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Landsberg

07.04.2021

Klinikum Landsberg: Er kümmert sich um Covid-19-Patienten

Dr. Philipp Hartmann ist Mediziner am Klinikum Landsberg. Im großen LT-Gespräch berichtet er über seine Arbeit mit Covid-19-Patienten.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Die Intensivstationen füllen sich deutschlandweit wieder stark mit Covid-19-Patienten. Dr. Philipp Hartmann ist einer der Ärzte, der sie am Klinikum Landsberg behandelt. Dem LT erzählt er von seiner Arbeit und seinen Sorgen.

Mitte März 2020 trat in Bayern wegen der Corona-Pandemie der Katastrophenfall ein. Das öffentliche Leben wurde stark eingeschränkt. Gut zwei Monate zuvor war in Kaufering der erste Corona-Infizierte in Deutschland bekannt geworden. Seither hat das Coronavirus unser Leben verändert. In einer Serie erzählen uns jeden Monat Menschen aus dem Landkreis Landsberg, wie sie die Corona-Krise erlebt haben. Heute: der Intensivmediziner Dr. Philipp Hartmann, der am Klinikum in Landsberg Covid-19-Patienten behandelt.

Wenn Philipp Hartmann seine Patienten im Klinikum in Landsberg aufsucht, dann trägt er am ganzen Körper Schutzkleidung. Neben einem Schutzanzug zwei Paar Handschuhe, eine FFP3-Maske, eine Brille und einen Sichtschutz. Darunter wird es ihm warm. Sehr warm. „Wenn du eine halbe Stunde intensiv behandelst, brauchst du danach eine Dusche“, sagt der 47-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden fünf und acht Jahre alten Kindern im Fuchstal lebt. Mit unserer Zeitung hat er über seine tägliche Arbeit gesprochen, die Sorge um seine Patienten, aber auch die Sorge um seine Familie.

So läuft die Beatmung von Covid-19-Patienten

Nach beruflichen Stationen in Bogenhausen und am Zentralklinikum in Augsburg ist Philipp Hartmann seit 2016 wieder zurück am Klinikum in Landsberg. Der Oberarzt ist dort als Anästhesist und Intensivmediziner tätig. Seit Beginn der Corona-Pandemie kümmert er sich auch um die Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen. Dabei unterscheiden die Mediziner zwischen invasiver und nicht invasiver Beatmung. Bei Letzterer seien die Patienten bei Bewusstsein und die Atmung werde durch eine Mund-Nasen-Maske unterstützt, was die Atemarbeit erleichtere und eine ausreichende Sauerstoffversorgung ermögliche, sagt Hartmann.

Wenn sich die Werte verschlechtern oder der Patient sich erschöpft, erfolge die Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre. Dafür sei dann eine Narkose erforderlich. „Wir drehen die Patienten oft auch auf den Bauch, damit alle Bereiche der Lunge besser beatmet werden können.“ Wichtig sei dabei auch die Arbeit des Pflegepersonals, das sich Tag und Nacht mit vollem Einsatz um die Patienten kümmere.

Das Klinikum Landsberg.
Foto: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Von allen Covid-19-Patienten hätten rund fünf Prozent schwere Verläufe, sagt der Mediziner. Rund drei Viertel davon seien männlich, zumindest im Klinikum in Landsberg. Mit so manchem Patienten kommt Philipp Hartmann viel ins Gespräch, über die Krankheit, Banales, aber auch Privates. „Wenn sich dann der Zustand verschlechtert, nimmt einen das schon mit“, sagt er. Er erzählt von einer Frau Anfang 40, die einen besonders schweren Verlauf hatte und deshalb in ein Universitätskrankenhaus verlegt werden musste. Solche Fälle beschäftigen ihn – auch noch zu Hause.

Der Landsberger Mediziner nimmt viele Eindrücke mit nach Hause

„Ich kann da nicht gleich abschalten“, sagt der 47-Jährige. Die Familie merke das. Bis zu seiner Impfung im Februar sei er auch aus einem anderen Grund mit einem schlechten Gefühl nach Hause gekommen. Die Sorge, die eigene Familie oder die über 80 Jahre alte Mutter mit dem Virus zu infizieren, sei immer da gewesen. Deswegen habe er sich strikt an die Corona-Regeln gehalten und private Kontakte reduziert. „Ich bin durch den Kontakt mit Covid-19-Patienten besonders infektionsgefährdet und wollte das Virus weder ins Klinikum hinein- noch herausbringen.“

Zur Ruhe kommen und abschalten kann Philipp Hartmann beim Joggen oder bei Ausflügen mit seiner Familie an freien Tagen. Doch die freien Tage seien seit dem Ausbruch der Pandemie seltener geworden. „Seit September hatte ich keinen Monat, in dem ich zwei Wochenenden frei hatte.“ Seit am Klinikum zwei Intensivstationen eingerichtet wurden, müssten mehr Dienste besetzt werden, natürlich auch am Wochenende. Eine 60- bis 80-Stunden-Woche im Klinikum sei normal.

Die zweite Welle hat das Klinikum härter getroffen als die erste

Mit der zweiten Welle im Herbst stieg auch die Zahl der Intensivpatienten am Landsberger Klinikum. Im Vergleich zum Frühjahr 2020 seien es deutlich mehr gewesen. Und es seien nicht nur betagte Personen. „Zwischen 40 und über 80 Jahre“ seien die Patienten. Zwischen zwei und sieben Schwerkranke müssten seit Ende Februar täglich behandelt werden. Für sie gebe es in Landsberg genügend Beatmungsgeräte. Für Philipp Hartmann auch ein Verdienst der Politik – auch wenn natürlich über die eine oder andere Maßnahme diskutiert werden könne. „Es ist bislang gelungen, das Gesundheitssystem zu schützen“, sagt er.

Und was macht ihm Hoffnung, dass die Pandemie aufgehalten werden kann? Der 47-Jährige setzt auf die Impfung. Zweifel und Skepsis begleiten Philipp Hartmann aber auch dabei. Denn die Virusmutationen könnten dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen, falls die jetzt verabreichten Impfstoffe nicht mehr gegen das Virus wirken sollten.

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