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Holzhausen

23.03.2020

Kritik an Autorin: Problematische Parolen im Zeichen des Friedens?

Die Autorin Helene Walterskirchen lebt auf Schloss Rudolfshausen im Iglinger Ortsteil Holzhausen.
Bild: Thomas Wunder

Plus Landsbergs Dritter Bürgermeister Axel Flörke setzt sich kritisch mit der Autorin Helene Walterskirchen aus Holzhausen auseinander. Er möchte die Autorin von Schulen fernhalten.

Helene Walterskirchen, deutsche Autorin und sozial engagiert, steht in der Kritik. Zumindest auf dem Facebook-Profil von Axel Flörke, der in Landsberg Kulturbürgermeister für die Landsberger Mitte ist. Flörke wirft der in Holzhausen bei Igling lebenden Buchautorin Walterskirchen in seinem Facebook-Beitrag „ein sehr problematisches Gedankengut“ vor. Ihre Schriften seien zwar nicht verboten, auch nicht rechtsradikal, aber zum Teil geschichtsverfälschend. Flörke meint damit insbesondere einen Text im „Kultur Magazin“ von Dezember 2019 von Walterskirchen.

Flörke: „Die Autorin schreibt sinngemäß, dass Asylbewerber von anderen Kulturen nach Deutschland geschickt werden, um die dortige Kultur zu vermischen“. Diese Aussage, so Flörke, sei einfach unwahr. Deshalb habe er Angst, dass Walterskirchen unter dem Deckmantel der Friedenskultur dieses Gedankengut auch in Schulen bringe. Walterskirchen hatte in Landsberg bereits zahlreiche Male Aktionen für den Frieden gestaltet.

Ein Artikel als Stein des Anstoßes

Stein des Anstoßes für Flörke: Walterskirchens Artikel zum Thema „Wie schwächt man beziehungsweise zerstört man eine bestehende Kultur?“ Walterskirchen: „Indem man den Menschen, die diese Kultur leben, einredet, es wäre eine schlechte Kultur, für die man sich schämen muss, die man am besten ablegt und durch eine Multikultur ersetzt. Und damit wir das schaffen können, werden uns zig Millionen Menschen fremder Kulturen ins Land geschickt, die unsere bestehende Kultur aufmischen und vermischen sollen. (...) Dann haben diejenigen, denen unsere deutsche Kultur schon lange ein Dorn im Auge ist, gesiegt.“

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Helene Walterskirchen
Bild: Thorsten Jordan

Viele Facebook-Nutzer verstanden bei Flörkes Posting anfangs nicht, ob das eine Kritik oder Zustimmung war. Flörke klärte auf: „Das Gedankengut, das seit Monaten von Schloss Rudolfshausen in Holzhausen bei Igling im Kulturmagazin unterschwellig verbreitet wird, macht mir Sorgen. Ich möchte mich dagegen wehren und dies hier öffentlich machen. Das ist alles.“ Mittlerweile hat Flörke seinen Facebook-Beitrag gelöscht. Die darin von ihm erhobenen Vorwürfe hat er aber gegenüber dem LT bestätigt.

Flörke hatte Helene Walterskirchen allerdings selbst noch bis 2017 mit zwei Veranstaltungen unterstützt. Über diese Ereignisse hatte auch das LT berichtet. 2016 präsentierte sie im Landsberger Rathausfestsaal eines ihrer Bücher. 2017 bei der Preisverleihung „Schüler malen für den Frieden“ unter Walterskirchens Regie hielt Axel Flörke sogar eine Rede.

In einem Text sei von der "entarteten Kunst" die Rede gewesen

Es gibt noch eine zweite Kritikerin: Die Kulturschaffende Sibylle Engels aus dem Landkreis Landsberg. Ihr war ein Text von Helene Walterskirchen auch auf der Homepage des Landkreises Landsberg zu den Kulturtagen aufgefallen. Engels: „Dort kam der nationalsozialistische Begriff der ,entarteten Kunst’ vor. Das Landratsamt hat diesen Artikel inzwischen von der Homepage genommen.“ Laut Engels interviewt Walterskirchen für ihr „Kultur Magazin“ Personen von öffentlichem Interesse, lässt sich mit ihnen fotografieren oder nimmt Gastbeiträge auf. Dazu zählen neben überregional prominenten Namen wie beispielsweise Gabriela von Habsburg und Dr. Thomas Goppel auch der Landsberger OB Mathias Neuner, Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl und – Axel Flörke. Engels bezeichnet das Vorgehen von Walterskirchen als „Face Fishing“. „Sie interviewt Menschen in öffentlichen Positionen, die Vertrauen genießen, lässt sich mit nichts ahnenden Personen des öffentlichen Lebens ablichten, und schafft sich so einen Vertrauenskredit, der nicht mehr hinterfragt wird.“

Sibylle Engels Appell an Menschen mit öffentlicher Verantwortung in unserer Region: „Augen offen halten und mehr Sensibilität dafür entwickeln, mit wem sie in Verbindung gebracht werden wollen. Sie haben aus meiner Sicht den Auftrag, mit einem deutlichen Nein dafür zu sorgen, dass antidemokratisches Denken nicht durch den Türspalt hereinspazieren kann.“

Aber welche Gesinnung hat nun Helene Walterskirchen? Seit 2011 lebt und arbeitet sie in Schloss Rudolfshausen in Holzhausen und ist mit dem Aufbau und der Ausdehnung des „Friedenskulturzentrums Schloss Rudolfshausen“ befasst. Im Jahre 2004 initiierte Helene Walterskirchen in München die Gründung des Bildungs- und Kulturvereins „AdmaCUM – Zentrum zur Förderung der globalen Lebens-, Gesellschafts- und Geisteskultur“ Der Verein hat heute seinen Sitz in Schloss Rudolfshausen. Er fördert verschiedene Kulturprojekte im Bereich Lebens- und Gesellschaftskultur.

Was die Autorin zu den Vorwürfen sagt

Helene Walterskirchen sagt wenig zu den Vorwürfen („Jeder kann sich in meinem ,Kultur Magazin’ selbst ein Bild von meinen Texten machen“) und über Axel Flörke. „Wie man sich doch in Menschen täuschen kann. Ich dachte immer, er wäre ein Freund. Aber wenn es um die Zuordnung von links oder rechts geht, scheinen Freundschaften keine Rolle mehr zu spielen. Schade. Ich setze mich für eine hochwertige Kultur der goldenen Mitte ein.“ Was das heißt? Ein Auszug: „Gleichermaßen verhält es sich mit rechts und links, einem großen Zankapfel in unserer heutigen Gesellschaft, in der das politische Linkssein favorisiert wird und als gut gilt, das Rechtssein dagegen bekämpft und als böse oder schlecht bezeichnet wird. Dabei vergessen wir, dass es ohne ,Links’ kein ,Rechts’ gäbe und umgekehrt. Wenn wir alle links wären, würden wir nie wissen, was es bedeutet rechts zu sein. Wenn wir alle ,nur links’ oder ,nur rechts’ wären, gäbe es kein Spannungsfeld und auch keine Lernmöglichkeiten. Diejenigen, die heute links sind, können lernen, was rechts ist, und umgekehrt. Nur indem es in unserer Gesellschaft rechts und links gibt, können wir den jeweils anderen Pol erleben, Erfahrungen sammeln und daraus lernen.“

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Kritik an Walterskirchen: Das ist auch eine Frage des Stils

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