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Krimi

09.12.2020

Kommissar Viertaler ermittelt online

Uschi und Klaus Pfaffeneder bei ihrer Online-Lesung.

Die Landsberger Autoren Uschi und Klaus Pfaffenender lesen aus ihrem neuen Buch. Die Zuhörer sind ihnen zugeschaltet. So spannend läuft die Lesung

Im April ist der Landsberg-Krimi „Täter, Opfer, Schuld“ des Autorenduos Uschi und Klaus Pfaffeneder erschienen. Mit einer Online-Lesung kurbelt das Landsberger Ehepaar den Verkauf seines Buches derzeit weiter an. Die virtuelle Lesung war eine von mehreren digitalen Werbeaktionen für den dritten Fall des pensionierten Kommissars Martin Viertaler um einen am Lumpigen Donnerstag in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt getöteten Pfarrer.

Das Besondere an dieser Premiere für die Veranstalter sei, dass Menschen zusammenkommen, die sich sonst nicht treffen würden, sagte Klaus Pfaffeneder. 31 Zuschauer weit über die Landkreisgrenzen hinaus waren via Zoom zugeschaltet, um die mit Musik, Diaschauen und dem Trailer für das Buch kurzweilig gestaltete Lesung zu genießen.

Durch die Videofunktion am Laptop konnte man sich den Autoren noch näher fühlen als bei einer analogen Lesung. Kurz vor Beginn waren die meisten Kameras noch frei geschaltet. Man bekam mit, wie jemand noch rasch ein Telefonat führte, sich Wein einschenkte, erhaschte einen Blick in fremde Wohn- und Arbeitszimmer – interessant und nur durch dieses Medium möglich. Und doch ähnlich der Stimmung kurz vor Beginn einer Veranstaltung, wenn die Gespräche der Umsitzenden vor sich hin plätschern. Während der Lesung waren nur Moderatorenkamera und -mikrofon aktiv, sodass die Aufmerksamkeit ganz der Erzählung und den beiden galt, die sie so sympathisch präsentierten und sich mit dem Lesen abwechselten.

Zum Plot: Der Staatsanwalt vermutet den Mörder von Pfarrer Cibulski in Mafiakreisen, die Kripo sucht die Ursache in den Ereignissen der letzten Kriegstage, als die Landsberger Außenlager des KZ Dachau geräumt wurden. Hier kommt der Ex-Ermittler Viertaler zum Zug, der seine Probleme mit Frauen, aber auch mit seinem Nachfolger hat. „In diesem Fall ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint“, sagt der Klappentext. Auch bei der Lesung kommt nicht mehr ans Licht. Zur virtuellen Diskussionsrunde im Chat leitete Klaus Pfaffeneder über mit den Worten: „Die Auflösung ist überraschend und wird nicht verraten.“

Nicht nur der Text hat engen Bezug zu Landsberg, auch die Lesung greift Stadtgeschichtliches auf, beispielsweise durch Fotos und Musik - unter anderem von Johnny Cash, der als GI drei Jahre am Lech stationiert war. Eine zentrale Rolle im Buch spielt Häftling B3419, ein polnischer Jude. Zu seiner Figur inspirierten die Pfaffeneders Elemente aus Lebensberichten von Überlebenden der KZ-Außenlager rund um die Lechstadt. Beide gehören dem Historischen Verein an, der Materialien wie diese sammelt und öffentlich zugänglich macht.

„Uns ging es darum, diese Geschichte möglichst unverfälscht zu erzählen, weil sie stellvertretend für viele Schicksale in und um Landsberg stand“, sagt Klaus Pfaffeneder, „vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Menschen mittlerweile den Holocaust bagatellisieren beziehungsweise der Meinung sind, dass mit dem Gedenken jetzt mal Schluss sein muss“. Hier liegt der „psychologische rote Faden“ des Krimis, wie Uschi Pfaffeneder erklärt: die transgenerationale Weitergabe, also die Übertragungen von Erfahrungen, auch von Schuld, an nachfolgende Generationen. Mit diesem Hinweis erklärte sich die Bedeutung der im Hintergrund auf einer Kommode aufgereihten Matroschkas, bunten, ineinander geschachtelten russischen Puppen, die während der Lesung stets zu sehen waren.

Uschi und Klaus Pfaffeneder, „Täter, Opfer, Schuld“. Erschienen im Liccaratur-Verlag, erhältlich in Buchhandlungen in der Region.

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