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Windach

08.02.2017

Konflikt ums Wasser der Windach bleibt ungelöst

Der Zufluss in den Oberwindacher Mühlbach ist schon länger dicht, sodass das gesamte Wasser im natürlichen Flusslauf der Windach bleibt. 

Fachmann kann die Zweifel nicht ausräumen. In den nächsten Monaten gibt es viel zu prüfen und zu untersuchen.

Vor viel Publikum ist am Dienstagabend im Windacher Gemeinderat wieder über das Windachwehr und den Mühlbach in Oberwindach verhandelt worden – dieses Mal auch mit dem zuständigen Abteilungs- und Projektleiter des Wasserwirtschaftsamts, Markus Brandtner. Zu einer Annäherung der Positionen kam es dabei nicht.

Brandtner erklärte zunächst noch einmal, warum das Wasserwirtschaftsamt nach dem Erwerb des Wasserrechts der Oberwindacher Mühle den Zufluss in den Mühlbach geschlossen hatte: Man wolle den Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes Rechnung tragen, die Windach ein stückweit durchgängiger für die Fische machen und ihren unbefriedigenden ökologischen Zustand verbessern. „Wir stehen da, und können nicht anders“, fasste Brandtner zusammen. Die eigentlichen Veränderungen werden dann aber erst folgen, wenn das Wehr zurückgebaut wird. Dies wird möglich sein, wenn voraussichtlich in einem Jahr ein Planfeststellungsverfahren eine entsprechende Erlaubnis erbracht haben wird. Momentan erstelle das Wasserwirtschaftsamt die Unterlagen für dieses Verfahren. In dessen Verlauf kann dann auch die Gemeinde ihre Einwände vorbringen.

Vor diesem Hintergrund wurde im Gemeinderat kritisiert, dass das Wasserwirtschaftsamt Fakten geschaffen habe, indem kein Wasser mehr in den Mühlbach geführt wird. Mit den Kauf des Wasserrechts habe sich die Behörde auch verpflichtet, sich um den Unterhalt der Wehranlage und des Mühlbachs zu kümmern, hieß es im Gremium. Hätte der Vorbesitzer des kaputten Wehrs den Zufluss einfach gekappt und weiter nichts gemacht, wäre sicher die Untere Naturschutzbehörde gekommen und hätte gefragt, „was macht ihr mit dem Biotop am Mühlbach?“, hakte beispielsweise Rudolf Frommknecht (Bilo) ein. „Wir sind zwar Inhaber des Wasserrechts, aber kein Zustandstörer“, erwiderte Brandtner auf diese Vorhaltung, und erklärte, sicher keine Zusage geben zu können, „das Wehr wieder aufzubauen und die Absicht zu haben, es in zwei oder drei Jahren wieder einzureißen“.

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Zuvor hatten mehrere Gemeinderatsmitglieder Brandtners Einlassungen zum ökologischen Zustand der Windach hinterfragt. Man solle nicht nur auf einige sogenannte „Zeigerarten“ schauen, meinte beispielsweise Dr. Christoph Köhl (Bilo), sondern auch auf andere Arten, zum Beispiel Flusskrebse: Diese, so seine Annahme, profitierten beispielsweise von einer Nichtdurchgängigkeit der Windach, da sie dadurch nicht mit Krankheiten in Berührung kämen. „Das müssen wir nachliefern“, sagte Brandtner allgemein zum Artenzustand des Flusses. Das wiederum bestärkte Bürgermeister Richard Michl (Freie Wähler) in seinen Zweifeln zu den Angaben des Amtes: „Einen Nachweis gibt es eigentlich nicht, und pauschale Aussagen halte ich für zu wenig.“ Dr. Adolf Gebhardt (Dorfgemeinschaft Windach) stellte denn auch einen Zusammenhang zwischen den Querbauwerken und einem schlechten Fischbestand infrage: „Als ich ein Schüler war, hatten wir einen Riesenfischbestand in der Windach.“

Christoph Köhl brachte erneut ins Gespräch, den Mühlbach zumindest phasenweise mit Wasser zu beschicken. Dafür seireiche die Wassermenge zu klein, erwiderte der Vertreter des Amts: „300 Liter pro Sekunde bei Niedrigwasser reichen gerade so aus, um für erträgliche Lebensverhältnisse in der Windach zu sorgen, aber nicht um auch den Mühlbach zu beschicken.“ Auch eine stärkere Absenkung des Windachspeichers würde nur für eine Woche wirksam sein.

Ansonsten, versicherte Brandtner, nehme das Wasserwirtschaftsamt die Bedenken der Gemeinde ernst. So werde auch der Wunsch, Wasser aus der Windach zu entnehmen, noch im Amt und von einem externen Gutachter geprüft. Auch die Sorge vor Setzungen, um die im vergangenen Jahr vom Mühlbach in die Windach umgesetzten Bachmuscheln, vor einer Grundwasserabsenkung und Auswirkungen auf die Wasserversorgung, wenn der Mühlbach auf Dauer trocken bleibt, und die Hochwassersicherheit würden untersucht. Zu letzterem Thema gab Brandtner bekannt, dass am Fußgängersteg bereits ein Behelfspegel gesetzt worden sei. Im Frühjahr werde zudem ein Monitoring zum Gewässerzustand starten.

All das wird nicht ganz billig zu haben sein: Brandtner sprach von Planungskosten von 100000 bis 150000 Euro. Das ist deutlich mehr als die 30000 Euro, die die Beseitigung des Wehrs schätzungsweise kosten dürfte. Die abschließende Frage von Bürgermeister Michl, ob solche Kosten in einem Verhältnis zur erwarteten ökologischen Verbesserung stünden, blieb unbeantwortet.

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