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Landsberg

11.09.2019

Landkreis Landsberg: Wie der Fußball Flüchtlingen geholfen hat

Der Syrer Ahmad Assad (links) ist fester Bestandteil der Fußballmannschaft des MTV Dießen. Trainer Philipp Ropers erklärt ihm eine Spielsituation an der Taktiktafel.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Mit der Flüchtlingswelle kamen auch talentierte Sportler in den Landkreis Landsberg. Was ist aus ihnen geworden? Ahmad Assad aus Syrien erzählt seine Geschichte.

Der Fußball war Ahmad Assad schon immer wichtig. In seiner Heimat Syrien spielte er in der zweiten Liga und in Deutschland fand er über den Fußball schnell Anschluss und neue Freunde. Inzwischen ist er Stammspieler beim A-Klassisten MTV Dießen. Assad ist kein Einzelfall. Viele Flüchtlinge haben sich über den Sport integriert. Das LT hat mit Vereinsverantwortlichen gesprochen, wie die Integration gelungen ist.

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Es war im Jahr 2016 als Ahmad Assad nach seiner Flucht nach Deutschland in Dießen landete. „Zusammen mit drei Freunden bin ich zum Fußballplatz gekommen und habe zugeschaut“, erzählt der 26-Jährige. Beim Zuschauen ist es nicht lange geblieben, denn der MTV Dießen hat sich, wie viele andere Sportvereine im Landkreis, bemüht, die Flüchtlinge mithilfe des Sports zu integrieren. „Wir hatten damals einen ganzen Karton mit Fußballschuhen am Platz stehen“, erzählt der aktuelle Trainer Philipp Ropers. Etwa zehn Flüchtlinge seien in der Hochzeit der Flüchtlingswelle in Dießen beim Training dabei gewesen. Auch Jugendliche wurden in die Teams aufgenommen. Geblieben seien nicht viele, da die Flüchtlinge immer wieder ihren Aufenthaltsort ändern müssten. „Das ist natürlich schade, aber da kann man nichts machen“, so Ropers.

Ahmad Assad ist am Ammersee heimisch geworden

Ahmad Assad ist inzwischen am Ammersee heimisch geworden. Der 26-Jährige wohnt in Schondorf und hat auch eine Arbeitsstelle. Davon erzählt er in nicht akzentfreiem, aber sehr guten Deutsch. „Die Sprache ist ganz wichtig“, weiß er selbst, deshalb habe er auch, so schnell es möglich war, eine Sprachschule besucht. Aber auch der Sport habe ihm geholfen, wobei Ropers und Assad schmunzeln, wenn sie an die ersten Trainingseinheiten zurückdenken: „Er hat immer ,Okay’ gesagt, obwohl er nichts verstanden hat“, erzählt Ropers. Jetzt gebe es nur mehr bei komplizierten Übungen manchmal Probleme. „Dann zeigen mir die anderen die Übung, und wenn ich es sehe, kann ich es nachmachen“, sagt Assad.

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Ganz einfach sei die Eingliederung nicht immer gewesen, aber mit Patrick Beausencourt bei den Senioren und Erwin Ertl bei der Jugend seien zwei „treibende Kräfte“ vorhanden gewesen, die auch diese Schwierigkeiten überwunden hatten. „Allein durch die Sprachprobleme kommt es eben leicht zu Missverständnissen“, sagt Ropers. Auf der anderen Seite könne eben gerade der Sport mithelfen, diese Sprachbarrieren zu überwinden. Inzwischen hätten Mannschaft und Assad nur mehr ein „Problem“: „Er trinkt kein Bier“, sagt Ropers. „Ich nehme dafür Apfelsaft-Schorle, das sieht dann ähnlich aus“, antwortet Assad und schmunzelt.

In Kaufering gibt es keine Verständigungsprobleme

In Kaufering besteht derzeit „die halbe zweite A-Jugend-Mannschaft aus Flüchtlingen“, sagt Abteilungsleiter Berhard Haller. 2016 seien die ersten an den Verein herangetreten, die meisten von ihnen sind noch immer dabei. „Insgesamt sind es etwa zehn Spieler“, so Haller, die auf weitere Jugend-Teams verteilt seien. Im Seniorenbereich seien keine Asylbewerber aktiv. „Alle sprechen relativ gut deutsch, da gibt es keine Verständigungsprobleme.“

Schwieriger sei es, die Spieler, die vornehmlich aus Syrien und Afghanistan stammen, bei kurzfristigen Terminänderungen zu erreichen. Auch an die Mentalität müsse man sich erst gewöhnen. „Einmal wurde ein Spieler in Höhe der Mittellinie gefoult“, erzählt Haller, dann sei sein Teamkollege von der Bank aus aufs Feld gelaufen und habe den Übeltäter umgestoßen. „Da hat er natürlich eine Sperre bekommen.“

Drei Afrikaner und ein Syrer in Erpfting

Nicht nur in die Erste Mannschaft beim SV Erpfting, sondern sogar in die Bezirksliga hatte es Mass Mbaye geschafft, und zwar mit dem FC Penzing. Drei Afrikaner und ein Syrer waren beim SV Erpfting aufgenommen worden. Ein Spieler wechselte zu Türkspor Landsberg, kam aber wieder nach Erpfting zurück. „Die Kommunikation war anfangs etwas schwierig“, sagt SVE-Abteilungsleiter Patrick Völkers. Beispielsweise bis die Abseitsregel verstanden worden war. Das war aber auch das Einzige: „Es kommt natürlich immer auf die Persönlichkeit an, aber unsere sind nette Kerle“, sieht Völkers den Sport als gutes Mittel zur Integration.

Nur gute Erfahrungen machte auch Andreas Schillinger, Abteilungsleiter bei Jahn Landsberg. „Bei den Herren haben bei uns sechs Spieler mitgemacht“, erzählt er. Anfangs habe es schon die eine oder andere kritische Stimme gegeben, aber „die Jungs waren supernett, immer pünktlich und auch bei den Arbeitseinsätzen immer da“. Allerdings sind nicht viele geblieben: „Wenn sie dann eine Arbeit gefunden haben, waren sie meist weg. Auch weil sie oft keinen Führerschein haben.“ In der Jugend spielen noch ein Syrer und ein Afghane bei Jahn, aber „da muss man schauen, wo der Weg hinführt“.

Genaue Zahlen, wie viele Flüchtlinge in den Sportvereinen im Landkreis aktiv sind, gibt es laut BLSV-Kreisvorsitzendem Rainer Waschke nicht. Auch beim Bayerischen Fußball-Verband gibt es nur Zahlen für ganz Bayern: Im Jahr 2015 wurden 2708 Pässe für Flüchtlinge neu ausgestellt, 2016 waren es 1217 und 2017 schließlich 591.

Lesen Sie hier die weiteren Teile unserer Serie:

Wie gut sind Flüchtlinge im Arbeitsmarkt integriert?

Geltendorf: Sie helfen Flüchtlingen, sich zurechtzufinden

Als die Flüchtlingskrise Landsberg erreichte

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