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Landsberg
04.06.2021

Landsberg: Hilfe für Familien in schweren Situationen

An der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg gibt es ein spezielles Angebot für psychisch kranke Eltern mit Kindern.
Foto: Alexander Kaya (Symbol)

Wenn Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden, ist das auch für deren Kinder schwierig. In der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg gibt es dafür ein spezielles Angebot.

Wenn Eltern unter einer psychischen Störung leiden, dann betrifft die Erkrankung immer auch deren Kinder. Sie spüren, dass irgendetwas mit Mama oder Papa nicht stimmt, und erleben, dass vielfach auch die Einnahme von Medikamenten nötig ist. Häufig führt das bei betroffenen Kindern und Jugendlichen zu einer starken Verunsicherung und Angst – vor allem dann, wenn sie die Gründe nicht kennen und das Geschehen nicht einordnen können. Die kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg hat hierfür ein besonderes Angebot.

Mitunter leiden Kinder unter Schuld- und Schamgefühlen und fühlen sich für das Auftreten der Erkrankung mitverantwortlich. Vielleicht, weil sie mal frech waren oder ihr Zimmer nicht immer aufgeräumt haben. Gleichzeitig können oder wollen sie nicht darüber sprechen, um den betroffenen Elternteil nicht noch zusätzlich zu belasten. Nicht selten fühlen sie sich mit der Situation überfordert und alleingelassen.

Die Kindersprechstunde an der Klinik soll prophylaktisch wirken

Die Kindersprechstunde in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Landsberg ist ein zeitnahes, freiwilliges und bedarfsgerechtes Beratungs- und Unterstützungsangebot für Kinder und Jugendliche von Patienten, die im Rahmen der ambulanten, teilstationären und stationären Versorgung in der Klinik behandelt werden. Es ist das einzige Angebot dieser Art in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg und Starnberg und ein aus Sicht von Chefarzt Dr. Robert Kuhlmann essenzielles Angebot, „um Familien mit psychisch erkrankten Eltern und vor allem deren Kinder zu stützen, ihnen zu helfen und sie möglichst vor einer eigenen Erkrankung zu bewahren“. Es diene also auch der Prophylaxe.

Seit einem Jahr hilft die Kindersprechstunde in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Landsberg Familien in schwierigen Situationen. Dimplom-sozialpädagogin Yvonne van Gemert.
Foto: Barbara Falkenberg

Art und Umfang der Beratung erfolgen in Abstimmung mit den betroffenen Patienten sowie mit den nicht erkrankten Elternteilen oder weiteren Familienangehörigen. Eines der wichtigsten Ziele der Kindersprechstunde sei, die altersgerechte Aufklärung und Information über die Erkrankung des Elternteils: „Wir arbeiten gemeinsam heraus, welche Fragen und Befürchtungen es gibt, und ob und welche Hilfe nötig ist“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin Yvonne van Gemert.

Häufig glauben Eltern, ihre Kinder am besten schützen zu können, wenn sie nicht mit ihnen über ihre Erkrankung sprechen. Sie wollen jegliche Belastung von ihnen fernhalten. Dabei spüren die Kinder, wenn sich etwas verändert hat, wenn es zu Hause nicht mehr so ist wie früher. Auch wenn nicht jedes Kind sofort offen reagiert, sondern auf seine eigene Art versucht, einen Umgang mit der neuen Situation zu finden. „Oft wissen die Kinder viel länger über die Erkrankung Bescheid, als die Eltern meinen, die davon ausgehen, diese vor ihrem Nachwuchs verbergen zu können“, so van Gemert.

Wenn Kinder ihre Freunde wegen der Krankheit der Eltern nicht mehr einladen

Besonders ältere Kinder machen sich dann im Internet auf die Suche nach einer Erklärung für das elterliche Verhalten. Weil aber nicht mit ihnen gesprochen wird, sind sie verunsichert und zusätzlich verspüren sie Angst um den betroffenen Elternteil. Unter Schamgefühlen leiden nicht nur die Kinder, die ihre Freunde nicht mehr nach Hause einladen, weil sie nicht möchten, dass diese den beispielsweise alkoholkranken Elternteil sehen, sondern auch die Eltern. „Sie wollen nicht, dass ihre Kinder sie schwach erleben, ihre Tränen und ihr wahres Befinden nicht zeigen“, berichtet die Sozialpädagogin. Dabei gelte: je älter ein Kind oder Jugendlicher ist, desto eher sind möglicherweise Ressourcen vorhanden, mit der schwierigen Familiensituation zurechtzukommen, denn die Abhängigkeit von den Eltern ist nicht mehr so groß. Dennoch brauchen auch sie mitunter Hilfe und Unterstützung.

An der kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg gibt es ein spezielles Angebot für psychisch kranke Eltern mit Kindern.
Foto: Thorsten Jordan (Archiv)

„Unser vorrangiges Ziel der Kindersprechstunde ist es, neben einer kindgerechten Aufklärung über die jeweilige Erkrankung und darüber, was in unserer Klinik passiert, die Kommunikation, das gegenseitige Verständnis und den Austausch innerhalb der Familie zu fördern und die Situation damit für alle zu erleichtern“, sagt van Gemert. Wenn die Dinge offen angesprochen würden, dann könnten Unterstützungsmöglichkeiten geschaffen werden. Eine Mutter muss sich dann nicht mehr schlecht fühlen, wenn die Nachbarin einspringt und die Tochter zum Kindergarten fährt. Indem das Kind, sprich: die Krankheit, beim Namen genannt wird, verliere sie ihren Schrecken. „Es ist wie mit einer unsichtbaren Kiste mitten im Raum: Jeder stolpert darüber, aber keiner traut sich, sie aufzumachen und wegzuräumen“, so van Gemert.

„Es geht in der Kindersprechstunde zudem um den richtigen Umgang mit und in akuten Krisensituationen“, so die Expertin weiter, die die Eltern auch in Erziehungsfragen berät und bei Bedarf bei der Anbindung an weiterführende Hilfen begleitet. Wichtig sei es, allen am Gespräch Beteiligten immer wieder zu signalisieren, dass eine psychische Erkrankung genauso gut behandelbar ist wie eine körperliche und dass es für alles eine Lösung gibt. (lt)

Kontakt Wer Fragen hat, kann sich montags, dienstags oder donnerstags unter Telefon 08191/333-2973 melden oder eine E-Mail an Yvonne.vanGemert@kbo.de schreiben.

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