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Landsberg

26.06.2017

Kultur und Leben in einem Gebäude

Im Erdgeschoss findet das kulturelle, öffentliche Leben statt. Eine eigene Gemütlichkeit strahlt in dem künftig Kultur- und Wohnbau am Europaplatz vor allem der im oberen Geschoß gelegene Innenhof mit Wohnungen, die integrierte Arbeitsräume oder gar Ateliers für Personen der Kreativwirtschaft haben.
Bild: Grafik: ehret & kleine

Urbanes Leben am Papierbach: Berliner Entwurf bewahrt die Geschichte der Pflugfabrik in einem Wohnkomplex und wird gleichzeitig kulturell genutzt. Ein Stadtsaal für 400 Personen ist geplant

In der Wettbewerbsserie für das neue Wohnquartier Urbanes Leben am Papierbach ist zwar erst Halbzeit, doch kam dem siebten Baufeld von Anfang an eine besondere Rolle zu: Das Gebäude, das die Bereiche Kultur und Wohnen zusammenbringen soll, wird an exponierter Stelle direkt am großen Europaplatz entstehen und soll gleichzeitig an die industrielle Vergangenheit des Quartiers (ehemalige Pflugfabrik) und damit der Stadt Landsberg erinnern. Der Wettbewerbssieger kommt aus Berlin.

Der Vorteil der Hauptstädter: Sie schafften es wie kein anderer der Teilnehmer, lokale und historische Elemente in ihren Entwurf zu integrieren. Dabei waren die Anforderungen nicht ohne. So sollten die Nutzungen Wohnen und Kultur in Einklang gebracht werden, das Gebäude in seiner Anmutung Erinnerungsmerkmal aufweisen, die den Wandel des Areals von seiner industriellen Prägung zum modernen Wohnquartier thematisch aufnimmt.

Michael Gebhard, Vorsitzender der Jury, berichtete von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Berlinern und dem zweiten Preis. Auch dessen Entwurf sei stimmig, allerdings habe der ein sehr anspruchsvolles Gebäude für ein ebenso anspruchsvolles Wohnklientel geplant. Ob das gut für Landsberg wäre? Die Jury meinte eher nicht. Auch wenn der Siegerentwurf optisch nicht an ein großes Kulturzentrum erinnert, sei das Haus doch aus der Geschichte Landsbergs heraus entwickelt. Franziska Ebeler, Teamleiterin des Projekts, erklärt den Entwicklungsprozess. „Wichtig war uns die Reminiszenz an die alte Schmid-Halle mit ihren Scheddächern“ – die sich in dem neuen Gebäude ebenso wiederfindet wie die Anordnung der Einzelgebäude, die im Schnittprofil auch die gegenüberliegende Altstadtsilhouette mit ihren vielen kleinen Häusern aufnimmt.

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„Das hat uns allen von Anfang an sehr gut gefallen“, berichtet auch Oberbürgermeister Mathias Neuner. Dieses Bauwerk könne in dieser Art mit diesen Reminiszenzen nirgendwo anders als in Landsberg und an diesem Platz stehen. „Woanders funktioniert das nicht.“ Für die Stadt Landsberg sei der Bau ein großer Gewinn, „denn so bekommen wir auch einen Stadtsaal für rund 400 Personen.“ Landsberg, so der OB, werde das Recht eingeräumt, Räumlichkeiten an 30 Tagen im Jahr zu nutzen. Daher ist er sich sicher, dass dieses Gebäude von der Stadtgesellschaft akzeptiert werde.

Beim Großteil der Kulturschaffenden hat das Projekt jetzt schon einen Stein im Brett. Wolfgang Hauck, der als sachverständiger Berater der Jury mit seinen Kollegen bereits im Vorfeld des Wettbewerbs eine Bedarfsermittlung aus Sicht der Kulturschaffenden erstellt hatte: „Auch das Raumprogramm wurde somit zu einer ganz persönlichen Landsberger Lösung.“ Es wird Räume für Workshops geben, die auch für Tagungen genutzt werden können, eine Cafeteria, einen Bereich für Dauerausstellungen und auch ein Foyer, dass auch nach außen zum Lechbogen hin öffnen lässt. Für Hauck ist der Siegerentwurf auf alle Fälle „Ein 6er im Lotto“.

Wenn auch die einfach wirkende Fassade aus fugenlosem Sichtbeton und Stahl etwas kühl wirken mag – übrigens einer der wenigen Kritikpunkte der Jury am Siegerentwurf mit der Aufforderung um Nachbesserung, um den Kreativcharakter des Gebäudes und dessen kulturelle Nutzungsmöglichkeiten erkennbarer zu machen – wird dadurch die Anleihe an die Industriearchitektur deutlich. Staab Architekten nahmen auch als einzige Teilnehmer die gezahnten Traufkanten der früheren Pöttinger-Hallen auf.

Die Jury sieht jedenfalls in dem Entwurf eine „gekonnte Verknüpfung“ der Funktionen Kultur und Wohnen sowie eine „symbolische Übersetzung der lokalen Kreativszene“ – und bei alledem das Potenzial für einen florierenden Ort der Begegnung.

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