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Landsberg
09.11.2015

Ein Lächeln, das nicht leicht fiel

Jahresausstellung 2015 der Künstlergilde in den Beruflichen Schulen Landsberg.
Foto: Julian Leitenstorfer

Dreister Kunstraub und 107 verbliebene, sehr unterschiedliche Arbeiten zur 81. Jahresausstellung der Künstlergilde.

Durchaus einig mit dem im Jahr zuvor von Kulturbürgermeister Axel Flörke geäußerten Wunsch nach Verjüngung des Besucherkreises zeigte sich die „alte Dame Künstlergilde“ anlässlich der Eröffnung ihrer 81. Jahresausstellung am Samstag in den Beruflichen Schulen Landsberg. Nicht etwa gediegener Harfen- oder Lautenklang rahmte die Veranstaltung. Stattdessen fanden sich unter anderem ein Schubkarren, umgekehrt aufgehängte Tontöpfe und eine Plastikgießkanne im Instrumentarium der drei Schmid-Schützlinge von der Städtischen Musikschule, Korbinian Fichtl, Julius Michel und Godwin Schmid – zusammen „Licca Percussiva“. Und auf diesen zweckentfremdeten Gartengeräten heizten die jungen Musiker einem trotz beinahe sommerlichen Wetters zahlreich erschienen Publikum gehörig ein.

Laut, selbst sehr laut zu sein, heißt noch lange nicht Krach machen. Das demonstrierten die drei Percussionisten auch in den später folgenden Instrumentaleinlagen mit ihrem hochkonzentrierten, auf den Punkt genauen und zugleich mitreißend temperamentvollen Spiel sehr eindrucksvoll. Zumindest hier dürften die jungen Besucher, von Axel Flörke gesondert begrüßt mit der scherzhaften Frage: „Ich hoffe, ihr seid freiwillig hier?“, mit einem uneingeschränkten „Ja“ geantwortet haben.

Nicht nur von der „heißen Vorbereitungsphase“ der Ausstellung in der zurückliegenden Woche, als sie und ihr Team mit der Hängung der ursprünglich 108 Arbeiten beginnen konnten, hatte Vorsitzende Petra Ruffing in ihrer Begrüßungsrede zu berichten, sondern auch von einem Kunstraub: Über Nacht war eine Arbeit des Malers Roland Müller verschwunden. An deren Stelle in der Eingangshalle nun ein schräg gehängtes Poster, das das Werk in einer Reproduktion zeigt, versehen mit der Aufforderung an den unbekannten „Kunstliebhaber“, dieses umgehend zurückzugeben. Seine persönliche Wertschätzung im Falle eines Falles doch angemessen zum Ausdruck zu bringen, darum bat Petra Ruffing mit einem Lächeln, das in diesem Moment sicher nicht leichtfiel und dem ironischen Hinweis, dass fast alle Exponate auch käuflich zu erwerben seien.

Mit Verweis auf das breite Spektrum der präsentierten Kunstwerke von klassischer Malerei in Öl oder Acryl über grafische Darstellungsformen, einige Plastiken und nicht zuletzt Fotografien sowie das ebenso breite stilistische Spektrum der aktuellen Werkschau, das er nicht im Einzelnen würdigen könne, übernahm es Kunsthistoriker Dr. Christoph Engels in seiner Einführungsrede stattdessen, unter dem Aspekt des Qualtätsbegriffs einen Abriss zum abendländischen Kunstverständnis über die Jahrhunderte hinweg, von der Antike bis in die Moderne zu geben. Unter anderem kam er dabei auf die in der Romantik eingeführte „Rückenfigur“ zu sprechen, die in moderner Interpretation den Besuchern auf ihrem anschließenden Gang durch die Ausstellung in einer Fotoserie des Gastausstellers, der Vhs-Fotogruppe Landsberg, begegnen sollte: In Rückenansicht gezeigt werden hier Museumsbesucher, Gruppen, aber auch Einzelpersonen, in ihrer sehr unterschiedlichen Herangehensweise und der teils sichtlich intensiven, bis ins Körperliche gehenden Auseinandersetzung mit Kunst.

Drei Viertel der aktuell geführten Mitglieder der Künstlergilde sind in der 81. Jahresausstellung mit einem bis fünf Werken vertreten. Diese in Ausdrucksform und Darstellungsweise so unterschiedlichen 42 Persönlichkeiten in einem schlüssigen Ausstellungskonzept zu präsentieren, stellt eine große Herausforderung dar. Lange, sonst eher ungeliebte Flure, bieten hier die Möglichkeit, ordnend zu arbeiten, Nähe aufzubauen oder Distanz zu schaffen. Als Gruppe zusammengefasst finden sich so etwa die fünf kolorierten Federzeichnungen von Veronika Rehm-Graf oder zu je zweien gehängt die kleinformatigen Materialmontagen von Gislinde Schröter. Ein Einzelplatz wie etwa für Helga Dahns Acrylbild „Nichts bleibt“, hätte sich vielleicht auch für Gerhard Heitzers Aquarell „Farbwechsel“ und Jakob Mathys kleinen Linolschnitt „Sonnenblumen“ finden lassen.

Wie geglückt Beziehungen einzelner Werke untereinander hergestellt oder herausgestrichen werden, zeigte sich zu vorgerückter Stunde, beispielsweise im Eingangsbereich, als dieser sich allmählich leerte und der Blick freier auf die Arbeiten fiel. Etwa auf ein kleines Zweier-Ensemble in Gelb: an der Wand Gernot Kragls „Glen Coe“ und davor gestellt Wolfgang Grimmes Motorsägearbeit „Sonnenschirm“ oder, weiter hinten im Raum, auf die in Farbigkeit und Bildaufbau so ähnlichen „Wolken I“ von Barbara Bayer und Hans Dietrichs „Winterlandschaft“.

Viele weitere Arbeiten der Gilde-Künstler sind zu entdecken in der Ausstellung in den Beruflichen Schulen Landsberg, Spitalfeldstraße 11, bis 22. November, jeweils sonntags und samstags zwischen 14 und 17.30 Uhr.

Viele weitere Fotos in unserer Bildergalerie.

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