1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. LT-Ausflugstipp: Der Jexhof ist mehr als ein Bauernhofmuseum

Landsberg

05.09.2018

LT-Ausflugstipp: Der Jexhof ist mehr als ein Bauernhofmuseum

leit76257235672334_002.jpg
4 Bilder
Das Bauernhofmuseum Jexhof bei Schöngeising lockt seit mittlerweile fast drei Jahrzehnten Besucher an.
Bild: Julian Leitenstorfer

Auf dem Jexhof bei Schöngeising sind Geschichte und Landwirtschaft spürbar. Das Erlebnis-Museum bietet viele Attraktionen und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Ausflugsziele in unserem Landkreis gehen langsam aus? Bei der Planung von Tages- oder Halbtagestrips lohnen Blicke über die Landkreisgrenzen hinaus. Egal welche Himmelsrichtung, das bequem und schnell zu erreichende Angebot ist reichlich. Eines dieser Ziele ist das Bauernhofmuseum Jexhof im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Beim Start in Landsberg geht es zunächst auf die A96 in Richtung München bis zur Ausfahrt Inning und von dort weiter auf der Nebenstrecke. Der Geräuschpegel der Autobahn ist noch in den Ohren, da wird es ab Etterschlag schon richtig bäuerlich. Etwa eineinhalb Kilometer nach dem kleinen Ort Mauern zeigt ein Wegweiser nach rechts zum Jexhof. Noch ein sanfter Hügel überwunden, dann öffnet sich eine von Wald umrahmte, leichte Senke, in der paradiesische Ruhe herrscht. Mittendrin in dieser Idylle: der zum Bauernhofmuseum umgewidmete Jexhof, eine Einrichtung des Landkreises Fürstenfeldbruck.

Seit 1987 ist der ehemalige Hof ein Museum

Die erste urkundliche Erwähnung des Anwesens stammt aus dem Jahr 1433. Der Hof war bis 1980 bewohnt, zuletzt nur noch von der Dienstmagd Resi Geiger, die 50 Jahre lang für die Familie Riedl, Hofeigentümer ohne direkte Nachkommen, gearbeitet hatte. 1983 bereits hatte sich ein Förderverein gegründet, der sich um den Erhalt der Hofanlage bemühte. Mit Erfolg: Der Landkreis Fürstenfeldbruck pachtete das Anwesen und einen Teil der umgebenden Ländereien und übernahm die Trägerschaft.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

1987 konnte dann das Bauernhofmuseum Jexhof eröffnet werden. Und seither ist viel passiert. Dank kontinuierlicher finanzieller Unterstützung durch den Kreistag konnte Vorhandenes saniert und Neues mit Fingerspitzengefühl dazu geschaffen werden. Museumsleiter ist seit über zehn Jahren der Historiker Dr. Reinhard Jakob. Spannend sei, sagt Jakob im Gespräch mit dem LT, wie es weitergeht in der Landwirtschaft. Besucher des Jexhof sollen deshalb einerseits die Idylle genießen, aber mit wechselnden Ausstellungen zum Nachdenken angeregt werden. „Wir wollen Dinge wie die faire Milch benennen“, so Dr. Jakob, „und wirkliche Traditionen pflegen.“ Die jährlich 20.000 bis 25.000 Besucher, Tendenz steigend, kommen vor allem aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Einzugsbereich des Museums reicht aber auch nach München und Augsburg.

Die Besitzer hatten einen gewissen Wohlstand

Am Jexhof mit den beiden Schienen „Bauernhof“ und „Natur“ finden die Besucher als Dauerausstellung eine gut gepflegte Hofstelle und ein Wohnhaus mit hervorragend erhaltener Innenausstattung vor. Ein Teil des Kuhstalls wurde wieder zum Rossstall, so wie er 1776 zusammen mit dem Wohnhaus entstand.

Wer das Haus betritt, wird überrascht sein von der Größe der Räume sowie deren gediegener und gut erhaltener, rund 100 Jahre alter Ausstattung. Schränke mit Schnitzereien, Geschirr, großer Kachelofen – das alles zeugt von einer gewissen Wohlhabenheit. Sogar eine Strickmaschine war beziehungsweise ist vorhanden. Daneben: ein riesiger Spucknapf für ausgelutschten Kautabak.

Sehr groß ist das Elternschlafzimmer im oberen Stock. Dort standen nicht einfach Nachttöpfe unter dem Bett, die Familie hatte bereits einen richtigen Stuhl für die Notdurft. Knecht und Magd hingegen hatten es weniger gut. Doch während der Knecht seine Kammer über dem Stall und es damit im Winter nicht ganz so kalt hatte, lag die Magd, umgeben von teilweise einfachen Bretteraußenwänden in ihrer Kate.

Auf dem Jexhof sollen noch mehr bedrohte Tierarten leben

Der große Stadel soll wieder als Aufbewahrungsort für Heu und Stroh hergerichtet werden. „Kinder sollen Heuhupfen dürfen“, ist es Jakobs Wunsch. Ebenfalls Plan ist, mehr Tiere, vor allem gefährdete Rassen, auf den Hof zu bringen. „Augsburger Hühner“ gibt es bereits und „Waldschafe“ ziehen über das etwa einen Hektar große Museumsgelände. Der Leiter denkt aber auch an Bienen, Ziegen, Schweine. Beim „Arche-Markt“ zum Erntedankfest Ende September werden regelmäßig vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen gezeigt.

Weitere bereits umgesetzte oder noch anstehende Projekte sind Walderlebnispfad, Klangweg und als Vision die Erweiterung des Bauernhofmuseums um ein naturhistorisches Zentrum.

Die Kinder lernen, wie die Nahrung früher produziert wurde

In einem großen Teil des ehemaligen Kuhstalls befindet sich eine historisch eingerichtete Wirtsstube. Gäste werden von einem Wirtsehepaar rundum versorgt, bei gutem Wetter auch draußen. Im oberen Stockwerk gibt es Platz für wechselnde Sonderausstellungen. Dr. Jakob liegt daran, die Jugend verstärkt anzulocken und zu sensibilisieren. Noch bis zum 4. November läuft daher die Sonderschau „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er“. 19 Zeitzeugen aus dem Brucker Land schildern, wie sie den Geist dieser Zeit erlebt haben.

Und das ist längst nicht alles: An die 4000 Kinder üben sich laut Jakob jedes Jahr unter anderem in Bauernarbeit von früher. Sie waschen, buttern, melken von Hand und merken dabei, wie mühsam doch alles war. „Nicht zuletzt lernen sie dadurch, wo unser Essen herkommt.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren