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Landsberg

21.05.2020

Landsberg: Ein beruflicher Neuanfang mit 48 Jahren

Christiane Maurer-Werny (links) schätzt die offene, direkte Art der Bewohnerinnen wie Veronika, mit der sie zusammen das Abendessen vorbereitet.
Bild: Daniela Hollrotter

Plus Christine Maurer-Werny hängt ihren alten Beruf an den Nagel. Jetzt macht sie eine Ausbildung bei der Lebenshilfe in Landsberg.

Christiane Maurer-Werny hat ihren Schritt nie bereut. Mit 48 Jahren hat sie ihren technischen Beruf an den Nagel gehängt und sich bei der Lebenshilfe Landsberg beworben. Nun macht sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und kann dabei ihre Erfahrungen als dreifache Mutter und Jugendleiterin im Sportverein einbringen. Im Gespräch mit dem LT erzählt sie über ihre abwechslungsreiche Aufgabe und die Menschen, deren Offenheit und Direktheit sie sehr schätzt.

Die Menschen im Wohnheim der Lebenshilfe „zeigen ihre Zuneigung direkt und sind nicht berechnend“, sagt Christiane Maurer-Werny. Sie habe deshalb „sehr schnell einen Draht“ zu ihnen gefunden, als sie im September 2017 als Hilfskraft in der Wohngruppe 3 anfing. Sie wollte damals etwas Neues beginnen und ihre Erfahrungen einbringen, die sie im Verein und im engeren Umfeld mit Menschen mit Behinderungen gemacht hat.

Die Mitschüler sind zwischen 18 und 53 Jahre alt

Ein Jahr später begann sie die berufsbegleitende Ausbildung an der Fachschule für Heilerziehungspflege der Katholischen Jugendfürsorge in Augsburg. Seither beschäftigt sie sich zwei Tage pro Woche mit Medizin, Psychiatrie, Recht, Sozialkunde, Pflege, aber auch Hauswirtschaft, Spiel, Sport, Musik und Gestalten. Zusammen mit 16 Klassenkameraden zwischen 18 und 53 Jahren drückt sie die Schulbank, schreibt Leistungsnachweise und Berichte, lernt auf Prüfungen und führt Praxisprojekte durch.

Landsberg: Ein beruflicher Neuanfang mit 48 Jahren

„Es ist aufwendig, aber machbar“, sagt Christiane Maurer-Werny. Man müsse sich vor allem selbst organisieren und darauf einstellen, dass viel Freizeit wegfällt. Für Alleinerziehende oder Eltern kleinerer Kinder hält sie die dreijährige Ausbildung für schwierig. Sie selbst leistet ihre 20 Stunden Arbeitszeit im Wohnheim vor allem nachmittags, nachts und am Wochenende, denn die sechs Bewohner arbeiten tagsüber. Für die erforderlichen Praxisprojekte sollte man mit Zeitpuffer planen, weiß Christiane Maurer-Werny aus Erfahrung. Denn sonst kommen die Heilerziehungspflegeschüler schnell ins Schleudern, wenn einer der Bewohner krank wird oder kurzfristig seine Angehörigen besucht. „Ich habe mit Menschen zu tun, und da kann man nichts vorhersagen“, sagt die 51-Jährige. Diese Abwechslung und die Möglichkeit, noch einmal etwas Neues zu lernen, gefallen ihr gut.

Mit den Bewohnern geht sie auch Schlittschuhlaufen

Sie freut sich aber auch, dass sie ihre Lebenserfahrung und ihre Hobbys mit in die Arbeit einbringen kann. So bietet sie den Bewohnern zum Beispiel Schlittschuhlaufen, Entspannungsübungen, Handarbeiten oder künstlerisches Gestalten an. Christiane Maurer-Werny schätzt es auch sehr, dass sie bei der Lebenshilfe viele Fortbildungen besuchen darf und auch dank ihrem Kollegen Michel Kürstner viel dazulernt – zum Beispiel zur Unterstützten Kommunikation, welche Hilfen es wo gibt oder worauf bei Menschen mit Down-Syndrom medizinisch besonders geachtet werden muss.

Das Schönste aber sei, dass sie von den Bewohnern sehr viel zurückbekommt. Oft bedanken sie sich bei Christiane Maurer-Werny oder sagen: „Das war ein schöner Tag“. Deshalb will die 51-Jährige nach Beendigung ihrer Ausbildung auch mehr Stunden bei der Lebenshilfe Landsberg arbeiten und eventuell eine eigene Wohnheimgruppe übernehmen. (lt)

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