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Kultur
16.09.2019

Wenn der Papa in Japan ist, muss der Sohn ran

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Der Ellinor Holland Kunstpreis 2019 geht an Christoph Hartmann. Der Oboist begründete die Landsberger Sommermusiken, die 20 Jahre lang für Hörgenuss sorgten. Bei der Kunstpreisgala tritt er per Videobotschaft auf

Ein proppenvolles Landsberger Stadttheater, ein unheimlich vielseitiges Programm und ein Preisträger im fernen Japan: Die zehnte Verleihung des Ellinor Holland Kunstpreises des Landsberger Tagblatts sorgte im Rahmen der Langen Kunstnacht in Landsberg für neue Maßstäbe. Christoph Hartmann darf sich in die Riege illustrer Preisträger einreihen. Sie alle waren gekommen, um bei diesem besonderen Abend mit Kunstpreisgala zugunsten der Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, im Stadttheater dabei zu sein. Hartmann selbst grüßte die Besucher per Videobotschaft aus dem fernen Japan. Dort befindet sich der Oboist, der für sein Engagement für die Landsberger Sommermusiken ausgezeichnet wurde, derzeit auf Konzertreise. Deshalb durfte sein 14-jähriger Sohn Franz den Preis entgegennehmen, den Gerd Horseling, der stellvertretende Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, überreichte.

„Würdest du für die Oboe dein letztes Hemd geben?“ „Na klar! Wenn ich eine Oboe habe, dann brauche ich doch kein Hemd.“ Christoph Hartmann machte im auf Großleinwand gezeigten Trailer keinen Hehl daraus, welch tiefe Verbindung er zu diesem Instrument hat. Der 54-Jährige grinste in dem kurzen Film wie ein verliebter junger Mann, der über seine Freundin spricht.

Kein Wunder: Seit seinem 13. Lebensjahr spielt er Oboe. Doch zunächst war er Klavierschüler bei Gertraud Moratscheck, der späteren Leiterin der Städtischen Sing- und Musikschule. „Eines Tages überraschte er seine Eltern damit, dass seine Klavierlehrerin gemeint habe, er solle doch Oboe lernen“, berichtete Gerd Horseling in seiner Laudatio. Das Instrument erwies sich als Glücksgriff und wurde seine Leidenschaft. „Der junge Hartmann lernte sehr schnell, war ein Jahr später bereits Jungstudent bei Georg Fischer in Augsburg.“ Nach dem Abitur 1984 setzte er seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater München bei Günther Passin fort, schloss mit dem Meisterklassendiplom in den Fächern Oboe und Kammermusik ab. Seine Engagements führten Hartmann zu den Stuttgarter Philharmonikern und 1992 zu den Berliner Philharmonikern. Er ist seit damals auch als Lehrer an deren Orchester-Akademie tätig.

1999 hatte er die Idee, ein Festival auszurichten. „Die Familie wurde in die Überlegungen mit eingebunden und die ’Landsberger Sommermusiken’ nahmen Gestalt an“, so Horseling. Ohne seine Familie wäre das Festival nicht so erfolgreich geworden. Die Eltern Elke und Gerhard, Schwester Carmen, Schwager Arne und Nichte Hannah – alle halfen stets mit. So kamen jedes Jahr prominente Musiker an den Lech und traten ohne Gage auf. Sie alle wurden in familiären Unterkünften im Kloster der Dominikanerinnen untergebracht. Da der Festsaal im Historischen Rathaus dem Besucheransturm nicht gewachsen war, stellte Vater Gerhard die Aula der Berufsschule, deren Direktor er damals war, als Konzertsaal zur Verfügung. Außerdem wurde ein Förderverein gegründet, dem schnell über 250 Mitglieder angehörten. Es gab aber auch gemeinsame Produktionen mit dem Ballett- und Tanzstudio Beatrix Klein.

Rund 100 Musikerkollegen von Christoph Hartmann sind in 20 Jahren Sommermusiken bis zum Jahr 2018 in Landsberg aufgetreten. „Und allen hat es gefallen. Grund dafür sei das passende Umfeld gewesen, mit Lagerfeuern und Grillabenden im Klostergarten, Paella und Pizza in der Schulküche und auch beim Schauen von Fußball-Weltmeisterschaften“, hieß es in der Laudatio weiter.

Wie sehr sich Hartmann über den Ellinor Holland Kunstpreis – benannt ist die Auszeichnung nach der verstorbenen Verlegerin der Augsburger Allgemeinen – freute, wurde in seiner kurzen Videobotschaft aus dem fernen Japan deutlich. „Ich freue mich sehr, stellvertretend für alle Freunde, Besucher und meine Familie, diesen Preis entgegenzunehmen. Es war eine besondere Freude für mich, dieses Festival in Landsberg zu spielen. Auf Wiedersehen – Sayonara.“ Christoph Hartmann schickte adäquaten Ersatz zur Preisverleihung – sein 14-jähriger Sohn Franz, der ebenfalls Oboe spielt, trat gemeinsam mit einem Streichquintett auf. Dabei handelte es sich um erfahrene Musikerkollegen von Christoph Hartmann.

Gespielt wurde D. Cimarosa. Und Hartmann jun., der später sehr aufgeregt den Preis von Gerd Horseling entgegennahm, lieferte eine famose Vorstellung ab. In Reihen der international erfolgreichen Streichkünstler spielte er einen tollen Oboenpart.

Was ansonsten bei der Kunstpreisgala in Foyer und Stadttheater sowie bei der Langen Kunstnacht in Landsberg geboten war, lesen Sie auf folgenden"Seiten 17, 26, 34

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