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Landsberg

26.03.2020

LT-Interview vor der OB-Wahl: So gehen Neuner und Baumgartl ins Stechen

Nach der Wahl am 15. März haben sich Doris Baumgartl (UBV) und Mathias Neuner (CSU) vor der Stadtverwaltung fotografieren lassen. Am Sonntag, 29. März, entscheidet sich in einer Stichwahl, wer Oberbürgermeister wird.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am Sonntag entscheiden die Landsberger, ob der Amtsinhaber Oberbürgermeister bleibt oder ob seine bisherige Stellvertreterin den Chefsessel übernimmt. Das große LT-Interview vor der Stichwahl – mit einer Überraschung.

Darf Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) in Landsberg weiterregieren? Oder rückt seine bisherige Stellvertreterin Doris Baumgartl (UBV) auf? Am Sonntag treten die beiden in der Stichwahl um das höchste politische Amt in der Großen Kreisstadt an. Eigentlich wollte das Landsberger Tagblatt im Vorfeld der Stichwahl eine öffentliche Veranstaltung mit beiden Kandidaten durchführen. Jedoch machte die Corona-Krise diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen haben wir Neuner und Baumgartl um ein Video-Interview gebeten und einige Fragen gestellt. Hier geht's zum Video und zu den wichtigsten Antworten.

Herr Neuner, Sie sind seit acht Jahren Oberbürgermeister. Was gefällt Ihnen an Ihrem Amt so, was ist Ihre Motivation weiterzumachen?

Neuner: Die wesentliche Aufgabe eines Bürgermeisters ist es, Menschen zusammenzuführen. Das ist das, was auch wirklich Spaß macht. Zusammenzuführen, gemeinsam zu gestalten – das sind die Dinge, die wir in der Verwaltung umsetzen. Da haben wir ein Topteam, das hervorragend läuft. Aber auch die wichtigen Beschlüsse im Stadtrat, die wichtigen Dinge auf den Weg zu bringen, da ist es mir auch gelungen – da bin ich ein bisschen stolz darauf –, die wichtigen Entscheidungen einstimmig auf den Weg zu bringen. Mit Bürgern und Unternehmen ins Gespräch zu kommen, aufzugreifen, zu unterstützen und zu sehen, wie viel Begeisterung da da ist. Wenn man das mitbekommt, ist das eine tolle Aufgabe.

LT-Interview vor der OB-Wahl: So gehen Neuner und Baumgartl ins Stechen

Frau Baumgartl, was ist Ihre Motivation, jetzt Oberbürgermeisterin zu werden?

Baumgartl: Schon als Zweite Bürgermeisterin konnte ich ganz wesentliche Aspekte setzen. Im Moment stehen wir an einer Kreuzung, wo wir uns entscheiden müssen, welche Richtung wir einschlagen. Wir stehen vor großen Herausforderungen – heute mehr denn je. Ein „weiter so“ wird nicht funktionieren. Wir sind immer davon ausgegangen, dass es uns gut geht und wir einen hohen Lebensstandard haben. Wir sehen aber auch, dass das nicht selbstverständlich ist und es sich innerhalb kürzester Zeit ändern kann. Wir müssen jetzt schon strategisch überlegen, wie wir uns aufstellen. Da sind Transparenz, gemeinsames Handeln, Solidarität und ganz klare Prioritäten gefragt. Ich will gemeinsam mit den Bürgern das Beste für Landsberg umsetzen.

Doris Baumgartl am Hauptplatz in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Was war Ihr zentrales Thema im Wahlkampf vor Corona?

Baumgartl: Ganz klar: bezahlbares Wohnen. Ich bin keine Prophetin, aber Realistin. Und diese Frage ist heute noch mal brennender, als sie eh schon war. Wir haben seit 2016 keine neuen Sozialwohnungen gebaut. Die Grundstückspreise haben sich in dieser Zeit verdoppelt. Wir brauchen sehr schnell eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, endlich innovative Wohnbauprojekte und keine weiteren spekulativen Investoren auf dem Landsberger Markt. Daneben muss das Einheimischenmodell unbedingt ausgeweitet werden. Wirtschaft und Soziales sind ganz eng miteinander verzahnt. Unsere Berufswelt wird sich wohl grundlegend ändern. Damit bekommen Schulen und Kinderbetreuung noch mehr Bedeutung. Das war mein wichtigstes Thema vor Corona und wird es erst recht bleiben. Das Leben in Landsberg muss unbedingt bezahlbar bleiben.

