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Training

18.02.2015

Kleine Rolle mit großer Wirkung

Auch ohne Hilfsmittel kann man mit den richtigen Übungen, eine davon zeigt hier Sven Kresin, viel für die Faszien tun.
Bild: Thorsten Jordan

Faszien sind faszinierend. Inzwischen gibt es spezielles Training für das vielseitige Bindegewebe

Training verbindet man mit Muskelaufbau, Technik und Ausdauer. Ein ganz wichtiger Aspekt stand dabei bislang nicht im Blickpunkt: Das Bindegewebe – oder wie es nun genannt wird, die Faszien. Lange dauerte es, ehe man dieses Bindegewebe, das den kompletten Körper durchzieht, wirklich „ernst“ nahm.

Dabei sind die Faszien ein ganz entscheidendes Element, wie Personal Trainer Sven Kresin erklärt. „Faszien umschließen nicht nur Muskeln und Organe, die Stränge laufen auch von den Händen durch den ganzen Körper bis runter zu den Füßen.“ Werden die Faszien richtig trainiert und „gepflegt“, erhöht sich die Beweglichkeit – einseitiges Training oder Bewegungsmangel sorgen dagegen dafür, dass die Faszien verklumpen und ihre Elastizität verlieren.

Nach dieser kurzen Einführung zeigt mir Sven Kresin seine Utensilien, die er für das Faszientraining mitgebracht hat: mehrere verschiedene kleine Bälle, eine Rolle aus Hartschaum und eine weitere Rolle mit Noppen. „Mit dieser kann man noch tiefer ins Gewebe eindringen“, sagt Kresin.

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Doch dazu kommen wir erst später. Mit einer simplen Aufgabe will mir Kresin die Auswirkungen dieses Trainings zeigen. „Beine durchstrecken und die Finger auf den Boden“, lautet sein Kommando: Okay, die äußersten Fingerspitzen berühren tatsächlich – gerade – den Boden. Dann gibt mir Kresin den Tennisball: „Einfach 20 Sekunden pro Fuß über die gesamte Fußsohle rollen.“ Nicht weiter schwierig, was das bringen soll, erschließt sich mir zu dem Zeitpunkt nicht. Trotz des Hinweises von Kresin zu Beginn, dass sich die Faszienstränge durch den ganzen Körper ziehen. Die zwei Mal 20 Sekunden sind um und es erfolgt der erneute Test: Knie durchstrecken und Finger auf den Boden – das Ergebnis überrascht mich, denn jetzt komme ich wirklich deutlich auf den Boden.

Weitere Übungen folgen: Ausrollen der Waden, der Oberschenkelrückseite und langsam wird es nun doch ein Training: Die Rollbewegungen sind gar nicht so einfach zu machen und die 20 Sekunden pro Bein werden immer länger. Plötzlich machen sich auch Schmerzpunkte bemerkbar, von denen man früher nichts gespürt hat: an der Außenseite der Waden zum Beispiel. Wenn die Rolle diese Stelle berührt ist es, als würde man auf einen blauen Fleck drücken, doch da ist nichts zu sehen. „Das sind die Verklebungen, die man bei normalen Bewegungen nicht spürt“, erklärt mir der Personal Trainer – und lässt nicht locker: munter weiter genau dort rollen. Den Druck muss man selbst bestimmen, aber es reicht schon das Gewicht des Beines aus.

Die Überraschung kommt nach dem Aufstehen: Die Beine fühlen sich auf einmal ganz anders an: lockerer, freier, frischer – ganz schwer zu beschreiben. Dass dies aber nicht nur eine subjektive Empfindung ist, zeigt der Eingangstest: Nicht nur die Fingerspitzen erreichen jetzt den Boden, mit etwas gutem Willen könnte man fast sagen, dass bereits die Handfläche Bodenkontakt bekommt – Faszi(en)nierend!

Hoch interessant wird es, den Gesäßmuskel auszurollen. Allein das Gleichgewicht zu halten wird schon happig, aber noch beeindruckender: Praktisch jede kleine Rollbewegung schmerzt. Rückenschmerzen ja, das ist nichts Unbekanntes, aber das Gesäß? Wird schließlich in der Arbeit ja regelmäßig „trainiert“, das gibt doch zu denken. Und dennoch kann beides zusammenhängen: Durch die Vernetzung der Faszien muss der Ort der Verklebung nicht identisch sein mit der Stelle, an der man gewöhnlich Schmerzen hat. „Ich hatte einen Fall“, schildert Kresin, „in dem der Mann über Nackenschmerzen geklagt hatte.“ Kresin ließ ihn dennoch erst mal mit dem Fuß auf dem Ball rollen und legte beim Training den Schwerpunkt nicht auf den Nacken. „Nach einiger Zeit waren die Beschwerden fast weg.“ Übrigens eine Erfahrung, die nicht nur er gemacht hat. Ob bei mir die Rückenschmerzen besser werden, hängt aber auch davon ab, wie konsequent ich das Training durchziehe: Einige Wochen Geduld muss ich schon mitbringen. Aber das Faszientraining lässt sich ja auch gut nach jedem anderen Training „anhängen“.

Fazit: Faszien – wirklich faszinierend. Das Gefühl, dass sich nach dem konsequenten Training einstellt, ist nicht zu beschreiben, aber ausgesprochen angenehm. Eine Lockerheit in den Muskeln, die – ich jedenfalls – weder durch Stretching noch andere Lockerungsübungen erfahren habe.

Ganz schmerzfrei ist es nicht – aber jeder Sportler kennt ja den Spruch: „Wie gut, wenn der Schmerz nachlässt“, und diesem Fall lässt sich der Schmerz selbst dosieren, was unter Umständen auch eine kleine Gefahr birgt, da man dem Unangenehmen gerne aus dem Weg geht.

Für alle Sportler – zur Erholung, und auch alle Nicht-Sportler, die damit relativ einfach ihrem Körper Gutes tun können, nur zu empfehlen.

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