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Landsberg

23.10.2019

Kleinkrieg bei den Landsberger Handballern

Wie lange steht bei Handballspielen in Landsberg noch das Logo des TSV Landsberg auf der Bank der Punktrichter?
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Plus Die Handballer wollen den TSV Landsberg verlassen und zu Jahn wechseln. Am heutigen Donnerstagabend soll darüber entschieden werden. Doch dem Abteilungsleiter Roland Neumeyer droht schon vor dem Treffen der Rausschmiss.

Die Handballer des TSV Landsberg wollen zu Jahn Landsberg wechseln. Sie führen dafür viele Gründe an, wie vermuten lassen, dass es schon länger zwischen Abteilung und Vorstand brodelt. Am heutigen Donnerstag findet eine Abteilungsversammlung statt, in der über dieses Thema entschieden werden soll. Der Hauptverein will die Abteilung aber nicht gehen lassen. Und hat nun, kurz vor dieser Versammlung, schwere Geschütze aufgefahren.

Was war geschehen: Schon seit Jahren brodelt es bei den Handballern, sagt Abteilungsleiter Roland Neumeyer. Bei der Versammlung vor einigen Wochen hatte sich Neumeyer über die Stimmung in der Abteilung informiert und daraufhin den Wechsel vorangetrieben. Er führte Gespräche mit Jahn Landsberg – und auch mit dem TSV-Vorstand. Dieser hatte sofort erklärt, dass man einen Wechsel nicht wünsche. Hanns Haedenkamp, der Vorsitzende des Hauptvereins, hatte erklärt, man wolle das Thema „in aller Ruhe“ vom Tisch bringen.

Die Gründe für den Wechsel sind vielschichtig

Die Gründe, warum die Handballer zu Jahn wechseln wollen, sind vielschichtig. „Dabei geht es nicht nur um die Finanzen“, erklärt Neumeyer, es sei auch „eine emotionale Entscheidung“. Denn während beim TSV Landsberg die einzelnen Abteilungen nur unter dem Dach „TSV“ zusammengehalten würden, gebe es bei Jahn ein reges Miteinander der Abteilungen. Dort verspricht er sich beispielsweise auch mehr Hilfe, wenn es um die Vergabe von Hallenzeiten geht. „Wir sind der Meinung, dass wir uns bei Jahn besser entwickeln können“, fasst Neumeyer zusammen.

Kleinkrieg bei den Landsberger Handballern

Bei der Versammlung am Donnerstagabend sollen nun die Mitglieder über den genauen Wortlaut des Antrags, die Abteilung Handball zum 1.7.2020 aufzulösen, entscheiden. Dieser muss dann dem Verwaltungsrat des Hauptvereins gestellt werden. Bereits am Dienstag bekam Neumeyer Besuch vom Vorsitzenden Haedenkamp. Inhalt des Gesprächs war laut Haedenkamp „ein Angebot“, doch Roland Neumeyer bezeichnet dieses Angebot als „glatte Erpressung“. Jedenfalls kann es sein, dass Neumeyer die Abteilung gar nicht mehr leiten darf.

Roland Neumeyer, Abteilungsleiter Handball TSV Landsberg,  möchte mit der Handballabteilung zur FT Jahn Landsberg wechseln.
Bild: Thorsten Jordan
Hanns Haedenkamp, Vorsitzender des TSV Landsberg, will den Wechsel der Landsberger Handballer zu Jahn verhindern.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Bei diesem Gespräch habe Hanns Haedenkamp versucht, ihn zu bewegen, „die ganze Sache zurückzunehmen“, teilt Neumeyer seinen Abteilungskollegen in einem Informationsschreiben mit, das auch der Redaktion vorliegt. Er habe darauf hingewiesen, dass er das gar nicht könne, sondern die Abteilungsversammlung abwarten müsse. Daraufhin überreichte ihm Hanns Haedenkamp ein Schreiben, in dem ihm der sofortige Ausschluss aus dem Verein mitgeteilt wurde. Begründet wurde dieser mit vereinsschädlichem Verhalten. Aber Haedenkamp räumte Neumeyer noch Bedenkzeit bis Mittwochabend ein. „Das war in meinen Augen glatte Erpressung. Ich habe, bei bestem Gewissen, mich nicht vereinsschädigend verhalten“, so Neumeyer. Er würde allen in den Rücken fallen, wenn er alleine entscheide, alles rückgängig zu machen.

Haedenkamp: Man kann über alles reden

Was Neumeyer als Erpressung bezeichnet, sieht Haedenkamp dagegen als „reines Angebot“. Das erklärt er folgendermaßen: Am Montagabend habe eine Vorstandssitzung stattgefunden, dabei sei der Ausschluss von Neumeyer beschlossen worden. „Auf der anderen Seite kann man über alles reden“, und er habe gehofft, dass man die Angelegenheit noch anders regeln könne. „So würde es einen Riesenärger geben“, sagte Haedenkamp, ihm wäre es lieber, die Dinge so zu regeln, dass „eine künftige Zusammenarbeit neu aufgebaut werden kann“.

Warum sich der Vorstand so gegen die Abwanderung der Handballer zu Jahn wehrt? Haedenkamp: „Dazu gibt es keinen grundsätzlichen Beschluss“. Es sei auch nur der Wunsch von relativ wenigen zu wechseln, auch seien „noch nicht viele Kündigungen eingegangen“, so der Vereinschef.

Die Abteilung Handball hat derzeit rund 300 Mitglieder. Und Streitpunkte, die es bei einer Trennung zu regeln gibt, sind genügend vorhanden. Angefangen bei den Trikots der Mannschaften, die Eigentum des Gesamtvereins sind, über das Vermögen, das die Abteilung selbstständig erwirtschaftet hat, bis hin zu den Hallenzeiten, ob diese nun dem Hauptverein oder der Abteilung gehören.

Müssen die Mannschaften wieder ganz unten beginnen?

Im schlimmsten Fall könnte es sogar passieren, dass die Mannschaften im Spielbetrieb wieder in der untersten Liga beginnen müssen. Dazu sei man aber bereit, hatte Michael Juchem, Torhüter bei der Bezirksoberliga-Mannschaft bereits mitgeteilt.

Bei einem Treffen der Eltern von Jugendspielern, das Neumeyer vor Kurzem einberufen hatte, war vonseiten der Anwesenden keine Ablehnung der Pläne gekommen. Und das, obwohl die Eltern damals bereits darauf aufmerksam gemacht worden waren, dass auf sie möglicherweise ein doppelter Beitrag zukommen könnte. Dann nämlich, wenn der Wechsel nicht zum 1. Januar stattfinden kann, was nun der Fall ist. Er kann erst nach Ende der Punktrunde vollzogen werden.

Wer die heutige Sitzung nun leiten wird, entscheidet sich wohl erst am Donnerstagabend. Denn sollte Roland Neumeyer vorher erneut seinen Ausschluss überreicht bekommen, werde er sich dem beugen. „Die Sitzung ist öffentlich, ich werde also kommen“, sagt Neumeyer. Die Leitung übernimmt dann aber seine Stellvertreterin Barbara Bonfert. Sein Kommen hat auch Hanns Haedenkamp angekündigt: „Ich bin nicht aufgeregt.“

So schätzt LT-Redakteurin Margit Messelhäuser die Situation ein: Streit bei Landsbergs Handballern: Ein Prestigeverlust

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