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Landkreis Landsberg

15.05.2019

Landkreis Landsberg: Wenn Schüler ihr Gemüse selbst anpflanzen

In Kaufering säten Montessori-Schüler unter anderem Gelbe Rüben an. 
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In Kaufering säten Montessori-Schüler unter anderem Gelbe Rüben an. 
Bild: Guido Frommholz

In Fuchstal und Kaufering haben Schüler Salat, Gelbe Rüben und Kohlrabi angepflanzt. Unterstützt werden sie dabei vom Verein GemüseAckerdemie. Was hinter dem Projekt steckt.

Ein eigener Gemüseacker ist die neueste Errungenschaft an der Fuchstaler Mittelschule und der Montessorischule in Kaufering. Das Schulprojekt ist Teil der Aktion GemüseAckerdemie, die es mittlerweile auch an 440 weiteren Schulen in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz gibt. Das LT hat die Mädchen und Buben bei ihrer Arbeit auf dem Feld besucht.

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Mittlerweile hat an dem etwa 150 Quadratmeter großen Feld neben der Tennisanlage zwischen Asch und Leeder die erste Pflanzaktion stattgefunden. Unter Anleitung des Fuchstaler „Ackercoachs“ Saskia Welter und drei Mitarbeiterinnen des Vereins setzten 20 Sechstklässler und zehn Kinder aus der Kindertagesstätte unter anderem Salat, Kohlrabi und Rote Bete. Es wurden Kartoffeln und Zwiebeln gesteckt sowie Radieschen angesät. Trotz des nasskalten Wetters zeigten die kleinen Gärtner keine Scheu, mit den Händen in der kalten Erde zu graben oder darauf zu knien. Der vielen unbekannte Fenchel wurde jedoch erst dann gepflanzt, nachdem Welter versichert hatte, den könne man auch wirklich essen.

Für Kinder in der Stadt entwickelt

Die Biologin aus Biberach, die sich in der Elternzeit befindet, ist froh, in Fuchstal und an drei weiteren Schulen etwas von ihrem Fachwissen anbringen zu können. In den vier Jahren, in denen sie an der „Ackerdemie“ mitarbeitet, habe sie erlebt, welchen großen Anklang es bei den Kindern findet, sich gärtnerisch zu betätigen. Für die Mädchen und Buben in der Stadt, für die das Konzept entwickelt wurde, sei es vielfach das erste Mal. Bestimmte Gemüse werden von ihnen nur deshalb gegessen, weil man es selbst angebaut hat. Verwertet wird das Geerntete in der Schulküche oder im Hauswirtschaftsunterricht.

Landkreis Landsberg: Wenn Schüler ihr Gemüse selbst anpflanzen

Für sie war es wichtig alle Kinder vom Vorschulalter bis zum Jugendlichen mit ins Boot zu holen, erzählt Rektorin Eva-Maria Klein. Dabei geht es ihr nicht nur den Kontakt mit der Natur zu erfahren, sondern ebenso schätzen zu lernen, wie viel Mühe es kostet, bis ein Pflänzchen heranwächst. Für dieses Schuljahr haben die beiden zuständigen Lehrerinnen Ursula Hoehne und Regina John geplant, möglichst viele Klassen wochenweise mit einzubeziehen, ab September könnte es eine eigene Arbeitsgemeinschaft für interessierte Schulkinder geben.

Auch Blumen angesät

Bei Erfolg gebe es auch noch Erweiterungsmöglichkeiten, so Klein. Parallel zum Acker wurde auch eine 100 Quadratmeter große Wiese mit bienenfreundlichen Blumen angesät. „Ich sehe das auch als Bereicherung für den naturwissenschaftlichen Unterricht“, sagt die Rektorin. In Fuchstal hat die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Dunja Layouni vor, mit den einzelnen Klasse über gesundes Essen zu sprechen und auch zu kochen. Für Carola Neseker, die Leiterin der Kindertagesstätte, unterstützt das Ackerprojekt die Kooperation zwischen den beiden Bildungseinrichtungen. Schön sei es gewesen das Miteinander mit den „großen“ Schulkindern zu erleben, die Kleinen hätten von ihnen abgeschaut und gesehen, was es zu tun gibt. Gepflanzt wird wieder Ende Mai, dann kommen Tomaten und Gurken auf den Acker.

Motiviert und mit guter Laune

Ausgerüstet mit Harken, Rübenhacken, Schuffel, Pflanzkellen, einer Vielzahl von Samen und Pflänzchen und vor allem einer großen Portion Motivation und guter Laune bepflanzen 20 Schüler, zwei Lehrer und vier Mitarbeiter der GemüseAckerdemie einen rund 100 Quadratmeter großen Acker an der Montessorischule in Kaufering, wie Guido Frommholz von der Geschäftsführung der Schule berichtet. Zu diesem neuen Projekt sei es durch den Erdkinderplan der Schule gekommen. Nach Maria Montessori sollen Jugendliche in der Pubertät selber Arbeiten des praktischen Lebens verrichten und eigene Erfahrungen sammeln – allerdings nicht zuhause bei den Eltern, sondern gemeinsam mit anderen Jugendlichen.

Als Lehrerin Gabriella Karaghiosoff-Schietinger das Angebot der GemüseAckerdemie entdeckte, sei sie gleich begeistert gewesen. Die Schule suchte eine Ackerfläche, die nun als pädagogischer Lernort genutzt werde. Die GemüseAckerdemie unterstütze bei der Organisation, helfe bei der Vermarktung des Gemüses zur Teilfinanzierung und gestalte das Thema für die Kinder positiv und attraktiv. Außerdem biete sie Fortbildungen für die Lehrer, wöchentliche Acker-Infos sowie eine Onlineplattform.

Regenwurm in der Hand

Die Kinder lernen nicht nur Gemüse kennen, sondern nehmen zum Beispiel auch einen Regenwurm in die Hand und erfahren, warum er für den Anbau so wichtig ist, sagt Guido Frommholz. Darüber hinaus würden sie sich damit auseinandersetzen, wie die Tomaten vom Acker über den Handel auf den Teller kommen. Nachdem die Erstbepflanzung erfolgreich geschafft sei und fast 30 Gemüsearten gepflanzt wurden, werden die Jugendlichen der Erdkinderplanstufe – also die Siebt- und Achtklässler – nun pro Woche eine Doppelstunde auf dem Acker verbringen. Sie pflanzen, pflegen, ernten, probieren, verwerten und vermarkten ihr Gemüse. „Ein wichtiger Schritt hin zu einer Generation, die weiß, was sie isst“, sagt Guido Frommholz.

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