Mathias Neuner (CSU) ist seit acht Jahren Oberbürgermeister in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Was war Ihr wichtigstes Thema, Herr Neuner?

Neuner: Die Schaffung von Wohnraum war mir ein Herzensanliegen. Erst mal Ausweisung von Bauland, damit wir überhaupt die Möglichkeit haben, Wohnraum zu schaffen. Wir werden auch als Stadt in den sozialen Wohnungsbau einsteigen. Verkehr war ein Megathema. Reduzierung, Schaffung von attraktiven Alternativen, der Ausbau des ÖPNV. Und wer weiß – derzeit sitzen wir alle im Homeoffice. Vielleicht etabliert sich das etwas mehr und reduziert den Verkehr. Der Ausbau des Kultur- und Sportangebotes. Ein Megathema war der Lechsteg. Einige haben gesagt, du musst dich distanzieren, das kostet dich die Wahl. Nein, ich distanziere mich nicht, weil er ein wichtiges Strukturprojekt ist. Wir haben es im Stadtrat mehrfach einstimmig beschlossen, auch wenn sich der eine oder andere nicht mehr daran erinnern kann. Dass ein Lechsteg Landsberg für die nächsten Jahrzehnte neu gestalten wird, ist wichtiger, als dass ich Oberbürgermeister bleibe.

Corona bedeutet für uns alle eine drastische Krise. Was raten Sie den Menschen, das zu überstehen – wirtschaftlich und seelisch – und wie gehen Sie privat damit um?

Baumgartl: Im Grunde das, was sich in jeder Krise bewährt hat: Ruhe zu bewahren, sich vernünftig zu verhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Wirtschaftlich gesehen ist es wichtig, die umfangreichen Soforthilfen in Anspruch zu nehmen, um schlimmste Härten abzufedern. Im Privaten raten Experten, dem Tag eine Struktur zu geben, sich zu bewegen, weiterhin soziale Kontakte zu pflegen – sei es telefonisch oder via Internet. Das gilt ganz besonders für unsere älteren Mitbürger. Die gelebte christliche Gemeinschaft unserer Kirchen ist hier ein ganz besonderer Halt. In meiner Familie zählen diese Werte auch. Was uns besonders Kraft gibt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Landsberg allerorts zu sehen und zu spüren ist.

Neuner: Am Donnerstag vor der Wahl habe ich alle Sachgebiets- und Referatsleiter auf den Notfall eingestimmt. Am Montag nach der Wahl hat Söder den Katastrophenfall ausgerufen, da war mir klar: Wahlkampf fällt aus. Ich wurde gebraucht und war da. Wir haben als erste Maßnahme Hotlines eingerichtet, für Bürger und für Unternehmen. Wir haben zwei Internetportale zusammengestellt: „Landsberg hält zusammen“ für alle Unternehmen, sodass man online bestellen kann und die heimische Wirtschaft weiterarbeiten kann. Und „Landsberg hilft“. Meine Familie und ich haben uns komplett zurückgezogen. Wir verbringen jetzt sehr viel Zeit miteinander und das ist auch sehr wertvoll.

Mathias Neuner (CSU) ist seit 2012 im Amt. Der 53-Jährige ist Bauingenieur und war vor seinem Einstieg in die Kommunalpolitik selbstständig. Neuner und seine Frau Renate haben drei Kinder. Doris Baumgartl (UBV) ist seit 2014 Stadträtin und seitdem Zweite Bürgermeisterin. Die Diplom-Verwaltungswirtin (Jahrgang 1962) hat mit ihrem Mann Hans-Joachim zwei erwachsene Kinder.

Hier geht's zum Video-Interview:

Am Sonntag, 29. März, ist Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt in Landsberg: Im Rennen sind Amtsinhaber Mathias Neuner (CSU) und Doris Baumgartl (UBV). Dominic Wimmer, der stellvertretende Redaktionsleiter des LT, hat beide zum Videointerview gebeten.
Video: Dominic Wimmer
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