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Landkreis Landsberg

21.02.2021

Landkreis Landsberg: Die Sonne lockt – und was ist mit den Corona-Regeln?

Nach den Winterwochen ist der Peter-Dörfler-Weg in Landsberg wieder belebt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am Wochenende gibt es einen Vorgeschmack auf den Frühling. Das nutzen im Landkreis Landsberg viele, um Sonne zu tanken. Die geltenden Corona-Regeln werden dabei allerdings leicht vergessen. Die Polizei stößt offenbar an Grenzen.

Es ist das erste frühlingshafte Wochenende nach einem kalten und harten Winter – hart auch wegen der Corona-Beschränkungen. Temperaturen von 15 Grad und mehr locken im Landkreis viele ins Freie – und lassen so manchen die immer noch geltenden Corona-Regeln vergessen. Das war an diesem Wochenende das Thema Nummer eins. Bei der Polizei häufen sich Beschwerden über Maskenmuffel – doch die stößt offenbar an ihre Grenzen.

Samstagnachmittag am Peter-Dörfler-Weg in Landsberg: An der Lechmauer drängen sich die Leute. Familien, Pärchen und Gruppen flanieren auf dem sonnenbeschienenen Weg, angelockt auch von den Drinks to go – und von der Eisdiele Cortina, die zum ersten Mal in diesem Jahr wieder geöffnet hat. Doreen Proske aus Landsberg hat mit ihrer Bekannten einen Platz an der Lechmauer gefunden – und dort Eis und Cappuccino genossen. „Wir gehen jetzt aber wieder“, sagt Proske, so ganz wohl fühle sie sich inzwischen nicht mehr. Tatsächlich ist es schwierig, den Abstand immer einzuhalten, und trotz Maskengebot in der Innenstadt sieht man immer wieder Personen, die ihre Mund-Nasen-Bedeckung lieber in der Hand tragen.

Bei der Polizei steht das Telefon nicht mehr still

Bei der Polizei stand am Sonntag das Telefon nicht mehr still, berichtete ein Sprecher auf Nachfrage, weil sich Anrufer über Verstöße gegen die Maskenpflicht beschwerten. Nach eigenen Beobachtungen gehe er davon aus, dass 40 Prozent der Passanten keinen Mund-Nasen-Schutz trugen. Solche Verstöße könnten aber allein wegen ihrer hohen Zahl nicht mehr verfolgt werden. „Wenn ich einen ohne Maske aufhalte, laufen fünf andere hinter mir ohne Maske vorbei“, schilderte der Beamte die Situation, der weiter davon sprach, dass die Polizei „locker 200 bis 300 Anzeigen schreiben könnte“. Er erinnerte auch daran, dass es nach dem Infektionsschutzgesetz weiter eines triftigen Grundes bedürfe, das Haus zu verlassen. Sich in die Sonne zu setzen, sei kein solcher Grund. Aber auch das zu überwachen, sei kaum möglich. Anrufern, die sich beschweren und sich um ihre Gesundheit sorgen, rate die Polizei, belebte Plätze zu meiden.

Maggie (9) und Quirin (7) Wind aus Landsberg lassen sich beim Cortina in Landsberg ein Eis schmecken.
Bild: Thorsten Jordan

„Es ist schade, dass viele die Maskenpflicht ignorieren“, sagt auch Christian Wind, der sich mit seiner Familie das erste Eis in diesem Jahr geholt hat. Geduldig standen sie in der Schlange – und haben sich dann erst mal ein ruhiges Plätzchen gesucht. „Lieber verläuft das Eis ein bisschen“, sagt seine Frau Sandra. Nachdem sie erfahren hatten, dass die Eisdielen aufgemacht haben, „mussten wir uns das erste Eis holen“.

Lieber ein Ausflug nach Landsberg als in die Berge

Etwas weniger los ist auf dem Hauptplatz, dort hat Mr. Gelato geöffnet. Eine lange Schlange hat sich gebildet, alle warten geduldig, bis sie dran sind. Wie Tiberius aus München: „Wir wollten nicht in die Berge oder die Münchner Innenstadt, weil da sicher viel los ist“, sagt er. Auf der Landkarte sei Landsberg bei der Suche nach einem Ausflugsziel aufgetaucht und dieser erste Besuch werde nicht sein letzter sein, sagt er. „Wir haben viele schöne Plätzchen entdeckt.“

