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Landsberg

30.11.2018

Klosterkirche: Der Stadtpfarrer reagiert auf die Pläne der Stadt

Landsbergs Stadtpfarrer Michael Zeitler kritisiert die Pläne der Stadt mit der Klosterkirche.
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Landsbergs Stadtpfarrer Michael Zeitler kritisiert die Pläne der Stadt mit der Klosterkirche.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Die Landsberger Klosterkirche soll zu einem Konzertsaal werden. Bei der Pfarrei Mariä Himmelfahrt stößt das auf Kritik. Derweil geht ein Bauträger auf Distanz zu einigen Künstlern.

Landsberg ist eine Stadt der Konzerte. Die geeigneten Hallen sind nicht immer dafür da, deshalb weichen Veranstalter auch auf andere Veranstaltungsorte aus. Rational spielt im eigenen Werk, Johannes Skudlik in der Kirche, und es gab zwei neue Ideen in Sachen Veranstaltungsraum: die Klosterkirche und der geplante Saal im Quartier am Papierbach. Gerade um die letzgenannten entbrennt nun eine lebhafte Diskussion. Stadtpfarrer Michael Zeitler und auch die Planer ehret+klein (Papierbach) nehmen dazu jetzt Stellung.

Lesen Sie dazu die Vorgeschichte: Das Klostereck kann warten, dafür wird die Kirche zum Konzertsaal

Zu den Plänen der Stadt, Schallschutzmaßnahmen an der Klosterkirche in Landsberg vorzunehmen, um sie besser für Konzerte nutzen zu können, sagt die Pfarreiengemeinschaft Mariä Himmelfahrt: „Sollte es sich dabei lediglich um eine vermehrte Nutzung als Konzertraum für rein geistliche Konzerte handeln, ist dagegen wenig einzuwenden.“ Die Presseerklärung, die auch im Aushang am Pfarramt hängt, ist von Stadtpfarrer Michael Zeitler, Kirchenpfleger Dr. Wolfgang Daum und der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Marianne Höfer unterschrieben. Dort steht: Die Sakralität des Raumes sollte gewahrt bleiben. „Uns, der katholischen Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, ist es ein großes Anliegen, dass die Klosterkirche auch weiterhin als Kirche genutzt werden kann. Das entspricht nicht nur der Intention der Erbauer, sondern auch dem Wunsch vieler Gläubigen, die sich tagtäglich zum stillen Gebet in die Klosterkirche zurückziehen.“

Finden bald wieder Gottesdienste statt?

Vor diesem Hintergrund sei es besonders erfreulich, dass die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in München angefragt habe, ob sie regelmäßig Gottesdienste in der Klosterkirche feiern dürfe. „Als katholische Pfarrgemeinde unterstützen wir dieses Anliegen ausdrücklich.“

Die Erlaubnis hierfür müsse letztlich die Stadt Landsberg erteilen, da sie Eigentümerin der Klosterkirche ist. Dritter Bürgermeister Axel Flörke habe die „relativ hohen Mieten“ für die Kirchen angesprochen. Dazu heißt es in der Mitteilung: „Wir vermieten unsere Kirchen generell nicht, sondern überlassen sie, wenn überhaupt, nur für die Dauer eines Konzertes zur Nutzung.“ Die Gebühren, die dafür verlangt werden, müssten die anfallenden Kosten (Mesner, Heizung, Licht, Strom, Reinigung, Abnutzung) decken. Dazu sei die Pfarreiengemeinschaft verpflichtet, da sie mit den anvertrauten öffentlichen Mitteln (Kirchensteuergeldern) verantwortungsvoll umgehen müsse. „Die Erlöse fließen ausschließlich in den Erhalt unserer wertvollen Kirchen.“ Daher seien auch alle Kirchengebäude, die sich im Besitz der Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt befinden, in außerordentlich gutem Zustand, was nicht zuletzt auch der großzügigen Unterstützung der Landsberger Bürger zu verdanken sei.

Die Pfarrei widerspricht dem Kulturbürgermeister

Der Feststellung Flörkes, in den katholischen Kirchen Landsbergs sei es kaum noch möglich, klassische Musik aufzuführen, treten Zeitler, Daum und Höfer entgegen. Zahlreiche Konzerte fänden über das Jahr in den Kirchen statt. So der Orgelsommer, die Konzerte des Polizeiorchesters, der Stadtkapelle, des Vokalensembles, das Silvesterkonzert und viele mehr. Dabei müsse jedoch mit Bedacht vorgegangen werden, „da unsere Kirchen in erster Linie Gottesdiensträume sind und nicht Konzertsäle“.

Ob am Papierbach ein Konzertsaal entsteht, wie es sich die Kulturschaffenden Wolfgang Hauck und Schleske (LT berichtete) wünschen, scheint fraglich. „Die Forderung nach einem Konzertsaal mit einer Höhe von 10,5 Metern ist keine allgemeine Ansicht der Kulturschaffenden, sondern ein Anliegen einer Gruppe von Kulturschaffenden, deren Vertreter Hauck und Schleske sind.“ ehret+klein unterstütze die Anliegen der Kulturschaffenden in Abstimmung mit der Stadt Landsberg. Ihre Aufgabe als Bauherr und Projektentwickler sei es, darauf hinzuweisen, dass es bei einer Erhöhung des Veranstaltungsraums erhebliche Bedenken zur Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit gebe. „Die bauliche und technische Umsetzung der Raumhöhe führt zu immensen zusätzlichen Kosten“, sagt Anke Witzel von ehret+klein. Sie fügt an, dass man, um die Maßnahme prüfen zu können – sie erfordere viele zusätzliche technische Einbauten – ein Konzept bräuchte. Man müsse sehen, welchen Bedarf es für eine dauerhafte kulturelle Auslastung des Raumes gebe. „Das ist mehrfach gegenüber Herrn Hauck angesprochen worden, liegt aber bislang nicht vor“, so Witzel.

Was die beiden Kulturschaffenden gefordert hatten, lesen Sie hier: Stadtsaal: Wird eine Riesenchance vergeigt?

Ein großer Konzertsaal könnte im Wohngebiet für Probleme sorgen

Weiterhin seien auch die Vorgaben des Lärmschutzes zu beachten, da sich der Kulturraum im Bereich einer Wohnnutzung befinde und aus der kulturellen Nutzung „kein relevanter Immissionsbeitrag in der Nachbarschaft hervorgehen darf“, so Witzel. Derzeit arbeite man an der Vorbereitung des Bauantrags für das Baufeld B1 (Veranstaltungsraum) und plane, das Projekt entsprechend der Vorgaben des Architekturwettbewerbs, des Bebauungsplans sowie den Vorgaben aus dem Städtebaulichen Vertrag umzusetzen. Witzel: „Dabei arbeiten wir partnerschaftlich und in enger Abstimmung mit den Kollegen der Stadtverwaltung.“ ehret+klein führe aber keine Verhandlungen mit Dritten. „Aus diesem Grund werden wir auch nicht an Gesprächen teilnehmen, an denen die Stadtverwaltung nicht teilnimmt.“

Der Kommentar zum Artikel: Konzertsäle: Deutliche Worte

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