilungsleiter der Stadtwerke, seien noch die Aggregate aus dem Kraftwerk an der Maier-Mühle geholt worden.

Katzmeier betont aber auch, dass nicht allein der verschlossene Mühlbach-Zulauf die Überschwemmung ausgelöst habe. Überflutungen in der Hinteren Salzgasse habe es auch schon bei funktionierendem Zulauf in den Mühlbach gegeben, als das Abwasser von der Alten Bergstraße über den Hauptplatz schneller nachfloss, als es in den Mühlbach abfließen konnte.

Kaum nennenswerte Wetterfolgen

Abgesehen von der Überschwemmung in der Hinteren Salzgasse kam es im Landkreis am Dienstag kaum zu nennenswerten Wetterfolgen: „Es hat geregnet ohne große Sensation“, fasste der Landsberger Polizei-Sprecher Markus Siebert zusammen. Kreisbrandrat Johann Koller sprach von ungefähr zehn Feuerwehreinsätzen wegen überfluteter Fahrbahnen und Keller.

Auch rund um Weilheim standen Fahrbahnen, Keller und Unterführungen unter Wasser. Im Bereich der Ammerschule war die Bahnunterführung überflutet. Die Feuerwehr fand dort sieben verschiedene Kennzeichen. Diese wurden vermutlich beim Durchfahren des überfluteten Bereichs aus den Halterungen gerissen. Die Kennzeichen können bei der Polizeiinspektion abgeholt werden. In Wielenbach trat Wasser aus der Kanalisation, was zusätzlich Fahrbahnen und Keller überflutete. Gegen 17.30 Uhr wurden in Weilheim vermutlich durch einen Blitzeinschlag mehrere Ampeln außer Betrieb gesetzt.

Wasserwacht und Feuerwehr suchen vermissten Mann

Polizei, Wasserwacht und Feuerwehr beschäftigt derweil seit Dienstagnachmittag eine Vermisstensuche am Pilsensee. Gegen 14.30 Uhr hatte eine Urlauberin mitgeteilt, dass ein leeres Boot mit laufendem Motor ans Ufer getrieben worden sei. Sie habe zuvor noch beobachtet, wie ein Fischer mit diesem Boot auf dem See auf- und abgefahren sei.

Daraufhin wurden Suchmaßnahmen durch Wasserwacht und Feuerwehr eingeleitet. Zudem wurde der See mit zwei Hubschraubern abgesucht. Die Suche musste gegen 16.30 Uhr wegen des aufziehenden Gewitters abgebrochen werden. Sie wurde am Mittwoch fortgesetzt. Bei dem Vermissten handelt es sich laut Polizei sehr wahrscheinlich um einen 67-jährigen Mann aus Seefeld.

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