Milde Temperaturen locken die Menschen ins Freie: Peter und Marion Schuhmann auf Fürstenfeldbruck unternahmen einen Ausflug nach Dießen.
Bild: Thorsten Jordan

Die gibt es auch am Ammersee: „Eigentlich wollten wir ja ans Meer, aber das geht ja nicht“, sagt Marion Schuhmann aus Fürstenfeldbruck mit einem Schmunzeln. Sie ist mit ihrem Mann Peter nach Dießen gekommen. Im Sommer würden sie oft hierher einen Ausflug machen – und das herrliche Frühlingswetter müsse man nutzen. Sorgen wegen Corona machen sie sich nicht. Tatsächlich verteilen sich die Sonnenhungrigen auf der weitläufigen Anlage zwischen der Rialtobrücke und dem Seeufer. „Wir wollen noch zum Vogelbeobachtungsturm“, sagt Marion Schuhmann, „wenn da mehr Menschen unterwegs sind, haben wir unsere Masken dabei und setzen sie auf.“

Vor einer Woche Glühwein, jetzt Eis

Maskenpflicht herrscht auch im Riederauer Strandbad, wenn man sich dort ein Eis kaufen möchte. Valeria Bianco holt sich und ihren Kindern Luke (3) und Noah (6) ein Eis, während der Papa bei den Rädern wartet. Die Dießenerin unternimmt mit ihrer Familie oft einen Ausflug zum Strandbad. „Am vergangenen Wochenende haben wir uns noch einen Glühwein gekauft, heute unser erstes Eis“, sagt sie. Die Sonne lockt auch Bernd Schilp zum Strandbad: Der Riederauer ist mit vier Hunden unterwegs. „Mal sehen, wie weit wir kommen, man trifft immer wieder jemand und unterhält sich dann – natürlich mit Abstand.“

Im Summerpark in Utting waren viele Ausflügler und Spaziergänger unterwegs.
Bild: Thorsten Jordan

Der ist am Seeufer in Utting teilweise nur schwer einzuhalten: Der Kiosk von „Lenas am See“ zieht viele Besucher an. Auf den Wegen herrscht reger Betrieb, manche machen es sich auf Decken in der Wiese gemütlich – und die Bänke sind alle dicht besetzt. Für eine besondere Stimmung sorgt ein Musiker, der seine Gitarre ausgepackt hat. Eigentlich der perfekte Frühlingstag – der vieles vergessen lässt, manche aber auch die Corona-Pandemie und die eigentlich nötigen Vorsichtsmaßnahmen.

Eine Stadträtin vermisst Kontrollen und berichtet von vielen Verstößen

Nach ihren Erlebnissen am Wochenende in Landsberg hat am Sonntagnachmittag Stadträtin Petra Kohler-Ettner (CSU) an Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) geschrieben. Kohler-Ettner schildert dabei, sie habe um 14.45 Uhr 83 Personen von Karolinenbrücke bis Höhe Sparkasse gezählt, welche keine Masken trugen. In der Ludwigstraße habe sie 17 Personen angesprochen und sie freundlich darauf hingewiesen, dass hier Maskenpflicht bestehe.

Kohler-Ettner verweist auch darauf, dass sich auch nicht alle Gastronomiebetriebe an die geltenden To Go-Regeln halten. Sie habe gesehen, wie "an einem sehr frequentierten Platz in der Innenstadt Aperol in Gläsern verkauft und Kaffee in Tassen ausgeschenkt" werde. Die Kommunalpolitikerin beklagt, dass nicht kontrolliert werde. Dem Einzelhandel und der Gastronomie drohe eine wirtschaftliche Katastrophe, wenn die Inzidenzwerte nicht sinken.

Die FDP fordert Öffnungen für Gaststätten und Einzelhandel

Der Landsberger FDP regt unterdessen die zeitnahe Öffnung des Einzelhandels sowie der Außengastronomie an. FDP-Stadtrat Tom Bohn wird dazu in einer Mitteilung seiner Partei zitiert: „Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum die seit drei Monaten geltenden Hygienemaßnahmen in den Supermärkten nicht auch in anderen Ladengeschäften gelten können. Die FFP2-Maske hat sich wie auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Distanzregelung ganz offensichtlich bewährt.“

Ebenfalls plädiert die FDP für eine zeitnahe Öffnung der Distanzsportarten. Sport sei nicht nur Vergnügen, sondern auch gut für die Gesundheit.

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