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Oberdießen

12.10.2019

Künstlerfamilie Malura: In idyllischem Haus das Erbe des Vaters verwalten

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3 Bilder
Elke und Andrew Malura vom Malura Museum in Oberdießen.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Plus Elke und Andrew Malura kümmern sich um das Werk Oswald Maluras in Oberdießen und haben ein kleines Museum aufgebaut. Schon das kleine Haus ist ein Juwel. Das LT hat die Familie besucht.

Kunst und Idylle. Das bieten die Maluras in Oberdießen. Im Tal eine ehemalige Mühle, die zu Museum und Galerie wurde, auf einer Anhöhe ein früheres Atelier, das zum Wohnhaus mutierte: Elke und Andrew Malura verwalten in Oberdießen ein Erbe, das einerseits Zeit und Kosten verursacht, andererseits aber auch viel Freude bereitet. So arbeiten sich die Beiden gerade, immer wenn es die Zeit zulässt, durch den umfangreichen Nachlass von Andrews Vater Oswald, um ein Werksverzeichnis zu erstellen.

In früheren Jahren ein echter Künstlertreffpunkt

Dabei entdecken sie, wie sie übereinstimmend berichten, immer wieder neue künstlerische Seiten des Malers. Das Ehepaar Malura lebt seit einigen Jahren in dem kleinen Ort im Lechrain, der vor einigen Jahrzehnten bereits durch Andrews Vater Oswald zu einem Künstlertreffpunkt wurde und nach wie vor ist. Dass Andrew einmal in Südbayern landen würde, war nicht vorgezeichnet.

Ein Hilferuf brachte Malura nach Oberdießen

Der 1952 geborene Sohn des Malers und einer Ungarin wuchs bei seiner Mutter in den Vereinigten Staaten auf. Er lernte Hotelfach und arbeitete unter anderem zehn Jahre lang in einem bestbewerteten und mehrfach preisdekorierten Hotel in Utah. „In dem Haus in einem schönen Skigebiet haben viele berühmte Leute gewohnt“, erinnert sich Andrew zurück an eine zwar anstrengende, aber sehr schöne Zeit. Die abrupt endete, als ein Hilferuf aus Deutschland kam: Vater Oswald war erkrankt. „Mit 45 Jahren bin ich nach Deutschland, um meinen Vater zu pflegen.“ Das war 1997, Oswald Malura war mittlerweile 90 Jahre alt. Er lebte in einem Haus in München-Schwabing, war stadtbekannt. Maler, Schriftsteller, Musiker gingen bei ihm ein und aus. Maluras Wohnung war ein angesagter Treffpunkt. In München war Andrews Zeit ausgefüllt mit Pflege des Vaters und Sicherung des Erbes. Das war nicht nur das Haus in München, sondern auch Atelier und Museum in Oberdießen. Beides hatte Oswald Malura eigenhändig gebaut beziehungsweise saniert. Das Atelier war Ende der 1950er Jahre entstanden, das alte Bauernhaus kaufte Malura 1977 und baute es um. Beides konnte gerettet und in Oswald Maluras Sinn für die Nachwelt erhalten werden.

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Die Ehefrau ist ein echter Glücksfall

Das war im Mai 2003, „ein paar Wochen später ist mein Vater gestorben“. 2001 hatte der Malersohn Elke kennen gelernt, witzigerweise im Haus seines Vaters in München. Die 1962 in Rheinfelden geborene Schwarzwälderin war über eine Bekannte dorthin gekommen. „Elke war ein Glücksfall“, meint Andrew schmunzelnd. Warum, das erklärt die so Gelobte gleich selbst. Sie habe schon immer eine besondere Affinität zu Kunst gehabt. „Ich bin bereits als Kind gern in Museen gegangen.“ Für gewöhnlich lassen Kinder bei solchen Unternehmungen eher die Mundwinkel hängen. Nicht so Elke, sie entwickelte vielmehr mit den Jahren eine immer stärker werdende Leidenschaft für Kunst, Literatur, Geschichte. Elke und Andrew wurden ein Paar und lebten zunächst in München. 2003 also erbten sie Museum und Atelier in Oberdießen. „Was macht man mit einem Museum“, habe sie sich gefragt, erinnert sich die 57-jährige an die Zeit vor 16 Jahren. Nach ersten Besuchen habe sie gespürt, dass das Museum etwas Besonderes ist, dass das Haus Ausstrahlung hat. „Die Bilder von Oswald Malura gefielen mir, seine Lebensphilosophie fand ich toll. Durch das Museum zu streifen, war wie eine Entdeckungsreise“, schwärmt Elke Malura.

Oswald Maluras Lebenswerk musste weiter geführt werden, das war dem Ehepaar schnell klar. Ist die Rede von dem Maler, kommen beide ins Schwärmen. Voller Bewunderung erzählen sie von den Unternehmungen des in Oberschlesien geborenen Landwirtssohn, der seine Träume verwirklichte. Oswald Malura habe nicht nur sein Kunststudium durchgesetzt, sondern auch ferne Länder bereist. „Er war Weltenbürger, ein visionärer global player in einer Zeit, als es es das eigentlich noch gar nicht gab.“

Der Maler Malura ist überall präsent

Im Gespräch mit dem Ehepaar wird deutlich, wie sehr Oswald Malura doch immer und überall präsent ist.

Warum das Museum besonders ist, auch das erläutert Elke Malura. „Wenn ich zum Beispiel in die Pinakothek gehe, habe ich eine gewisse Erwartung an das, was dort geboten wird. In Oberdießen gibt es diese Erwartung nicht, weil es ein kleines Museum ist.“ Elke und Andrew Malura übernahmen also das Museum und organisierten gleich 2003 eine erste Sonderausstellung. Drei oder auch mal vier pro Jahr sollten es werden, aktuell kann die 68. Sonderschau besichtigt werden. Diese Schauen sind eine Fortführung des Lebenswerks von Oswald Malura. Der Maler habe immer wieder Künstler in der Stadt und auf dem Land entdeckt und gefördert, weiß das Paar.

Begleitend zur Übernahme des Museums und der ersten Schau wurde die „Oswald Malura Kunststiftung“ gegründet. Sie sollte dem Erhalt des Lebenswerks des Malers dienen. Der 2007 initiierte und installierte „Freundeskreis Malura Museum.“ unterstützt nicht nur dabei finanziell und ideell. Mithilfe engagierter Mitglieder können in den Räumen, umgeben von Malerei und Skulpturen, zusätzlich zu den Ausstellungen auch Lesungen, Konzerte, künstlerische Workshops stattfinden. Auch damit ist der Erhalt des Museums gesichert. Die Wohnung in München-Schwabing gaben Elke und Andrew Malura auf, „weil sich Entscheidungen um das Museum gedreht haben“.

So wurden die Wochenenden fast grundsätzlich in Oberdießen verbracht. Diese Pendeleien sind vorbei, seit 2012 lebt das Paar in Oberdießen, im zum Wohnhaus umgebauten Atelier. Beneidenswert: Das Haus ist umgeben von Wiesen, im Hintergrund ist Wald, nach vorn kann der Blick über das weite Urstromtal des Lechs schweifen bis hin zur Alpenkette. Unverbaubarer Gebirgsblick, ein Reh, das ohne Scheu in der Nähe grast, Romantik pur.

Selbst der Weg, ein buckliger, steiniger, passt in dieses Bild. „Typisch Malura“, sagt Elke lächelnd dazu, „der Maler hatte stets ein gutes Gespür für besondere Plätze.“

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