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Landsberg

29.09.2020

Kultur: Was die Jahresausstellung des RBK in Landsberg bietet

„L.U.S.T.“ – so lautet der Titel des dreiteiligen Werks von Eva Mähl (oben). Bei der Jahresausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler in der Landsberger Säulenhalle sind nicht nur Gemälde, sondern auch plastische Werke zu sehen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Was bei der Jahresausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler in Landsberg zu sehen ist, ist spannend. Aber nicht alles hält dem kritischen Blick so stand, wie es sollte.

Weder Corona noch ein ausgesprochen garstiges Herbstwetter konnten die große Resonanz verhindern, auf die die Eröffnung der 32. Jahresausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern-West (RBK) in der Landsberger Säulenhalle traf. Ein klarer Beweis auch dafür, wie sehr nicht nur die Landsberger ihr gewohntes und geschätztes Kulturangebot in den zurückliegenden Monaten vermisst haben und teilweise immer noch vermissen.

Einiges ist anders als sonst und anfangs teils auch irritierend, nicht zuletzt die Wegeführung durch die Ausstellung, die mit roten Pfeilen am Fußboden markiert ist, um ein direktes Zusammentreffen zu vermeiden. Letztendlich stellt sie sich dann aber als ein angenehmer roter Faden durch die Säulenhalle heraus, dem man gerne folgt.

Dieser Ring stammt von Otto Scherer und ist Bestandteil der Jahresausstellung des RBK in der Landsberger Säulenhalle.
Bild: Julian Leitenstorfer

Denn aus dem kulturellen Leben der Lechstadt ist der RBK nicht mehr wegzudenken und man kann den Künstlern gar nicht genug danken, dass sie es auch in diesen Zeiten geschafft haben, eine Jahresausstellung auf die Beine zu stellen. Insgesamt haben sich 41 Künstler mit neuen Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Bildhauerei an der Ausstellung beteiligt, darunter zwei Neuzugänge: die in Inning arbeitende Leila Morgenstern und der Landsberger Fotograf Peter Wilson. Dabei begeistert vor allem die in Teheran (Iran) geborene Morgenstern mit ihrer Arbeit „Beweglich“, einer Studie in Acryl auf Leinwand, der es gelingt, mit wenigen Pinselstrichen nicht nur sprühende Vitalität und Rhythmus, sondern auch Intimität und Verbundenheit überzeugend und anrührend festzuhalten. Wie Arabesken fließen die weißen Linien organisch und selbstverständlich über den beinahe monochromen Hintergrund und kumulieren in einem Augenblick größtmöglicher Intensität.

Diesmal sind 41 Künstler dabei

Ähnlich monochrom das Bild „Unverwüstlich“ der Grafinger Künstlerin Gitte Berner-Lietzau. Mit Asche, lösungsmittelfreiem Bitumen, Acryl, Kohle und Leinöl auf Leinwand spürt die Malerin dem alten, „unverwüstlichen“ Korb ihres Vaters als Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart nach und lässt ihn im Bild neu erstehen. Auch hier scheint die große Konzentration auf ihren Gegenstand auf, die dem Alltagsgerät dadurch eine eigene, große Würde verleiht.

Fast symbolistisch mutet dagegen „Die Ernte“ von Fred-Jürgen Rogner in pigmentierter Tinte auf Leinwand an, eine Arbeit als Enigma, die dem Betrachter zwar die Deutungshoheit überlässt, ihn dabei aber über allerlei raffiniert komponierte und rätselhafte Irrwege führt.

Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Vieles mehr ist bei der Jahresausstellung des RBK in Landsberg zu sehen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Marlen Peix überrascht mit ihrer Fotografie „Traumpfade“, einer mit der Camera obscura aufgenommenen Ansicht des Schlosses Starnberg, die auf Acrylglas gedruckt und in fünf Platten hintereinandergestellt eine erstaunliche räumliche Tiefendimension erschafft und gleichzeitig ein ebenso reichhaltiges wie oszillierendes Farbspektrum aufblättert. Im Bereich der Bildhauerei fällt vor allem der „Herrscher, erstaunt (alea iacta sunt)“ von Bert Praxenthaler ins Auge, eine in der Tradition der Reliquienbehälter geschaffene Büste, deren aufklappbares Gesicht nicht zuletzt aufgrund der realitätsnahen Wiedergabe an anatomische Modelle erinnert. Die aus einem Lindenholzstamm aus Schondorf gefertigten Skulptur knüpft dabei an die letzten Arbeiten des Bildhauers an, die um die Themen Verborgenheit, Zufall und Geworfenheit kreisen.

Die Ausstellung geht noch bis 11. Oktober

Das und noch einiges mehr an zeitgenössischer Kunst gibt es also zu entdecken, doch nicht alles hält diesmal dem kritischen Blick stand. Nach den in jeder Hinsicht anstrengenden vergangenen Monaten mag das verzeihlich sein, für das nächste Jahr wünscht man sich dennoch ein strengeres Auge für die Auswahl der zu präsentierenden Werke.

Zu sehen sind die neuen Arbeiten der Künstler des RBK bis zum 11. Oktober jeweils von Dienstag bis Freitag von 16 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 20 Uhr.

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