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Landsberg

06.11.2019

Kulturschaffende in Landsberg sehen das Stadtmuseum in Gefahr

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Bleibt das Stadtmuseum im ehemaligen Jesuitengymnasium oder macht ein Ortswechsel Sinn? Darüber wird momentan in Landsberg lebhaft diskutiert. 
Bild: Thorsten Jordan

Plus Das LT hat mit Vertretern der Landsberger Kulturszene gesprochen: Sollte die Landesausstellung platzen und der Standort im Jesuitenviertel aufgegeben werden, steht für viele die Existenz des Museums an sich infrage.

Wo geht die Reise beim Landsberger Stadtmuseum hin? Im Stadtrat und im Ältestenrat wurde zuletzt kontrovers diskutiert, ob das Museumsgebäude überhaupt wie geplant bis 2024 saniert werden kann und ob es nicht besser wäre, das Museum vom Jesuitenviertel an einen zentraleren Ort zu verlegen. In der Landsberger Kulturszene sorgt die neu aufgeflammte (Standort-)Debatte, die am Mittwoch, 13. November, im Stadtrat fortgesetzt werden wird, für Kritik.

Edmund Epple („MusikBuchHandlung discy“) sagt: „Die Standortfrage jetzt wieder aufzumachen, halte ich für falsch.“ Die Aussage, die Stadtverwaltung wäre personell nicht in der Lage, eine Sanierung und Neugestaltung des Museums und seiner Dauerausstellung bis Anfang 2024 hinzukriegen, hält er für ein „vorgeschobenes Argument“: „Es ist genug Zeit gewesen, das vorzubereiten.“ Die Neueröffnung zu verschieben „heißt definitiv, dass der Sankt-Nimmerleins-Tag nicht mehr weit ist“.

Wird der Wert nicht erkannt?

Der frühere Leiter der städtischen Museen, Hartfrid Neunzert, kritisiert, etliche Stadträte erkannten den Wert des Museums und seines Gebäudes nicht. Ein Museum gehöre aber wie ein Theater zu einer Stadt. Was derzeit ablaufe, sei „noch schlimmer, als das, was ich selber erlebt habe“, sagt Neunzert, der von 1985 bis 2008 für die Museen verantwortlich war. Auch er warnt vor einer Standortdebatte: „Dann sägt man generell am Museum.“

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Neunzert spricht über das Museum auffällig oft im Konjunktiv: „Diese Stadt könnte ein Juwel haben, wenn sie mit einem Museum ausgestattet wäre, das dieser Stadt adäquat ist“, sagt er beispielsweise. Bezweifelt er, dass der Stadtrat wieder ein Stadtmuseum haben möchte? „Ich fürchte, dass die Sache in die Hose geht“, sagt Neunzert. Fatal wäre auch, wenn die Landesausstellung „Räuber und Banditen“ 2024 abgesagt werden würde, denn gerade mit einer solchen überörtlichen Schau „hätten wir die Chance gehabt, das Museum augenblicklich wieder bekanntzumachen“. Neunzert hebt auch die städtebauliche Bedeutung des bisherigen Museumsgebäudes hervor.

Ein Gebäude, das eine besondere Wirkung entfaltet

Ähnlich argumentiert Neunzerts Nachfolgerin Sonia Fischer: „Das Stadtmuseum ist in einem der repräsentativsten Gebäude der Stadt untergebracht: Ein Solitär mit Fernwirkung, der über der Stadt auf dem Leitenberg thront und von hier aus in den Stadtraum hineinwirkt.“

Unsere Lebenswelt prägten Austausch, Interaktion, Netzwerke und Verflechtungen auch über Grenzen hinweg, erklärt Fischer weiter: „Welches Gebäude wäre geeigneter als das Jesuitengymnasium, unser reiches und komplexes europäisches Erbe zu erzählen? Ein Ort, an dem nicht nur christlichen Traditionen und humanistisches Gedankengut gelehrt, sondern von dem aus weltweite Vernetzungen gespannt wurden, weil der Jesuitenorden im 17. und 18. Jahrhundert die Topwissenschaftler Europas ausbildeten.“ Landsberg besitze mit Ignaz Kögler eine Persönlichkeit, die als eine der wichtigsten China-Missionare in der neuen Dauerausstellung gewürdigt werde. Damit sei das ehemalige Jesuitengymnasium der richtige Ort, den Bildungsauftrag des Museums zu stärken und relevante Themen zeitgemäß auszustellen. Im Übrigen sei ihr Konzept auf die Räume im bisherigen Museum zugeschnitten: „Für einen anderen Standort müssten wir noch einmal ganz von vorne anfangen“, macht Fischer klar.

Was wichtiger als der Standort ist

Kurt Tykwer (Filmforum) will den Standort nicht so hoch hängen: Entscheidend für den Erfolg sei, was in den Museumsräumen stattfinde. Ganz entscheidend sei dabei auch die geplante Landesausstellung.

Und wie sehen Landsberger und Besucher der Stadt die Museumsdebatte? Siegfried Schaeufl sieht das Museum im Jesuitenviertel genau an der richtigen Stelle. So würden Landsberg-Besucher auch in die Alte Bergstraße und zur schönsten Kirche der Stadt (der Heilig-Kreuz-Kirche) geführt. Dort hinaufzugehen sei ein schöner Spaziergang, meint auch Irmi Müller, die am Hofgraben geboren wurde, und mal wieder zu Besuch in ihrer Heimatstadt ist. Allerdings: Es gibt auch viele Landsberger und Besucher, bei denen die Museumfrage nicht so präsent ist: Gerlinde und Franz Spanfelner aus Moosburg sind zu einem Tagesausflug nach Landsberg gekommen. In Museen gingen sie „ganz, ganz selten“, sagt Franz Spanfelner. Das erste Ziel in Landsberg sei die Teufelsküche gewesen.

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