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Landkreis Landsberg

08.04.2021

Landkreis Landsberg: Eltern kritisieren Testpflicht an Schulen

Ab Montag gibt es die Corona-Testpflicht an den Schulen in Bayern. Darauf richtet man sich auch im Landkreis Landsberg ein.
Foto: dpa

Plus Am Montag beginnt wieder die Schule. Gegen die Corona-Tests vor der ersten Stunde regt sich bei den Eltern großer Widerstand. Auch stellt sich die Frage, wie auf ein positives Ergebnis reagiert wird.

Am Montag geht es für die Schüler im Landkreis Landsberg nach den Osterferien wieder los. Wer in die Schule darf, darüber entscheidet der Corona-Inzidenzwert vom Freitag. Sicher ist aber: Wer in den Unterricht geht, muss zwingend zweimal pro Woche einen Corona-Test im Unterricht machen oder ein negatives Testergebnis vorweisen. Das hat das bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen. Und das sorgt nicht nur bei den Schulen für viel Arbeit – auch viele Eltern gehen auf die Barrikaden: Ihrer Meinung nach ist es viel sinnvoller, wenn die Tests zu Hause durchgeführt werden, und das aus mehreren Gründen.

So hatten sich die Elternbeiräte der Landkreis-Gymnasien schon zu Ferienbeginn mit einem Schreiben ans Kultusministerium gewandt (LT berichtete). „Aus Gründen der Infektionseindämmung sei es viel sinnvoller, positiv getestete Schüler gar nicht erst in die Schule zu bringen“, heißt es da. Außerdem sei der Test ein „psychisch sehr belastendes Erlebnis.“ Daniela Hollrotter, Vorsitzende des Elternbeirats am Landsberger Dominikus-Zimmermann-Gymnasium, verweist darauf, dass bei einem positiven Ergebnis immer Fragen wie „hast du dich nicht an die Regeln gehalten?“, und Ähnliches kommen könne. Für Kinder seien das sehr einschneidende Erlebnisse. „Man hat uns jetzt monatelang zugetraut, den Ersatzlehrer zu machen, da kann man uns auch zutrauen, den Test richtig durchzuführen.“

Die psychische Belastung beim Corona-Test sei unangebracht

Norman Ruf, Vater von zwei Grundschülern und Elternbeirat an der Grundschule Finning/Hofstetten, hält die psychische Belastung für die Kinder bei den Tests ebenfalls für unangebracht. Und diese Belastung steigere sich noch, wenn das Testergebnis positiv ausfalle und das Kind bis zur Abholung von der Klasse isoliert sei. Er und ihm bekannte Eltern seien nicht gegen die Tests, sondern die Art der Durchführung – und eben auch die Folgen. „Es muss daheim getestet werden“, fordert Ruf.

Im gesamten Landkreis wurden nach Angaben des Landratsamts bislan 64.000 Tests an die Schulen ausgegeben. Weitere sollen folgen.
Foto: Julian Leitenstorfer

Neben der Betreuung der positiv getesteten Kinder an der Schule gibt es aber auch das Problem: Wie kommen sie wieder nach Hause? Die Landsberger Schulamtsdirektorin Brigitte Sulzenbacher sagt, die Schule verfüge über die Telefonnummern der Eltern, um diese informieren zu können. „Es kommt ja auch vor, dass einem Kind schlecht wird oder dass es Fieber bekommt.“ In der Regel hätten die berufstätigen Eltern einen Abholdienst organisiert. In Absprache mit den Eltern könnte das Kind auch nach Hause geschickt werden. Das bedeute aber auch, dass der betroffene Schüler mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren würde. „Mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen“, hält es Sulzenbacher für vertretbar. „Ein positiver Test bedeutet ja nicht, dass der Betreffende auch Covid-19 hat.“

So weit will es Herbert Woerlein, Leiter der Johann-Winklhofer-Realschule in Landsberg, auf keinen Fall kommen lassen. „Wenn es nicht anders geht, würden wir das Kind mit dem Taxi nach Hause bringen.“ Das würde Woerlein aus der eigenen Tasche bezahlen. Ansonsten warte man, bis die Eltern das Kind holen könnten. „Alleine nach Hause lasse ich keines“, so der Schulleiter.

Die Kinder müssen nach einem positiven Test betreut werden

Und an der Schule habe man zum Glück mit Ann-Katrin Urbanek eine Sozialpädagogin, die sich um die betroffenen Kinder kümmern würde, bis diese abgeholt werden. Denn natürlich sei es wichtig, die Kinder in dieser Situation nicht allein zu lassen, und das unabhängig vom Alter, so Woerlein.

Eigentlich hatte der Schulleiter den Test am Montag gestaffelt durchführen wollen – schließlich erwartet er rund 500 Schüler. Doch das sei nun nicht möglich: „Der Test muss um 8 Uhr stattfinden“, waren seine neuesten Informationen. In Absprache mit dem Elternbeirat habe man bereits entschieden, dass – unabhängig von der Inzidenz – ausschließlich Wechselunterricht stattfinden wird.

Am Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg stapeln sich die Schnelltests, die Lehrerin Corinna Hackenberg präsentiert.
Foto: Julian Leitenstorfer

Vor Ostern hatte es an der JWR – wie berichtet – einige Corona-Fälle gegeben. Inzwischen, so Woerlein, stehe fest, dass „ungefähr ein Prozent der Schüler positiv gewesen sind“ (von 977). Auch bei den Lehrern habe sich die Zahl im deutlich einstelligen Bereich angesiedelt. Die Quarantäne aller sei bereits beendet, allerdings lägen noch nicht alle Testergebnisse an der Schule vor, so Woerlein.

Auch am Ignaz-Kögler-Gymnasium bereitet man sich auf die Tests am Montag vor und wartet noch auf letzte Anweisungen aus dem Kultusministerium. „Es braucht natürlich viel Fingerspitzengefühl, wie man einem Kind einen positiven Test vermittelt“, sagt Schulleiterin Ursula Triller. Die Durchführung der Tests selbst sieht sie weniger problematisch: Es habe eine Videoschulung gegeben und auch vom Malteser Hilfsdienst gebe es ein Angebot für eine Einweisung. Wegen der Tests zu Beginn des Schultags werde auf jeden Fall die erste Stunde stark verkürzt. Auch für den Fall eines positiven Ergebnisses sieht sie die Schule gerüstet: Die Betreuung des Kindes sei das Wichtigste und auch die Aufarbeitung in der Klasse.

Im Landkreis sind 64.000 Tests ausgegeben

Welche Schüler wann wieder in die Schule gehen können, ist genau geregelt. Corona-Schnelltests seien genügend vorhanden, teilte Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamts, mit. 64.000 seien schon ausgeliefert worden, weitere folgen. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert vom Freitag entscheidet, wer in die Schule gehen darf. Wird der Wert von 100 überschritten, so gilt für die vierten Klassen, die Jahrgangsstufe elf der Gymnasien und Fachoberschulen sowie in Abschlussklassen Präsenzunterricht, sofern der Mindestabstand eingehalten werden kann. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 gilt für alle Klassen Wechsel- bzw. Präsenzunterricht mit Mindestabstand von 1,5 Metern. Liegt der Wert unter 50, findet in voller Präsenzunterricht (ohne Mindestabstand) statt.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Corona-Tests an den Landsberger Schulen machen Sinn

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